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Rote Boote am Ufer der Talsperre. So wie es aussieht, werden sie in diesem Jahr dort auch nicht mehr wegkommen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

WassermangelBadesaison fällt aus: Frust an der Koberbachtalsperre in Werdau

von MDR SACHSEN

Stand: 21. Mai 2022, 20:33 Uhr

Eigentlich sollte die Koberbachtalsperre in Werdau nach Reparaturarbeiten ab April wieder planmäßig geflutet werden. Doch daraus wurde nichts. Weil es in den vergangenen Monaten zu wenig geregnet hat, fehlt nun das Wasser. Die Badesaison steht vor dem Aus noch bevor sie begonnen hat.

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In der Koberbachtalsperre in Werdau fällt die Bade- und Bootssaison aus. Das teilte Oberbürgermeister Sören Kristensen (parteilos) im Gespräch mit MDR SACHSEN mit. "Nach den Prognosen der letzten Wochen, seitdem die Talsperre wieder angestaut wird, ist nicht damit zu rechnen, dass wir eine Chance haben, eine halbwegs akzeptable Badesaison hinzubekommen", sagt Kristensen.

In Absprache mit der Betreibergesellschaft zog Oberbürgermeister Sören Kristensen jetzt die Reißleine: Die Badesaison fällt aus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wasser wegen Reparatur am Vorstau abgelassen

Wegen Reparaturarbeiten am Vorstau war im Herbst 2021 ein Großteil des Wassers in der Talsperre abgelassen worden. Seit reichlich einem Monat wird sie zwar wieder geflutet, bisher hat sie aber erst ein Drittel des ursprünglichen Füllstandes erreicht. Eine Rolle spielt dabei vor allem das trockene Frühjahr, in dem es kaum geregnet hat. Derzeit läuft laut Stadt in einer Woche nur so viel Wasser in den See wie normalerweise an einem Tag.

Keine Hilfsprogramme für wirtschaftlichen Schaden

"Nach zwei Jahren Pandemie ist das jetzt hier der Super-Gau. Für diesen wirtschaftlichen Schaden gibt es auch keine Förderprogramme", ärgert sich Andreas Osse vom Interessenverband der Koberbachtalsperre. Der Bootssteg werde dieses Jahr nicht laufen. "Und der Badebetrieb, der der Hauptfrequenzbringer für das ganze Gebiet ist, wird auch nicht aufmachen können", beschreibt Osse die Situation.

Trauriger Anblick: Ohne Wasser liegt die Steganlage der Talsperre auf dem Trockenen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach zwei Jahren Pandemie das jetzt hier der Super-Gau. Für diesen wirtschaftlichen Schaden gibt es auch keine Förderprogramme.

Andreas Osse | Interessenverband Koberbachtalsperre

Nach 26 Jahren plötzlich auf dem Trockenen

Traurig ist auch Dauer-Camper Andreas Schmafuß. Über 26 Jahre hatte er an der Talsperre ein Wassergrundstück mit einem selbstgebauten Boots- und Angelsteg. Nun sitzt er auf dem Trockenen und fühlt sich: "Beschissen". Man hätte die Reparatur am Vorstau doch schon viel eher erledigen können. "Aber wenn sie keine Leute haben, haben sie eben keine Leute", sagt Schmalfuß.

Gefahr eines massenhaften Fischsterbens

Neben den Menschen leiden auch die Tiere unter dem Wassermangel in der Koberbachtalsperre. Für die Fische verschärft sich die Lage von Tag zu Tag. "Wenn es jetzt noch sehr heiß wird und das Algenwachstum einsetzt, könnte es einen Sauerstoffmangel und in der Folge ein Fischsterben geben", sagt Uwe Weiland vom 1. Anglerverein Crimmitschau. "Und wenn es hier zu einem Fischsterben kommt, ist das eine Katastrophe. Die können wir uns noch gar nicht ausmalen, weil in der Talsperre 50 bis 60 Tonnen Fisch sind."

MDR (sth/Roland Kühnke)

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 21. Mai 2022 | 19:00 Uhr