Aufhebung der Impfpriorisierung Ab sofort keine Impfreihenfolge in Sachsens Arztpraxen mehr

Ab sofort können sich in Sachsen alle Erwachsenen in Arztpraxen impfen lassen. Die Impfpriorisierung für den Corona-Impfstoff wurde vom Gesundheitsministerium aufgehoben. Der Hausärzteverband rechnet mit großer Nachfrage und einem hohen logistischen Aufwand für die Ärzte.

Impfdosen werden vorbereitet
Seit Montag gilt in Sachsens Arztpraxen für die Corona-Impfung keine Impfreihenfolge mehr. In den Impfzentren bleibt sie allerdings weiter bestehen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

In Sachsen können sich ab sofort alle Erwachsenen um einen Corona-Impftermin in einer Arztpraxis bemühen - unabhängig von Alter, Beruf und Vorerkrankungen. Eine Beschränkung auf spezielle Impfstoffe fällt weg. Möglich wird das durch die vom Gesundheitsministerium verfügte Aufhebung der Impfpriorisierung in den Arztpraxen. Auf die Aufhebung hatte sich das Ministerium nach Beratungen mit der Sächsischen Landesärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS) verständigt. In den Impfzentren bleibt die Impfpriorisierung weiter bestehen.

"Die Aufhebung ist an sich sinnvoll, wenn denn auch die benötigten Impfstoffmengen kommen", sagte der Vorsitzende des Sächsischen Hausärzteverbandes, Steffen Heidenreich. Er rechnet mit einer großen Nachfrage in den Arztpraxen. Er fürchtet aber auch, dass viele Patienten angesichts des knappen Impfstoffes ihren Ärger bei den Hausärzten abladen, "etwa, wenn es nicht schnell genug einen Termin für eine Erstimpfung gibt". Gesundheitsministerin Petra Köpping bat die Bevölkerung um Geduld. Dass alle Impfwilligen auch schnell einen Termin bekommen, könne nicht sofort gewährleistet werden.

Hoher logistischer Aufwand für Arztpraxen

Heidenreich verwiese außerdem auf die hohe Arbeitsbelastung der Praxen. Das Impfen bedeute für die Ärzte einen riesigen logistischen Aufwand. Patienten müssten einbestellt, Impfstoff bestellt und Termine organisiert werden. Zunehmend wollten die Patienten derzeit Termine für eine Zweitimpfung vorziehen, um in den Urlaub fahren zu können. "Da führen wir viele Diskussionen, weil wir die Vorgaben der Impfkommission einhalten müssen", so Heidenreich.

Das ist nicht so einfach wie bei einer Grippeimpfung.

Steffen Heidenreich Vorsitzender des Sächsischen Hausärzteverbandes

Die Ärzte hoffen, dass sich die Situation entspannt, wenn ab 7. Juni die Impfreihenfolge bundesweit aufgehoben wird und dann mehr Impfstoff zur Verfügung steht. Zudem soll die Handhabung des Biontech-Impfstoffes vereinfacht werden. "Dieser kann künftig bis zu einem Monat im Kühlschrank gelagert werden", sagt Heidenreich.

Ältere Generation soll sich mit Astrazeneca impfen lassen

Er appellierte an die ältere Generation, sich vor allem mit dem Impfstoff von Astrazeneca impfen zu lassen, damit auch die jüngeren Menschen möglichst schnell zu einer Impfung kämen. "Die Jungen haben nicht viel Auswahl", sagt er. Das Mittel von Astrazeneca berge für die Älteren kaum ein Risiko, so Heidenreich. Dennoch würden viele das Vakzin von Biontech bevorzugen. Sachsen hatte bereits Ende April die Impfreihenfolge für den Impfstoff von Astrazeneca beendet. An unter 60-Jährige darf er allerdings nur nach ärztlicher Beratung verabreicht werden.

Rund 2,1 Millionen Impfungen in Sachsen

Im Freistaat wurden nach Zahlen des Robert Koch-Instituts bisher mehr als 2,1 Millionen Impfungen gegen das Coronavirus verabreicht. Rund 707.000 Menschen sind demnach bereits vollständig geimpft (Stand: 22. Mai, 8 Uhr). Die meisten Menschen hatten ihre Impfung dabei in den Impfzentren erhalten. Auf niedergelassene Ärzte entfielen knapp 535.000 Impfungen.

Quelle: MDR/al/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 24. Mai 2021 | 19:00 Uhr

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