Rechtsextremismus Neonazis vor der Kunstgalerie: Polizei ermittelt nach Vorfall in Zwickau

Die Stadt Zwickau erinnert dieser Tage an die Opfer der Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund". Zugleich ist sie das Problem des Rechtsextremismus bis heute nicht ganz losgeworden. Das zeigen Bedrohungen gegen einen Kunstverein und gegen politische Akteure.

Ein Fenster einer Kunstgalerie.
Die Galerie in der Zwickauer Hauptstraße. Während einer Ausstellungseröffnung rückte die Polizei an, weil Störer aus der rechtsextremen Szene vor dem Haus auftauchten. Bildrechte: dpa

Zwei Wochen nachdem mehrere Personen eine Ausstellungseröffnung in Zwickau gestört haben, beschäftigt der Vorfall weiterhin Betroffene und Polizei. Die Unruhestifter riefen rechte Parolen und filmten mit Handys durch die Fensterscheiben einer Galerie - so berichten Mitglieder des Vereins "Freunde aktueller Kunst".

Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass internationale Künstler, der Verein oder er selbst Ziel von Pöbeleien und Bedrohungen geworden sind, sagt Vorsitzender Klaus Fischer. Auch Beleidigungen übers Internet habe es gegeben.

Rechtsextreme setzen auf Klima der Angst

Bei der Vernissage im Oktober vertrieb die Polizei schließlich die Störer - offenbar Angehörige der rechtsextremen Szene. Die Polizei wisse von den Feindseligkeiten gegen den Kunstverein, sagte ein Sprecher auf Anfrage von MDR SACHSEN. Es werde ermittelt.

Verbale Angriffe, Gewalttaten, Sachbeschädigungen

Die Opferberatung Chemnitz dokumentiert rechtsmotivierte Aktionen wie jene aus Zwickau. Viele Aktionen bewegten sich unter der Schwelle zur Strafbarkeit, erklärt André Löscher. Sie führten aber zu einem Klima der Angst unter Betroffenen: "Die Leute stehen vor der Privatwohnung. Die wissen, wo politisch Aktive wohnen, stellen sich davor, sind dort präsent, sprühen Botschaften, die enorme Wirkung entfalten."

86 rechtsmotivierte Sachbeschädigungen, Verbalattacken und Gewalttaten hat die Opferberatung seit Anfang des Jahres für die Stadt Zwickau verzeichnet. Sie treffen nicht nur den Kunstverein, sondern auch Stadträte oder jugendliche Klimaaktivisten von "Fridays for Future", denen unter anderem Todeswünsche geschickt wurden.

Die Anfeindungen gehen der Opferberatung zufolge häufig von Anhängern der rechtsextremen Gruppierung "Junge Revolution" aus, die auch dem Verfassungsschutz bekannt ist. Doch auch altbekannte Neonazi-Akteure würden in Zwickau in Erscheinung treten, Falschnachrichten verbreiten und auch Politiker bedrohen - wie die ehemalige Oberbürgermeisterin Pia Findeiß.

Klaus Fischer, Vorsitzender der «Freunde Aktueller Kunst», steht in der neuen Galerie in der Zwickauer Hauptstraße 6 min
Bildrechte: dpa

Kontakte ins NSU-Umfeld

Einer der führenden Köpfe ist laut MDR-Recherchen ein vorbestrafter Szene-Akteur, der auch Kontakte ins Umfeld des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) hatte.

Zwickaus neue Oberbürgermeisterin Constance Arndt will den Austausch mit Betroffenen suchen - und auch die Kommunikation mit der Polizei vertiefen. Die Fälle von rechtsextremer Bedrohung seien ihr bekannt, sie seien aber nicht repräsentativ für die Stadt.

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 28. Oktober 2021 | 06:00 Uhr

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