Mobbing an Schule Wegen Ohrfeige: Landratsamt prüft Disziplinarverfahren gegen Oberbürgermeister von Glauchau

Er ist seit einem Monat im Amt, jetzt ermittelt die Polizei gegen ihn: Der Oberbürgermeister der Stadt Glauchau, Marcus Steinhart, soll mit dem Mitschüler seines Sohnes in eine körperliche Auseinandersetzung geraten sein. Er habe seinen Sohn beschützen wollen, der an der Schule gemobbt wurde, schrieb er am Freitag in einem Post bei Facebook. Der Vorfall ereignete sich am Dienstag in Waldenburg. Das Landratsamt will nun prüfen, ob ein Disziplinarverfahren eingeleitet wird.

Das Emblem der sächsischen Polizei auf dem Ärmel eines T-Shirts.
Marcus Steinhart (CDU) ist erst seit Anfang August 2022 im Amt. Nun ermittelt die Polizei gegen ihn wegen des Verdachts auf Körperverletzung und Beleidigung. Bildrechte: xcitePRESS

Der Angriff auf einen Mitschüler seines Sohnes könnte für den Glauchauer Oberbürgermeister Marcus Steinhart (CDU) dienstliche Folgen haben. Das Landratsamt Zwickau prüft "von Amtswegen", ob in dem Fall ein Disziplinarverfahren einzuleiten ist, sagte eine Sprecherin der Behörde am Montag. Bisher habe die Behörde auf offiziellem Weg keine Information zu dem Vorfall erhalten. Eine Entscheidung könnte in den nächsten Tagen fallen. Steinhart gehe weiter seinen Amtsgeschäften nach, hieß es aus dem Glauchauer Rathaus.

OB Steinhart stellt Jugendlichen zur Rede

Der CDU-Politiker soll am vergangenen Dienstag in der Oberschule in Waldenburg einen Mitschüler seines Sohnes beleidigt und geschlagen haben. Steinhart war am Sonnabend zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen, bestätigte den Vorfall jedoch durch einen Facebook-Post. Er habe den maßgeblich handelnden Jugendlichen zur Rede gestellt und ihn mit den Beleidigungen gegenüber seinem Sohn konfrontiert, heißt es in dem Post. Dabei sei es zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen. Zuerst hatte das Internetportal "Tag24" über den Fall berichtet.

Ein Sprecher der Polizeidirektion Zwickau bestätigte MDR SACHSEN, dass Ermittlungen wegen Körperverletzung und Beleidigung gegen Steinhart aufgenommen wurden. Diese Woche seien mehr Informationen zu erwarten, so der Sprecher weiter.

Politiker bereut den Vorfall und entschuldigt sich

Über seine offizielle Facebook-Seite wandte sich der Glauchauer Oberbürgermeister am Freitag an die Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt und erläuterte ausführlich, dass sein Sohn seit Monaten unter Mobbing an der Schule leide und dadurch bereits körperliche und seelische Beeinträchtigungen erlitten habe. Steinhart habe daraufhin einen der verantwortlichen Mitschüler zur Rede stellen wollen, wobei es zu einer körperlichen Auseinandersetzung kam, berichtet er weiter. Er habe als entsetzter Vater gehandelt, der seinen Sohn beschützen wollte. Steinhart entschuldigte sich für den Vorfall. Er bereue ihn zutiefst.

Marcus Steinhart stammt aus Glauchau. Der 46 Jahre alte CDU-Politiker gehörte bis 2008 der Stadtrat-Fraktion seiner Partei in Glauchau an, danach arbeitete er bei der Stadtverwaltung. Im Juni 2022 wurde er im ersten Wahlgang zum Oberbürgermeister gewählt und trat sein Amt zum 1. August an.

MDR (sme/ali)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 05. September 2022 | 11:30 Uhr

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