Tariflöhne Warnstreik an Pleißental-Klinik Werdau fortgesetzt

Im Pleißental-Klinik Werdau gibt es auch am Mittwoch nur eine Notversorgung. Grund dafür ist ein Warnstreik. Zu diesem hat die Gewerkschaft Verdi aufgerufen. In den Verhandlungen geht es unter anderem um einheitlichere Tarife, die Auszahlung der Pflegezulage und um eine Angleichung der Arbeitszeiten an das West-Niveau. Bereits am Montag wurde das Krankenhaus bestreikt.

An der Pleißentalklinik in Werdau wird seit Mittwochfrüh erneut gestreikt. Die Gewerkschaft Verdi hat das Pflegepersonal aufgerufen, ihre Schichten nicht anzutreten. Am Morgen versammelten sich reichlich 30 Beschäftigte vor der Klinik. Der Warnstreik soll laut Verdi ganztägig andauern. Ein Notdienst wurde aber sichergestellt. Die Gewerkschaft will mit der Streikaktion ihre Forderung nach einer besseren Bezahlung der 190 Pflegekräfte sowie bessere Arbeitsbedingungen durchsetzen. Bislang habe die Klinik-Geschäftsführung ein Angebot vorgelegt, das statt einer Gehaltssteigerung Lohneinbußen bedeuten würde, hieß es von der Gewerkschaft. Bereits am Montag wurde die Pleißentalklinik bestreikt.

Bisher habe es bereits drei Verhandlungen gegeben. Jedoch sei das Angebot der Geschäftsführung nicht zufriedenstellend. Verhandlungsführerin Simone Bovensiepen sagte MDR SACHSEN, das Angebot bedeute für viele der rund 190 Beschäftigte einen Reallohnverlust: "Wir orientieren uns bei den Verhandlungen an den Tarifen des öffentlichen Dienstes. Viele Krankenhäuser in Sachsen sind in der Vergangenheit privatisiert worden. Seitdem hinken wir dem Tarif dort immer hinterher."

Tarif vereinheitlichen

Verdi zufolge ist die Pleißental-Klinik im Zuge der Privatisierung nicht mehr in den Kommunalen Arbeitgeberverband eingetreten. Erst seit 2012 gebe es wieder Tarifverhandlungen. Seitdem gebe es eine Schere zwischen den Gehältern in der Klinik und den Vergütungsregelungen im Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst.

Bovensiepen erklärt: "So erhält eine examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin rund 200 Euro und eine examinierte Fachkraft mit Fachweiterbildung bis zu 390 Euro weniger als im TVöD." Der Lohn einer Krankenschwester am Klinikum liege also im Vergleich zum Tarif bei 94,2 Prozent. Fachkrankenschwestern würden prozentual noch weniger erhalten.

Die Geschäftsführung der Klinik bietet dafür 92,5 Prozent des Tarifs und eine Steigerung im nächsten Jahr auf 93,5 Prozent an. Die Differenz will der Arbeitgeber über sogenannten Besitzstand zahlen. Das ist eine Ausgleichszahlung, die verhindern soll, dass einige Beschäftigte in Zukunft weniger Lohn erhalten. Doch für Verdi ist das keine Option.

Viele Beschäftigte bekämen also keine Gehaltssteigerung, sondern müssten mit einem Reallohnverlust bis zum 31.12.2022 leben.

Simone Bovensiepen Verhandlungsführerin

Streit bei Pflegevergütung

Verdi fordert außerdem die Pflegezulage für alle Beschäftigten in der Pflege. Bisher habe die Arbeitgeberseite die Pflegezulage für Beschäftigte in der Notaufnahme, im OP sowie in der Anästhesie ausgeschlossen. "Die Kolleginnen und Kollegen zeigen immer wieder viel Engagement und Flexibilität. So haben sie zum Beispiel auf den Corona-Stationen Unterstützung geleistet", sagt die Gewerkschafterin. Kein Angebot habe es bisher für die Angleichung der Arbeitszeit und der Jahressonderzahlung an das Westniveau gegeben.

Arbeitgeber argumentiert mit Finanzen und familiärer Atmosphäre

Aus Sicht des Klinik-Geschäftsführers, Uwe Hantzsch, sind die gewerkschaftlichen Forderungen überzogen. Er sagte MDR SACHSEN am Montag: "Sie sprengen unsere finanziellen Rahmenbedingungen." Eine "nicht geringe Anzahl der Kolleginnen und Kolleginnen", liege über den jetzt angebotenen Basistarifen. Ein sogenannter Besitzstand solle nun dafür sorgen, dass dieses eine Drittel der Angestellten keine Einbußen durch die neue Tarifstruktur habe. Zudem verwies Hantzsch darauf, dass die Klinik klein sei und gerade mit Verlusten zu kämpfen habe. Nur 200 der 240 Betten seien belegt. "Patienten verschieben Corona-bedingt oder auch um Urlaub zu machen, Operationen." Trotz des teils etwas bescheideneren finanziellen Rahmens, schätzten die Mitarbeiter seiner Meinung nach die familiäre Atmosphäre des Hauses sowie die hohe Fachkräftequote von 98 Prozent.

Ein Drittel der Kolleginnen und Kollegen profitiert direkt vom neuen Tabellenentgelt. Das heißt, dort werden die von uns angebotenen Basistabellenentgelte zu einem Lohnzuwachs führen.

Uwe Hantzsch Geschäftsführer Pleißental-Klinik GmbH

Allerdings gibt es auch Konsens bei den Verhandlungen: Die Azubivergütung soll weiterhin bei 100 Prozent der für den öffentlichen Dienst geltenden Regelung liegen.

Quelle: MDR/kp/lam/st

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 01. September 2021 | 07:30 Uhr

Mehr aus Zwickau, Altenburg und Greiz

Mehr aus Sachsen