Stimmungsbild Angst und Resignation in Lichtenstein nach Corona-Protesten

Am 3. Januar wurden bei einem Corona-Protest in Lichtenstein 14 Polizisten verletzt. Die Beamten hatten 60 der 200 Demonstranten festgesetzt, wobei es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kam. Wie gehen die Menschen der Kleinstadt damit um? MDR SACHSEN hat nachgefragt.

Eine bebaute Straßenkreuzung mit einem engen Kreisverkehr in Lichtenstein.
An diesem Kreisverkehr sammeln sich die Demonstranten Montagabends. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Nach Zwönitz und Freiberg steht auch die kleine Stadt Lichtenstein bei Zwickau in den Schlagzeilen. Bei den sogenannten Corona-Spaziergängen gab es am 3. Januar Rangeleien zwischen Demonstranten und der Polizei. Dabei wurden allein 14 Polizisten verletzt. Für den heutigen Montag ist in den sozialen Netzwerken zu einem weiteren "Spaziergang" aufgerufen worden.

Demonstrationstourismus ist fehl am Platze

Die Lichtensteiner, die am Montagvormittag zu einem Gespräch bereit waren, sind immer noch bestürzt: Neben Menschen zwischen 40 und 60 Jahren, die friedlich seien, gebe es immer mehr, die von auswärts in die Stadt kämen und auf Gewalt aus seien, erzählen sie. "Das hat man ja von Zwönitz schon gehört und manchen anderen Städten. Ich finde das völlig fehl am Platze, dass man eine Art Tourismus daraus macht", sagt ein Lichtensteiner. Ein anderer zum MDR SACHSEN-Reporter: " Für mich ist das unverständlich, in meinen Augen sind das alles Idioten und Dünnbrettbohrer." Es sei sinnlos, was die losließen.

Ladenbesitzerin hat Angst

In Geschäften, in der Post und der Apotheke hört man, dass viele Menschen Angst hätten. Der Großteil der Lichtensteiner sehe zu, dass er mit Einbruch der Dunkelheit zu Hause sei. Ein Mann meint, "ab 18 Uhr ist es hier wie ausgestorben". Eine Ladenbesitzerin, mit der MDR SACHSEN gesprochen hat, schließt wegen der Demonstrationen ihr Geschäft bereits um 17 Uhr. "Es ist mir schon an einem Montag passiert, als ich 17 Uhr meinen Laden abgeschlossen habe und sehr viel Polizei gesehen habe. Erst war ich skeptisch und wollte im Geschäft bleiben, falls mir die Scheiben eingeschlagen werden." Nach ihrem Arbeitstag wollte sie aber doch nach Hause gehen und sei schon von Jugendlichen auf dem Parkplatz angepöbelt worden. "Dann ging das Katz-und-Maus-Spiel los. Die haben die Polizei gejagt, die Polizei jagte dann die, überall bildeten sich Gruppen."

Ich habe zugesehen, so schnell wie möglich mit dem Auto vom Parkplatz zu kommen und zu flüchten.

Eine Ladenbesitzerin aus Lichtenstein

Sie sei von den Demonstranten angesprochen worden und sollte in der Stadt bleiben. Die unbekannten Jugendlichen, die sie auf 18 bis 20 Jahre schätzte, hätten zu ihr gesagt: "Jede Stimme zählt!" Ein anderer Geschäftsinhaber kommentiert das Geschehen lakonisch: "Klar, dass die hier sind. Die Fussballstadien sind doch zu."

In Lichtenstein ist die Unzufriedenheit mit der Politik mit Händen zu greifen. Die Menschen, mit denen MDR SACHSEN gesprochen hat, bewerten die Corona-Maßnahmen kritisch. Insbesondere das für sie schwer zu begreifende Durcheinander der Regelungen: 2G, 2G+, 3G... "Heute so, morgen so. Hier gilt das, dort gilt das." So reagierten die Befragten auf die Frage, wie sie mit der derzeitigen Situation klarkommen.

Eine bebaute Straße ohne Menschen und Fahrzeuge in Lichtenstein.
Viele Lichtensteiner meiden mittlerweile die Innenstadt, insbesondere am Abend. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Erklärung des Bürgermeisters und der Fraktionen ruft zu Besonnenheit auf

Der Bürgermeister der Stadt Lichtenstein, Thomas Nordheim, hat mit den Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen am 6. Januar eine Erklärung veröffentlicht, in der sie zu Ruhe und Besonnenheit aufrufen. Darin heißt es, dass es nicht passieren dürfe, dass Unzufriedenheit in Gewalt münde. Es gebe weiterhin ausreichend Möglichkeiten, seine Meinung gewaltfrei und unter Beachtung der geltenden Regeln zu äußern.

Quelle: MDR/tfr/ds

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 10. Januar 2022 | 16:30 Uhr

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