Automobilindustrie und E-Autos VW ID.3. aus Sachsen - Hoffnungsträger mit Holperstart

Er soll das Vorzeige-E-Auto aus Sachsen werden und Elektromobilität für VW massentauglich machen. Doch dann startete der VW ID.3 im vergangenen Jahr mit Softwarefehlern und kassierte blamable Kritiken. Kann das E-Auto aus Sachsen noch zum Massenerfolg mit Golf-Qualitäten werden? Oder riskiert VW mit dem Auto seinen gewünschten Erfolg? MDR SACHSEN hat nachgefragt.

Start der Serienproduktion des VW-E-Autos ID.3 in Zwickau im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Sachsens Minsiterpräsidenten Michael Kretschmer.
Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt, wird es wichtig - hier zum Start der Serienproduktion des VW ID.3 in Zwickau. Das E-Auto ist die Hoffnung für die Autoindustrie in Sachsen und Deutschland, weiter national und international vorn mitzuspielen. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Airbag-Warnungen, Blinkergeräusche, Tempomat-Fehler

Häufige Airbag-Warnungen, hochfrequente Blinkergeräusche, schleppende Sprachnavigation, Fehlermeldungen bei Tempomat, beim Laden und bei der Einstellung der Spiegel. Die Liste der Software-Probleme, die VW-ID.3-Fahrer an ihrem neuen E-Fahrzeug feststellen mussten, ist lang. Manche Nutzer wurden von ihrem eigenen Auto ausgesperrt und mussten den Notschlüssel zücken. Andere wiederum plagten sich mit quietschenden Bremsgeräuschen.

Einige Fahrzeuge zeigten ein Eigenleben

Stefan Moeller ist Geschäftsführer der sächsisch-thüringischen E-Auto-Vermietung "Nextmove". Er kennt viele Rückmeldungen zahlreicher Kunden und hat selbst als sogenannter "First-Mover" -  also als einer der ersten Käufer - insgesamt 20 neue VW ID.3 in seine Fahrzeugflotte aufgenommen. "Die Erfahrungen sind durchwachsen, besonders was die Software angeht", erklärt der begeisterte E-Auto-Fahrer MDR SACHSEN. "Einige Fahrzeuge erschienen nicht marktfähig und zeigten ein Eigenleben." Auch er selbst sei betroffen gewesen, zwei seiner 20 neuen VW ID.3 seien ausgefallen. Nach sechs Wochen habe er die Fahrzeuge jedoch ohne Fehler von VW zurückbekommen. "Das war ein mutiger und auch hakeliger Start", erklärt Moeller. "Die Fehlermeldung wurde für meine Kunden zum Bestandteil des Mieterlebnisses."

Start der Serienproduktion des VW-E-Autos ID.3 in Zwickau
Schön, aber noch mit Problemen: Der VW ID.3 ist als Massenauto konzipiert und damit die Hoffnung für den Durchbruch im E-Auto-Segement. Im ersten Jahr nach Produktionsstart häuften sich jedoch Software-Fehlermeldungen. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Viele Fehler sporadisch

Moeller bezeichnet sein Unternehmen selbst als führende E-Auto-Vermietung Deutschlands. Bei ihm kann man vom Tesla über die E-Auto-Modelle von Renault, Nissan, Hyundai, BMW bis zum VW ID.3 alles mieten. Seit vielen Jahren verfolgt er die Entwicklung. "Viele Fehlermeldungen traten sporadisch auf und ohne, dass tatsächlich eine Störung vorlag", erklärt er MDR SACHSEN. Trotzdem hätten sie verunsichert. Allerdings müssten die Meldungen im Kontext betrachtet werden. Die ersten Käufer seien von VW über die First-Mover-Zusatzvereinbarung vorab über mögliche Fehler informiert worden. Als Ausgleich habe VW die ersten drei Monate beim Leasing ratenfrei angeboten. "Die Wahl der Kunden die Autos zu nutzen, war eine freiwillige Entscheidung", erklärte Moeller MDR SACHSEN.

