Corona-Proteste Erneut gewaltsame Ausschreitungen - was war los in Lichtenstein?

Erneut haben Teilnehmer von Corona-Protesten am Montag in mehreren Städten Polizisten und Gegendemonstranten angegriffen. Besonders auffällig waren Ausschreitungen in Lichtenstein bei Zwickau.

Corona-Protest am 30.12. in Dresden
Corona-Proteste fanden am Montagabend in Dresden und anderen Städten Sachsens statt (Archivbild). Bildrechte: xcitePRESS

Laut Polizei hat es bei den Protesten in Lichtenstein bei Zwickau am Motagabend eine "aufgeheizte Stimmung" gegeben. Unter die etwa 200 Demonstranten hätten sich gewaltbereite Jugendliche gemischt. Schon vorher seien zwei junge Männer mit Sturmhauben aus dem Verkehr gezogen worden. Die Polizei drängte etwa 60 Teilnehmer des Demonstrationszuges ab, um an den harten Kern aggressiver Jugendlicher zu kommen und ihre Personalien aufzunehmen.

14 verletzte Polizisten

Die gewaltbereiten Personen hatten laut Polizei mehrfach versucht, Absperrungen zu durchbrechen und Beamte massiv angegriffen. Darüber hinaus hätten Teilnehmende Reizstoffe versprüht. Daraufhin setzte auch die Polizei Pfefferspray ein. Eine Person habe versucht, einem Beamten die Dienstwaffe zu entreißen. Ein Polizist sei gebissen worden. Insgesamt meldete die Polizei 14 Verletzte in den eigenen Reihen. Es seien Anzeigen wegen gefährlicher Körperverletzung und des tätlichen Angriffs auf einen Vollstreckungsbeamten erstattet worden.

Auch Verletzte auf Demonstranten-Seite?

Die rechtsextreme Kleinstpartei "Freie Sachsen" gab auf Facebook an, es habe auch Verletzte auf Seiten der Demonstranten gegeben. So liege "mindestens ein Mann mit schweren Verletzungen - einem Schädelhirntrauma - im Krankenhaus", heißt es in dem Post. Auf Nachfrage von MDR SACHSEN teilte die Polizei dazu mit, es habe eine Person gegeben, die bewusstlos geworden war. Diese sei zu einem Rettungswagen und dann in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht worden. Der Vorfall habe aber nichts mit dem Polizeieinsatz zu tun gehabt, es habe offenbar ein medizinisches Problem vorgelegen.

Reaktionen aus Lichtenstein

Der Bürgermeister von Lichtenstein (Freie Wähler), Thomas Nordheim, erklärte auf Anfrage von MDR SACHSEN, dass gemeinsam mit allen Stadtratsfraktionen eine Presseerklärung vorbereitet werde, die die gewaltsamen Ausschreitungen verurteilt und sich von dieser Art des Protestes distanziert. "Das sind Bilder, wie sie kein Bürgermeister aus seiner Heimatstadt möchte", so Nordheim.

Die Ortsvorsteherin des Ortsteils Heinrichsort, Annett Richter, hat gegenüber MDR SACHSEN völliges Unverständnis geäußert. Das habe aus ihrer Sicht nichts mehr mit Corona-Protesten zu tun.

Hier ist einfach nur ein Mob unterwegs, der auf Krawall und Hetze aus ist.

Annett Richter Ortsvorsteherin Heinrichsort

Das sei ein ganz klarer Angriff gegen die Demokratie. "Jeder, der weiß, wie die Polizei arbeitet, weiß, dass die Polizei niemals von sich aus angreifen würde", sagte Richter.

Sie habe im Laufe des Tages aufgrund der Vorfälle vom Montagabend einige besorgte Anrufe erhalten. Man müsse die Zahlen mal gegenüberstellen, meint Richter: "Es sind 200 Demonstranten, größtenteils von außerhalb. Lichtenstein besteht aber aus 14.000 Einwohnern. Das spiegelt also in keiner Art und Weise die Lichtensteiner Bevölkerung wider."

Aufgrund der Erfahrungen aus den Vorjahren befürchtet Richter, dass vom Bürgermeister der Stadt Lichtenstein keine nennenswerte Reaktion zu erwarten sei. "Hier in unserem Ortsteil gibt es ein ganz klares Statement zu den gestrigen Vorfällen: Das ist ein ganz klares Nogo!"

Gewalt auch bei Demonstrationen in anderen Städten

In Chemnitz wurden Teilnehmer eine Mahnwache von Neonazis attackiert. Das hatten die Gegendemonstranten auf Twitter mitgeteilt. Laut Polizei wurden Ermittlungen wegen des Verdachts der räuberischen Erpressung eingeleitet.
In Freiberg durchbrachen Demonstranten eine Absperrung. Zudem ließen sich laut Polizei rund 200 Personen nur mit Zwang daran hindern, Polizeimaßnahmen zu stören.
Auch in Bautzen versuchten Teilnehmer, die Polizeikette gewaltsam zu durchbrechen. Dabei mussten Einsatzkräfte laut Polizeibericht teilweise unmittelbaren Zwang durch einfache körperliche Gewalt, Pfefferspray sowie den Schlagstock anwenden.

Versammlungen bald mit mehr als zehn Teilnehmern erlaubt?

Sozialministerin Petra Köpping (SPD) hat am Dienstag auf Nachfrage eine Änderung der Versammlungseinschränkungen in Aussicht gestellt. Das werde Diskussionsgegenstand der nächsten Coronaschutzverordnung sein, sagte sie in Dresden. Sachsen hatte bundesweit über Wochen die höchsten Infektionszahlen, als die Beschränkung auf zehn Teilnehmer eingeführt wurde. Nun würden die Inzidenzen sinken, daher werde es vermutlich eine Anpassung geben, falls das Kabinett sich darauf einigt, so Köpping.

Quelle: MDR/nk/dpa/Polizei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 04. Januar 2022 | 05:30 Uhr

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