Kunst im öffentlichen Raum Zwickauer Graffiti-Künstler verschönert Trabi mit Stadtmotiven

Seit diesem Jahr gilt der Trabant als Oldtimer. Dass er auch als Kunstinstallation einiges hermachen kann, ist gerade auf dem Zwickauer Kornmarkt zu erleben. Ein Zwickauer Graffiti-Künstler hat den Trabi dafür mit Stadtmotiven verschönert.

Kunstprojekt Trabant
Der mit Graffitimotiven gestaltete Trabant steht bis zum 11. August auf dem Zwickauer Kornmarkt. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Ein Trabi als Kunstinstallation auf dem Zwickauer Kornmarkt. Diese Idee der Hotelchefin Anett Strobel und der Galeristin Renate Lang soll zur kulturellen Belebung der Stadt dienen. Am Mittwoch um 18 Uhr soll der mit Graffiti gestaltete Trabant offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Doch um 12 Uhr ist er immer noch nicht fertig besprüht und die Organisatoren und der Künstler werden immer nervöser.

Der Grund dafür ist so einfach wie katastrophal: Materialien und Schlüssel für den Trabant liegen einträchtig zusammen im Innenraum des Autos, die Tür ist allerdings zu. "Die ganze Woche ging die Tür nicht richtig zu", erzählt der Zwickauer Graffiti-Künstler Rico Gruner. "Und ausgerechnet jetzt geht sie nicht wieder auf."

Drei Personen stehen vor einem Trabant.
Renate Lang, Rico Gruner und Anett Strobel wollen mit ihrem kunstvoll gestalteten Trabant die Zwickauer und Zwickauerinnen begeistern. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Der Trabi ist halb blau und halb beige gestaltet, in "seinen typischen Farben", wie Gruner sagt. Auf der einen Seite ist ein Schwan, das Wappentier von Zwickau, zu sehen, auf der anderen entsteht gerade das Sachsenring-Werk. Auf der Motorhaube wird der Motor des Zweitakters abgebildet. "Wir wollten Motive mit Zwickau-Bezug", erzählt Lang. Der Trabi wurde gewählt, weil er so eng mit Zwickau verknüpft ist und weil er seit diesem Jahr als Oldtimer gilt. Er steht auf Paletten, die seitlich noch mit Platten mit weiteren Motiven verziert werden. So sind unter anderem Entwürfe für Trabis zu sehen, die nie gebaut wurden.

Kunst in den Alltag bringen

Das Kunstprojekt soll "Kunst in den Alltag bringen", sagt Strobel. "Die Leute bleiben stehen, kommen ins Gespräch und machen Fotos." Auch sie selbst und Lang erzählen immer wieder von ihren eigenen Erinnerungen an den Trabant. Renate Lang ist die Witwe des Trabant-Vaters Werner Lang und hat auch selbst lange als Chefin der Lohnbuchhaltung im Sachsenring-Werk gearbeitet.

Ein älteres Paar kommt vorbei und bleibt interessiert stehen. "Wir sind mit unserem Trabi damals bis nach Polen gefahren", erzählt die Frau. Bequem sei es nicht gewesen, aber ihr Trabi habe sie immer zuverlässig ans Ziel gebracht.

Kunstprojekt Trabant Zwickau
Dieser Trabbi-Entwurf von 1969 ist nie gebaut worden. Nur 20 Probefahrzeuge gab es, die allerdings alle wieder eingestampft werden mussten. Bildrechte: MDR/Anett Linke

"Wir hoffen, viele Zwickauer und auch Besucher von außerhalb herzulocken", sagt Lang. Es solle keine Kunst für Insider sein, sondern für jeden greifbar. Der Zugang solle erleichtert und die Hemmschwellen zur Kunst abgebaut werden. "Wir wollen die Leute ranführen und auch verführen", so die Galeristin.

Trabi erweist sich als einbruchsicher

Um kurz vor 13 Uhr naht die Rettung für das Kunstobjekt. Autohausbesitzer Frank Metzner, der den Trabi zur Verfügung gestellt hat, kommt und und beginnt gleich den Versuch, das Auto aufzubrechen. Es scheint komplizierter zu sein, als man es aus Filmen kennt, da er seinen Metallhaken mehr als einmal ansetzen muss.

Ein Mann vor einem Trabant.
Die mit verschiedenen Motiven gestalteten Platten sollen rund um die Paletten angebracht werden. Künstler Rico Gruner passt gerade die Augenpartie von Robert Schumann an. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Am Schluss kommt eine spezielle Technik zum Einsatz, bei der ein dünnes Kissen unters Fenster gezwängt und dann aufgepumpt wird. Nach rund 25 Minuten ist es geschafft und das scheinbar recht einbruchsichere Auto springt auf. Mit dreieinhalb Stunden Verspätung nimmt Gruner die Arbeit wieder auf. Er ist sich sicher, das Kunstwerk trotzdem rechtzeitig fertigstellen zu können. Zu sehen ist es dann bis zum 11. August auf dem Kornmarkt. Die Platten an den Paletten werden am Ende versteigert. Der Erlös geht als Gage an den Künstler.

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Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 07. Juli 2021 | 17:30 Uhr

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