E-Autos
Stefan Moeller betreibt die E-Auto-Vermietung "Next-Move" mit Hauptsitz in Leipzig und im thüringischen Arnstadt. Bildrechte: Stefan Moeller

VW bestätigt Einschränkungen

VW bestätigte indes, dass es Software-Probleme bei einigen Modellen gegeben hat. "Es gab vereinzelt Rückmeldungen von 'First Movern', die über Performance-Einschränkungen berichtet haben", sagte Sachsens VW-Sprecher Carsten Krebs auf Anfrage von MDR SACHSEN. "Genaue Zahlen liegen uns nicht vor. Diese Rückmeldungen sind in die Entwicklung unserer Software-Updates eingeflossen." Bereits Ende Oktober hat es laut Krebs für Mitglieder des First-Mover-Clubs einen ersten Software-Patch "zur Verbesserung einzelner Fahrzeugfunktionen" gegeben. "Weitere Verbesserungen werden Teil des geplanten großen Updates sein", erklärte Krebs.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (M, CDU) und Herbert Diess (2.v.l), VW-Konzernchef, und Michael Kretschmer (CDU, 3.v.r), Ministerpräsident von Sachsen, stehen bei der Veranstaltung für die Produktion des Elektroautos ID.3 neben Jens Rothe Bezriebsrat von VW (l), Hans-Dieter Pötsch (2.v.r.), Aufsichtsratsvorsitzender der Volkswagen AG, und Bernd Osterloh (r), Vorsitzender des Gesamt- und Konzernbetriebsrats bei VW, (r).
Bundeskanzlerin Angela Merkel und der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer wissen, wie wichtig die Automobilindustrie für Sachsen und auch Deutschland ist. Millionen Arbeitsplätze sind mit dieser deutschen Schlüsselindustrie verbunden, die immer mehr Konkurrenz aus den USA und China erfährt. Bildrechte: dpa

First Mover Der VW ID.3 gilt als der große Hoffnungsträger bei VW zum Einstieg in eine massentaugliche E-Auto-Produktion. Doch im Dezember 2019 werden erste Medienberichte publik, dass die Software offenbar eine besondere Herausforderung darstellt. Im Juni 2020 wagt sich VW in die Offensive: Frühbucher könnten in den exklusiven "First Mover Club" eintreten, denn zum Marktstart würden einige Software-Funktionen noch "nicht aktiviert sein". Kurzum: Die ersten Käufer (First Mover) könnten den VW ID.3 zum Marktstart bekommen, müssten aber mit Einschränkungen rechnen. Im Gegenzug erhielten sie Kundenvorteile. Außerdem können sich die First-Mover in einer von VW moderierten Facebook-Gruppe austauschen. Die Auslieferung der Modelle an die ersten Kunden (First Mover) beginnt schließlich Anfang September 2020. Für das Frühjahr 2021 hat VW jetzt die ausstehenden Updates angekündigt.

Infos an Kunden für Software-Update seit Mitte Dezember 2020

Den Angaben zufolge erhalten alle ID.3 im ersten Quartal 2021 "plangemäß ein erstes, umfangreiches Software-Update", das eine "sehr große Datenmenge" umfasse. Dies könne nur in der Werkstatt durchgeführt werden. Darüber würden alle ID.3 Kunden seit Ende Mitte Dezember 2020 informiert. Eine Terminvereinbarung erfolge durch die Service-Partner "nach aktueller Planung im Februar/März". 

"Um sicherzustellen, dass das Update vollständig geladen wird, bitten wir die 'First-Mover' zu ihrem Volkswagen Partner", sagte VW-Sprecher Krebs. Dabei erhalte unter anderem das AR Head-up-Display (Anmerkung der Redaktion: Das Display im Sichtbereich der Frontscheibe) die zusätzliche Anzeige des Fernbereichs. "Damit diese wirklich punktgenau in die reale Straßensituation eingebunden werden kann, muss das Head-up-Display neu kalibriert werden. Dies kann nur in der Werkstatt erfolgen", sagte Krebs.

Update VW ID Die anstehende Software-Aktualisierung ergänzt laut VW-Angaben bisher noch ausstehende Funktionen im ID.3 (App Connect, Fernbereich AR Head-up-Display) und bringt neben Performance-Verbesserungen neue Funktionen wie die dynamische Routen- und Ladeplanung, eine zeitgesteuerte Klimatisierung sowie die Connected Active Cruise Control (Connected ACC) - einen Tempomaten.

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