13.05.2020 | 16:10 Uhr Alleinerziehende in der Coronakrise: "Es war eine Belastungsprobe"

Schul- und Kindergartenschließungen waren für viele Familien in den letzten Wochen eine Herausforderung. Alleinerziehende wurden dabei vor besonders schwere Aufgaben gestellt. Einen generellen Anspruch auf Notbetreuung hatten sie nicht.

Eine verzweifelte alleinerziehende Mutter mit Baby auf dem Schoß vor dem Laptop,
Kinderbetreuung zu Hause und gleichzeitig Arbeiten: Für Alleinerziehende eine Mammutaufgabe während der Corona-Krise. (Symbolbild) Bildrechte: Colourbox.de

"Die letzten Wochen waren eine Belastungsprobe", erzählt die alleinerziehende Mutter Ina F. aus Frankenberg. Ihr Beruf gehörte während der corona-bedingten Schließungen nicht zu denen, die eine Notbetreuung im Kindergarten in Anspruch nehmen konnten.

Homeoffice war für sie keine Option. "Zum einen habe ich keinen Internetanschluss Zuhause", sagt sie. "Und selbst wenn. Meine Tochter ist erst drei und da kann sie sich nicht mehrere Stunden allein beschäftigen." Unterstützung bekam F. von ihren Eltern. "Meine Mutter arbeitet in der Gastronomiebranche und war dadurch jetzt Zuhause."

Sie selbst konnte dadurch mit ihrem Chef eine Lösung finden. "Ich war 50 Prozent meiner Zeit am Arbeitsplatz und hatte dadurch Verdiensteinbußen von 33 Porzent", erzählt sie.

Es war mental und finanziell sehr schwierig.

Ina F. Alleinerziehende Mutter

Besonders gestört hat sie in dieser Zeit die Informationspolitik. "Am Freitagnachmittag kam damals die Ankündigung, dass ab Montag die Kindergärten zu sind", erinnert sie sich. "Wer soll denn übers Wochenende eine Kinderbeteruung organisieren?" Danach sei es ein Warten von Verordnung zu Verordnung gewesen. "Ich musste mir immer alles aus den Medien zusammensuchen", so F. "Und immer wieder die Hoffnung, dass man auf der nächsten Liste der Berufsgruppen mit draufsteht."

Kein Anspruch auf Notbetreuung

Wie Ina F. ging es vielen Alleinerziehenden in den letzten Wochen. "Wir haben immer gehofft, dass Alleinerziehende als Gruppe auf die Notbetreuungsliste kommen", sagt Jacqueline Hofmann vom Familienverein für Groß und Klein in Chemnitz e. V. Alle Familien hätten in den letzten Wochen eine erhöhte Belastung zwischen Job und Homeschooling und Kinderbetreuung gehabt.

"Doch Alleinerziehende konnten kaum Luft holen", so Hofmann. "Und es fehlt dann oft jemand, mit dem man seine Probleme teilen kann." Dabei gehe es nicht nur um die Betreuung der Kinder, sondern auch darum, sich auszutauschen und andere Sichtweisen zu bekommen.

Mit den Sorgen alleingelassen

Treffen mit Freunden und Angebote wie Stammtische für Alleinerziehende fielen in dieser Zeit ebenfalls weg. "Eine besondere Herausforderung ist dabei auch der Perfektionismus", so Hofmann. "Ich versuche immer den Alleinerziehenden die Angst zu nehmen: 'Nein, du musst nicht alles perfekt machen.'"

"Als Alleinerziehende ist man mit den Sorgen mit sich allein", sagt auch Ina F. Sie habe sich oft alleingelassen gefühlt. "Ohne die familiäre Unterstützung wäre es nicht tragbar gewesen."

Keine Informationen zur Kindergartenöffnung

Ab Montag sollen die Kindergärten in Sachsen wieder den eingeschränkten Regelbetrieb aufnehmen. Ina F. freut sich sehr darauf. "Dann kehrt wieder etwas Normalität ein", sagt sie. Wie genau die Öffnung aber ablaufen soll, weiß sie noch nicht. "Ich habe vom Kindergarten noch keine Information."

Quelle: MDR/al

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