Erinnern Sachsen gibt Fördermittel für NSU-Dokumentationszentrum in Zwickau

Das rechtsextreme NSU-Trio, das für zehn Morde verantwortlich ist, hat viele Jahre in Zwickau unerkannt gelebt. Nun soll in der Muldestadt ein Dokumentationszentrum entstehen, das die Verbrechen des NSU aufarbeitet und zugleich dem demokatischen Diskurs dienen soll. Der Freistaat unterstützt laut Koalitionsvertrag die geplante Einrichtung in Zwickau.

Die Namen der NSU-Mordopfer stehen auf einer Gedenktafel für die NSU-Opfer
Zehn Menschen hat der NSU ermordet - neun mit ausländischen Wurzeln und eine deutschstämmige Polizistin. Bildrechte: dpa

Zehn Jahre nach Auffliegen der rechtsextreme Terrorzelle NSU - selbsternannter Nationalsozialistischer Untergrund - soll in Zwickau ein Dokumentationszentrum entstehen. In der Muldestadt, wo das Trio mehrere Jahre lang unentdeckt lebte, fand am Donnerstag ein Gedenk- und Bildungstag statt unter dem Titel "Reicht es?! – 10 Jahre NSU-Aufarbeitung in Zwickau". Dabei übergab Sachsens Justizministerin Katja Meier (Grüne) einen Fördermittelbescheid in Höhe von 95.000 Euro an den Verein Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie (RAA Sachsen). Das Geld ist für die konzeptionelle Planung des Dokumentationszentrums vorgesehen.

Ort für demokratischen Austausch

Die Ministerin sagte, das Dokumentationszentrum soll "ein lebendiger Ort werden, an dem Bildungsarbeit stattfindet, an dem Menschen zusammenkommen und ein Ort des demokratischen Austauschs, an dem Standpunkte diskutiert, Ideen entwickelt und umgesetzt werden".

Eine Frau spricht in ein Mikrofon.
Justizministerin Katja Meier: "Die Auseinandersetzung mit dem NSU-Komplex ist von nationaler Tragweite." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Auseinandersetzung mit dem NSU-Komplex ist von nationaler Tragweite. Viele Menschen aus ganz Europa werden auf Sachsen schauen. Denen können wir zeigen, dass wir in Sachsen um unsere Verantwortung wissen, dass wir gegen Rassismus vorgehen und dass wir aktiv unsere Demokratie stärken – hier vor Ort.

Katja Meier sächsische Justizministerin

Vize-Regierungschef: Versagen der Ermittler beschämt

Sachsens Vize-Ministerpräsident Wolfram Günther (Grüne) sieht rechtsextremen Terror weiter als große Herausforderung im Freistaat. "Der Rückzugsort der NSU-Terroristen hieß nicht ohne Grund Sachsen", erklärte der Politiker. Das Versagen der Ermittlungsbehörden damals schmerze und beschäme. Die Aufgabe, die Unterstützernetzwerke des NSU in Sachsen zu ermitteln, sei nicht abgeschlossen. CDU, Grüne und SPD wollen laut Koalitionsvertrag die Errichtung eines Erinnerungsortes sowie des Dokumentationszentrums für die NSU-Opfer unterstützen.

Das NSU-Terrortrio Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos
Das rechtsextreme NSU-Trio hat mehrere Jahre unentdeckt in Zwickau gelebt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zwickau will Image als NSU-Versteck abstreifen

Zwickaus Oberbürgermeisterin Constanze Arndt (Wählervereinigung Bürger für Zwickau) sagte: "Wir wollen uns als weltoffene Kommune präsentieren. Man habe einen kommunalen Präventionsrat, "der sich extra in einer Arbeitsgruppe mit dem Thema Gewalt auseinander setzt - ganz konkret mit der Herausforderung rechter Gewalt."

In Zwickau hatten Unbekannte vor zwei Jahren eine Gedenkstätte für die NSU-Opfer in einem Zwickauer Park geschändet und einen Gedenkbaum für das Mordopfer Enver Simsek abgesägt. Die Eiche war erst wenige Wochen vorher gepflanzt worden. Zudem war eine Gedenkbank für die Opfer rechter Gewalt demoliert worden.

Wie das NSU-Trio öffentlich wurde - Das aus Jena stammende NSU-Trio, das für zehn Morde und weitere Straftaten verantwortlich ist, war zunächst in Chemnitz untergetaucht und hatte dann viele Jahre unentdeckt in Zwickau gelebt. - - Nach dem Suizid von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos nach einem Banküberfall am 4. November 2011 in Eisenach hatte Beate Zschäpe die gemeinsame Wohnung angezündet.
- Zschäpe wurde später zu lebenslanger Haft verurteilt.

Quelle: MDR/lam/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 04. November 2021 | 16:30 Uhr

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