Mangel an Beweisen Freispruch für Eltern eines toten Babys in Elsterberg

Vor vier Jahren wurde ein sechs Monate alter Junge tot in einer Wohnung in Elsterberg gefunden. Woran ist das Baby gestorben? Seine kleine Schwester will beobachtet haben, dass der Vater das Kind erstickt habe. Das erzählte sie später ihrer Pflegemutter. Doch nun gab es Zweifel an der Aussagen des Kindes. Das Landgericht Zwickau musste trotzdem urteilen.

Ein angeklagtes Ehepaar kommt zur Fortsetzung des Prozesses wegen Totschlags gegen es ins Landgericht Zwickau
Verließen mit einem Freispruch den Gerichtssaal im Landgericht Zwickau: Die Eltern eines Jungen, der im Sommer 20217 starb. Bildrechte: dpa

Im Prozess um den Tod eines Babys hat das Landgericht Zwickau die Eltern aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Das Landgericht verwies am Montag auf ein rechtsmedizinisches Gutachten, wonach sowohl eine natürliche Ursache, etwa ein Herzfehler, aber auch eine unnatürliche Ursache für den Tod des sechs Monate alten Jungen 2017 in Elsterberg im Vogtland in Frage kämen. Zudem habe eine Psychologin Zweifel an einer früheren Aussage einer Zeugin - der damals erst drei Jahre alten Schwester des toten Babys. Das Kind will die Tat beobachtet haben.

Die Vorwürfe der Anklage

Wegen genau dieser Zeugin galt die Beweisaufnahme schon zum Prozessauftakt als "kompliziert", wie es Richter Klaus Hartmann formuliert hatte. Das Mädchen, das mittlerweile bei einer Pflegemutter lebt, hatte lange nach dem Tod des Babys erzählt, es habe die Tat beobachtet. Daraufhin kam das Gerichtsverfahren in Gang. Die Anklage warf dem Elternpaar Totschlag vor. Der Vater hatte im Verdacht gestanden, dem Baby im Sommer 2017 mehrere Minuten lang ein Kissen aufs Gesicht gedrückt zu haben. Dadurch sei es erstickt. Die Mutter habe nicht eingegriffen, hieß es.

Ungewöhnlich junge Zeugin

Richter Klaus Hartmann sagte, er habe noch nie in einem Fall geurteilt, in dem eine Zeugin oder ein Zeuge so jung war. In der Hauptverhandlung war das heute sieben Jahre alte Mädchen unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen worden. Dabei hat es nach Gerichtsangaben den Ablauf der Tat anders geschildert als zuvor. So habe ihr kleiner Bruder nach dem Vorfall mit dem Kissen noch gelebt, hieß es.

Die beschuldigten Eltern hatten während des Prozesses nichts gesagt.

Ein Mann in Richterrobe nimmt im Oberlandesgericht eine Akte von einem Rollwagen, auf dem Gerichtsakten und ein Strafgesetzbuch liegen (gestellte Szene).
Im Zweifel für die Angeklagten: Diesem Rechtsgrundsatz folgten die Richter am Landgericht Zwickau im Fall eines toten Babys. Zu viele Zweifel blieben nach der Hauptverhandlung und Zeugenaussagen. Bildrechte: dpa

Quelle: MDR/kk/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 29. November 2021 | 13:30 Uhr

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