Markt-Abbau Frust bei Weihnachtsmarkthändlern in Zwickau

Weihnachtsmärkte werden in Sachsen in diesem Jahr nicht stattfinden. Auch zwei Wochen nach der Absage sitzt der Frust bei den Händlern immer noch tief. MDR SACHSEN hat mit Ralf Schwartz, dem größten Anbieter auf dem Zwickauer Weihnachtsmarkt gesprochen.

Ein Weihnachtsmarkt wird abgebaut
Am Freitag sind in Zwickau die letzten Weihnachtsmarktbuden abgebaut worden. Bildrechte: MDR/Dany Striese

Am Freitag sind in Zwickau die letzten großen Buden vom Weihnachtsmarkt abgebaut worden. Darunter waren die große Pyramide vor dem Rathaus, die das Herzstück des Marktes ist. Sie gehört zum Stand von Ralf Schwartz. Er ist mit seiner Firma der größte Anbieter auf dem Zwickauer Weihnachtsmarkt. Normalerweise verkauft er Heißgetränke, warme und kalte Speisen sowie Süßigkeiten.

Der Frust sitzt tief bei ihm. "Wir wurden viel zu spät informiert, dass keine Weihnachtsmärkte stattfinden", findet Schwartz. "Es war seit längerer Zeit absehbar, dass die Zahlen massiv nach oben gehen. Man hätte schon früher reagieren können."

Ein Weihnachtsmarkt wird abgebaut
Auch die Pyramide vor dem Rathaus ist am Freitag in Einzelteilen verpackt worden. Bildrechte: MDR/Dany Striese

30.000 Euro Auf- und Abbaukosten

Während im letzten Jahr keine Buden für die Weihnachtsmärkte aufgebaut worden waren, standen dieses Mal alle Stände komplett betriebsbereit. Schwartz spricht von rund 30.000 Euro Auf- und Abbaukosten, auf denen er nun sitzen bleibe. "Wir haben zurzeit noch keine Informationen, ob ein Ausgleich stattfindet oder nicht", sagt er. Aktuell gebe es nur die Verlängerung der Überbrückungshilfe III, die aber nur die Betriebskosten decke.

Sonderabschreibungen für Saisonwaren

Der sächsische Wirtschaftsminister, Martin Dulig (SPD), zeigt weitere Möglichkeiten für die Händler auf. "Wir haben verabredet, dass eine Sonderabschreibung für Saisonwaren möglich ist", sagt er. "Das ist genau für jemanden, der sich zum Beispiel mit Waren für den Weihnachtsmarkt eingedeckt hat, eine Möglichkeit."

Hierbei gehe es aber nicht um steuerliche Abschreibungen, die Gewinne und damit die Steuerlast im kommenden Jahr reduzieren, so das sächsische Wirtschaftsministerium. Vielmehr seien die Beträge Grundlage für die Berechnung der Überbrückungshilfe und würden im Rahmen der Fixkostenerstattung berücksichtigt.

1.200 Klopse im Lager

Doch nicht nur der Auf- und Abbau bereitet dem Händler Probleme. Er hat viele Waren eingekauft, die nun in seinem Lager liegen. So zum Beispiel 1.200 Frikadellen. "Es trifft nicht nur uns als Händler, sondern die Zulieferindustrie ist genauso betroffen", sagt Schwartz.

Ein Weihnachtsmarkt wird abgebaut
Bildrechte: MDR/Dany Striese

Bei der Firma Knoll stehen 1,2 Tonnen Reibekuchenteig, den können die komplett wegschmeissen. Unser Fleischer hat Mutzbraten und Roster für uns vorproduziert. Ich weiß nicht, was sie jetzt damit machen.

Ralf Schwartz

Ein Verkauf über Onlineportale kommt für Schwartz nicht in Frage. "Wenn man das in Kühlpackungen verpacken und versenden muss, dann sind die Gesamtkosten drumherum wesentlich höher als der Inhalt", sagt er.

Kreative Lösungen in sächsischen Städten

In anderen Städten wurden Lösungen für die verderblichen Waren gesucht. In Freiberg wurden den Händlern Alternativstandorte außerhalb des Marktbereichs auf dem Obermarkt angeboten. Auch in Chemnitz wurden neun zusätzliche Buden auf dem Wochenmarkt mit weihnachtlichen Lebensmitteln gestattet.

Die Saisonkräfte, die sich die Zeit für die Weihnachtsmärkte extra freigehalten haben, stehen laut Schwartz jetzt mit leeren Händen da. "Sie sind sauer, weil sie jetzt keine Arbeit haben", so Schwartz.

Zweites Standbein bei Sportveranstaltungen

Schwartz ist auch Caterer am Sachsenring oder bei den Eispiraten in Crimmitschau. Durch das Verbot von Großveranstaltungen in Sachsen sei ihm auch dieses Standbein weggebrochen. Warum Geimpfte und Genesene nicht zu Sportveranstaltungen gehen dürfen, will der Unternehmer nicht nachvollziehen.

Quelle: MDR(al/dst)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 03. Dezember 2021 | 14:30 Uhr

3 Kommentare

wwdd vor 6 Wochen

Man sollte das beste daraus machen. Beim Treffen mit Freunden zu Hause kann man bei einem Lagerfeuer weihnachtsmarkttypische Dinge konsumieren und hat Spaß dabei. Auch in Zwickau neben dem schönen Baum auf dem Markt kann man zusammenkommen und den Glühwein aus der Thermoskanne trinken. Das alles geht ohne Masken und irgendwelche Gs.

Karsten Finn vor 6 Wochen

Sehr geehrter Herr Schwartz,
mit Bestürzung lese ich ihren Artikel und hätte einen Vorschlag wegen der Lebensmittel. Ich würde Vorschlagen das daß MDR eine Spendenaktion erstellt wo wir die Lebensmittel von Ihnen und den anderen Budenbetreibern abkaufen können. Sie geben diese dann an Tafeln, Kinderheime oder an andere karitative Einrichtung Ihrer Wahl. Ich wäre spontan bereit 20€ zu geben.
Ich bin fest davon überzeugt dass viele andere Zwickauer sich anschließen.

WSp vor 6 Wochen

Ja es ist traurig und alle Händler sind nicht zu beneiden. Aber bei jeder Befragung von Betroffenen sollte auch gefragt werden, ob dieser geimpft ist.

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