Weltmilchtag Zu Besuch bei Sachsens Milchkönigin

Am 1. Juni ist Weltmilchtag. Die amtierende sächsische Milchkönigin, die 23-jährige Luisa Hochstein, arbeitet im Familienunternehmen auf dem Milchhof in Wernsdorf bei Glauchau. Wie es ist, sein Grundstück mit rund 120 Kühen zu teilen, hat sie MDR SACHSEN erzählt.

Sächsische Milchkönigin Luisa Hochstein
Die sächsische Milchkönigin Luisa Hochstein beim Melken auf dem heimischen Milchhof. Manche Kühe wollen danach noch mit ihr kuscheln. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

60 Kühe wollen jeden Tag auf dem Hof der Familie Hochstein gemolken werden. Dazu kommen fünf sogenannte Trockensteher und der Nachwuchs. Trockensteher sind Kühe, die im Mutterschutz sind, da sie bald ein Kalb bekommen. "Diese Kühe werden nicht gemolken, sondern können sich ganz auf ihr Kalb konzentrieren", erzählt Luisa Hochstein. Die 23-Jährige ist die amtierende Milchkönigin von Sachsen und ist auf dem Milchhof mit den rund 120 Kühen ihrer Familie aufgewachsen.

"Als Teenie, so mit 16, konnte ich mir nicht vorstellen, auf dem Hof zu arbeiten", sagt sie. "Aber zum Abi war mir dann klar, dass ich es machen will." In Dresden studierte sie dann Agrarwissenschaften. Auf dem Hof packt die ganze Familie mit an. Ihre Eltern und Luisa Hochstein arbeiten in Vollzeit, Onkels und Cousins helfen in ihrer Freizeit mit. "Auch mein Opa fährt mit über 80 Jahren noch Traktor", erzählt sie.

Bei der Arbeit auf dem Milchhof hat man kaum frei, selten Urlaub und nur wenig Freizeit. Doch das ist es Luisa Hochstein wert. "Man sieht seine Familie und Nachbarn und wenn man Hilfe oder Unterstützung braucht, weiß man, an wen man sich wenden kann", sagt sie. "Das ist das Schöne am Dorfleben. Und das gleicht auch vieles wieder aus."

Die neugierigste Kuh im Stall ist Mathilda. Und Susi will nach dem Melken immer kuscheln.

Luisa Hochstein

Jede Kuh hat einen Namen

Die Kühe gehören dabei fast zur Familie. "Das sind keine Wirtschaftsobjekte", sagt die Landwirtin. "Es sind unsere Mädels, unsere Mitarbeiterinnen." Jede Kuh habe einen Namen und auch eine eigene Persönlichkeit. Auseinanderhalten könne man sie außerdem an den Marken im Ohr und den Halsbändern mit Nummer.

Kühe sind eigentlich richtige Langweiler. Sie brauchen einen festen Tagesablauf.

Luisa Hochstein

Dass Kühe bei bestimmter Musik mehr Milch geben, kann die Milchkönigin nicht bestätigen. "Eine Freundin hat einmal im Stall Klavier gespielt", erzählt sie. "Manche Kühe haben zugehört, aber andere sind weggerannt." Im Grunde seien Kühe richtige Langweiler: Sie wollen immer um die gleiche Zeit aufstehen, gefüttert oder gemolken werden.

Kühe auf der Wiese, Simmentaler Fleckvieh, im Vordergrund eine Milchkanne. 2 min
Bildrechte: imago images/U. J. Alexander

"Jede Abweichung von der Routine stresst die Kühe und das macht sie anfälliger für Krankheiten", sagt Luisa Hochstein. Und das würde sich auch auf die Milchqualität auswirken. "Wir haben die beste Milchqualität in Sachsen. Wir haben den ersten Platz in der Rohmilchqualität in diesem Jahr erreicht."

Große Herausforderungen durch niedrige Milchpreise

Wie alle Milchbetriebe leiden auch Hochsteins unter den niedrigen Milchpreisen. 1990 bekamen sie umgerechnet 28 Cent pro Liter, heute sind es gerade mal 31 Cent. Die Milchpreise seien seit 1990 ziemlich konstant geblieben, die Kosten allerdings stark gestiegen, so die 23-Jährige. In ihrer Nachbarschaft hat jetzt eine Agrargenossenschaft die Milchkühe abgeschafft, weil es sich nicht mehr rentierte. Für Luisa Hochstein ist das aber keine Option. "Wenn wir sagen, wir hören auf, dann geht ein Großteil von unseren Kühen zum Schlachthof und ich glaube, das würde ich gar nicht übers Herz bringen", sagt sie.

Sächsische Milchkönigin Luisa Hochstein
Luisa Hochstein fasst in allen Bereichen auf dem Milchhof mit an. Am liebsten organisiert sie aber Dinge und wendet die Kenntnisse aus ihrem Agrarwissenschaftsstudium praktisch an. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Um Geld für den Weiterbetrieb des Hofes zu erwirtschaften, haben sich Hochsteins entschieden, Milchrassen mit Fleischrassen zu kreuzen. Diese Kälber lassen sich teurer verkaufen. "Wir planen, wie viele Altkühe abgehen werden und wie viele Kälber wir dann zum Ausgleich brauchen", so Luisa Hochstein. "Diese Menge Kälber ziehen wir auf und die restlichen werden verkauft." Die Aufzucht eines Kalbes kostet rund 1.500 bis 2.000 Euro.

Umdenken beim Verbraucher benötigt

Viele Menschen würden die billigsten Milchprodukte kaufen. Luisa Hochstein empfiehlt auf die Herkunftsmarkierung zu achten und regionale Produkte zu bevorzugen. "Wir brauchen ein Umdenken, dass für gute Milchqualität auch mehr bezahlt wird", sagt sie. "Das macht man bei Handys ja auch." So wie jetzt könne es auf jeden Fall nicht mehr lange weitergehen.

Sächsische Milchkönigin Die Milchkönigin ist ein Ehrenamt im Auftrag des sächsischen Landesbauernverbands. Außerdem werden auch die sächsischen Molkereien repräsentiert. Die Milchkönigin und die Milchprinzessin werden alle zwei Jahre auf der Landwirtschaftsmesse Agra gekrönt. Da die Messe 2021 aufgrund von Corona nicht stattfindet, wurde die Amtszeit von Luisa Hochstein als Luisa I. um ein Jahr verlängert.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 01. Juni 2021 | 19:00 Uhr

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