3G-Regel Testzentren für Corona im ländlichen Raum sind Mangelware

Die meisten Landkreise in Sachsen liegen bei der Corona-Inzidenz wieder über 35. Viele Einrichtungen lassen nur noch Geimpfte, Genesene oder Getestete rein. Im ländlichen Raum sind Testmöglichkeiten rar.

Illustration - Ein Antigen Test befindet befindet sich auf dem Schriftzug Testpflicht.
Bildrechte: dpa

Nachdem der Landkreis Zwickau am 6. September den fünften Tag in Folge den Inzidenzwert von 35 überschritten hatte, sind dort zwei Tage später verschärfte Regelungen in Kraft getreten. Deshalb gilt nun für viele Bereiche wieder die sogenannte 3G-Regel. Beim Besuch von Gaststätten oder Hotels, Diskotheken, Clubs, Bars, Friseuren und kulturellen Veranstaltungen sowie Hallenbädern und Saunen muss ein Nachweis über eine Impfung oder die Genesung vorgelegt werden - oder ein negativer Test.

Damit beginnt wieder die Suche nach einem Testzentrum. Viele dieser Zentren wurden im Frühsommer geschlossen, als die Nachfrage ausblieb. Einige Bürgermeister versuchen, die Testzentren in ihren Orten wieder zu reaktivieren. Bürgermeister Tino Kögler aus Wildenfels hat die Teststelle im alten Rathaus seit Montag wieder geöffnet. Ob die Nachfrage der Bürger ausreicht, werde sich zeigen, sagt Kögler. "Es kommt ganz drauf an, wie das Testzentrum von unseren Bürgern und denen aus den Nachbargemeinden wahrgenommen wird." Wenn nicht genügend Nachfrage für Tests da wäre, würde es wieder geschlossen.

Das ist die Testphase für das Testzentrum.

Tino Kögler Bürgermeister Wildenfels

Viele Bürgermeister warten noch ab

Andere Bürgermeister warten noch ab, wie sich die Nachfrage entwickelt, das ergab eine Nachfrage von MDR SACHSEN. Martin Kunz in Hartenstein will die Entwicklung beobachten. Sein Amtskollege Frank Rose aus Langenbernsdorf hofft, sich mit seinen Nachbarkommunen zusammenschließen zu können. Bürgermeister Daniel Röthig aus Callenberg ist der Ansicht, dass sich der Markt selbst regelt. Er geht davon aus, dass die Teststellenbetreiber sich selbst kümmern, wenn die Nachfrage stimmt. Viele Bürgermeister bauen darauf, dass ältere, weniger mobile Menschen überwiegend geimpft sind. Sie hoffen, dass die mobilen, also jüngeren Menschen, kein Problem damit haben, für einen Test zehn Kilometer oder mehr in den nächsten größeren Ort zu fahren.

Weniger Optimismus bei betroffenen Dienstleistern

Friseurmeisterin Bettina Friedrich aus Trünzig bei Werdau blickt weniger zuversichtlich in die Zukunft. Sie befürchtet, dass wie im Frühjahr die Kunden wegbleiben. Friseurleistungen könnten dann vielerorts wieder schwarz hinter verschlossenen Türen durchgeführt werden. Noch besorgter blickt sie auf den kommenden Monat, ab dem auch ihre Kunden die Tests selbst bezahlen müssen. "Ich habe das Zertifikat, das mich berechtigt, Tests bei mir im Salon durchzuführen." Sie könne die Tests dann gratis anbieten. "Im Endeffekt muss ich mir die Frage stellen, gebe ich jetzt fünf Euro aus und die Kunden kommen wenigstens." Sonst blieben ihre Stühle leer und sie könne die Mitarbeiter nicht bezahlen und müsse sie in Kurzarbeit schicken.

Ein Friseur schneidet einer Person die Haare.
Friseurmeisterin Bettina Friedrich befürchtet, dass ihre Kunden wegbleiben, wenn die Corona-Tests kostenpflichtig werden. Bildrechte: colourbox

Kultureinrichtungen müssen Besucher wegschicken

Auch Kultureinrichtungen wie das Landwirtschaftsmuseum Blankenhain stellen einen Rückgang der Besucherzahlen fest. Bei einem Aktionstag wie am Sonntag seien mit 150 etwa sechs Mal weniger Besucher gekommen als in normalen Jahren, sagt Museumsdirektor Jürgen Knauss. Auch die große Nähe zu drei weiteren Landkreisen, davon zwei auf thüringischer Seite, mache die Lage kompliziert. "Von den Besuchern hatten 25 Personen eben keinen der 3G-Nachweise dabei. Sie mussten wir wieder wegschicken. Und da kamen Sätze wie 'Bei uns braucht man das nicht.'."

Panorama Landwirtschaftsmuseum Blankenhain
Das Landwirtschaftsmuseum Blankenhain musste Besucher wegschicken, die keinen der 3G-Nachweise bei sich hatten. Bildrechte: DLM Schloss Blankenhain

Wenn die kostenlosen Bürgertests im Oktober wegfallen oder möglicherweise eine 2G-Regel eingeführt wird, werden wohl viele auf Dienstleistungen oder Ausflüge verzichten.

Quelle: MDR/tfr/nk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 13. September 2021 | 18:02 Uhr

Mehr aus Zwickau, Altenburg und Greiz

Mehr aus Sachsen