Hintergrund Corona als Todesursache - was steht auf dem Totenschein?

Corona hat unbestritten die Zahl der Sterbefälle in Sachsen ansteigen lassen. Aber unter welchen Umständen wird die Infektion oder Erkrankung auf dem Totenschein vermerkt? Ein Überblick zu den gesetzlichen Vorschriften.

Corona Totenschein
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Welche Informationen stehen grundsätzlich auf einem Totenschein?

Welche Angaben auf dem Totenschein notiert werden müssen, regelt das Sächsische Bestattungsgesetz. Auf der Bescheinigung werden vom Leichenschauarzt unter anderem der Name, das Geschlecht, die Anschrift sowie der Zeitpunkt, der Ort und die Art des Todes (natürlich, nichtnatürlich oder unaufgeklärt) notiert. Bei den Angaben zur Todesursache wird in zwei Aspekte unterschieden, erklärt die Vizepräsidentin der Landesärztekammer, Petra Albrecht: Zum einen werde "das Grundleiden, die Folgeerkrankung und die unmittelbare Todesursache in einer klaren kausalen Abfolge dokumentiert" und zum anderen "müssen andere wesentliche Krankheiten, die zum Tode beigetragen haben, ohne mit der unmittelbaren Todesursache oder dem Grundleiden in Zusammenhang stehen, eingetragen werden".

Wer hat Zugriff auf die Todesbescheinigung?

Die erste Person ist der Arzt, der die Leichenschau vornimmt und die Bescheinigung entsprechend ausfüllt - sowohl den vertraulichen, wie den nichtvertraulichen Teil. Zwei Blätter des vertraulichen sowie den nichtvertraulichen Teil der Bescheinigung gibt der Arzt einem Angehörigen des Toten (rechtlich: Person, die nach dem Personenstandsgesetz zur Anzeige des Todes beim Standesamt verpflichtet ist) oder dem von ihm beauftragten Bestattungsunternehmen. Anschließend wird das Dokument dem Standesamt übergeben, wo ausgewählte Blätter des vertraulichen Teils gesichtet und bestimmte Informationen ins Sterbebuch eingetragen werden. Der nichtvertrauliche Teil wird hier zudem archiviert. Zuletzt wird der Totenschein dem Gesundheitsamt des Sterbeortes übermittelt. Dort werden alle Angaben auf Vollständigkeit und Schlüssigkeit überprüft. Der gesamte Prozess muss laut Bestattungsgesetz innerhalb von vier Werktagen abgeschlossen sein. Ganz zum Schluss erhält das Statistische Landesamt ein Blatt aus dem vertraulichen Teil der Todesbescheinigung zur statistischen Erfassung.

Muss Corona/Covid-19 auf einem Totenschein vermerkt werden?

Ja. Wie das sächsische Sozialministerium auf Anfrage von MDR SACHSEN mitteilte, ist ein Leichenschauarzt nach § 13 Abs. 5 Sächsisches Bestattungsgesetz verpflichtet, schon bei Verdacht auf eine Corona-Infektion den Umschlag der Todesbescheinigung zu kennzeichnen. Auch die Leiche und der Sarg müssen entsprechend gekennzeichnet werden. Zudem muss der Arzt das Gesundheitsamt benachrichtigen. "Ein Unterlassen dieser Pflicht stellt eine Ordnungswidrigkeit dar", heißt es aus dem Ministerium.

Das bestätigt auch die Vizepräsidentin der Landesärztekammer, Petra Albrecht: "Sowohl ein positiver Test als auch eine Erkrankung sollte auf dem Schein vermerkt sein". Wie lange das Testergebnis zähle, lasse sich aber nicht pauschal sagen. "Das hängt davon ab, ob eine Symptomatik entstanden ist und wie schwer diese verlief und ob ein kausaler Zusammenhang anzunehmen ist", so Albrecht.

Ich habe Zweifel an einer Angabe auf dem Totenschein. Was kann ich als Angehöriger tun?

Sollten Fragen auftreten, rät die Vizepräsidentin der Landesärztekammer, mit dem behandelnden Arzt oder dem Leichenschauarzt Rücksprache zu halten. Sofern das nicht möglich sein sollte, könne auch eine Obduktion beauftragt werden. Bei Zweifeln an der Todesart, also ob es ein natürlicher, nichtnatürlicher oder unaufgeklärter Tod war, sollten die Polizei und Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden.

Wenn einem beim Lesen der Todesbescheinigung direkt Verstöße auffallen - zum Beispiel das Fehlen einer bekannten Krankheit oder Infektion, können diese auch beim Gesundheitsamt gemeldet werden. Denn dort werden Papiere noch einmal geprüft. Werden dabei Fehler festgestellt, wird die Todesbescheinigung zur Korrektur an den Leichenschauarzt zurückgeschickt. Sollten Verstöße wiederholt auftreten oder eine Ordnungswidrigkeit darstellen, würde ein Verfahren eingeleitet.

Quelle: MDR/Gesundheitsämter/cb

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