Versammlungsgeschehen Wieder Corona-Proteste in Sachsen - teils deutlich geringerer Zuspruch

In verschiedenen Städten in Sachsen hat es am Montagabend erneut Proteste gegen die Corona-Maßnahmen gegeben - aber auch Gegenproteste. Die Polizei versuchte, die als "Spaziergänge" deklarierten unerlaubten Aufzüge zu unterbinden, was offenbar nicht überall gelang. Nach ersten Einschätzungen fiel die Beteiligung teils deutlich geringer aus als noch zuletzt.

Polizeikette vor Demonstrierenden
An vielen Orten, wie hier in Zittau, gelang es der Polizei, die Aufzüge zu unterbinden. Bildrechte: MDR/Xcitepress

In zahlreichen Städten in Sachsen haben Gegner der Corona-Politik am Montagabend wieder versucht, unerlaubte Aufzüge abzuhalten. Mancherorts, wie etwa in Chemnitz, war die Resonanz nach ersten Informationen der Polizei aber deutlich geringer als noch in den Vorwochen. In Zwönitz zählte die Polizei sieben Corona-Gegner.

Aufzüge in ganz Sachsen

In Dresden gab es mehrere Versammlungen und einen Autokorso mit 130 Fahrzeugen, die eine Stunde lang durch die Innenstadt fuhren, wie die Polizei auf Twitter mitteilte. Verteilt auf den Montagabend fanden sich etwa 100 Corona-Maßnahmen-Gegner vor dem Rathaus am Dr.-Külz-Ring ein. "Polizeibeamte sprachen diese an und forderten sie auf, den Bereich zu verlassen", teilte die Polizeidirektion am Abend mit. Auch am Wasaplatz und Altmarkt gab es Ansprachen an jeweils 50 Personen, die sich daraufhin in unterschiedliche Richtungen zerstreuten. Neun Identitäten wurden festgestellt, acht Ordnungswidrigkeiten angezeigt, sowie zwei Ermittlungsverfahren wegen Bedrohung bzw. Beleidigung eingeleitet, bilanzierte die Polizei.

In Leipzig, Markranstädt, Coswig, Radebeul, Torgau und Böhlen registrierte die Polizei ebenfalls "größere Personenansammlungen, die sich zum Teil als unzulässige Aufzüge in Bewegung setzten", hieß es. DIn Chemnitz habe ein Aufzug von bis zu 70 Personen durch starke Polizeipräsenz in Kleingruppen zerstreut werden können, so die Polizei. Auch in Weißwasser gab es laut Polizei einen "größeren unzulässigen Aufzug". In Kamenz wurden etwa 200 Versammlungsteilnehmer gezählt. In Oelsnitz im Vogtland sollen rund 130 Menschen demonstriert haben.

Polizei stellt Identitäten fest

In mehreren Städten sei es gelungen, die Aufzüge zu beenden - etwa in Grimma, Werdau, Torgau und Hoyerswerda, twitterte die Polizei. In Hoyerswerda und Torgau seien die Identitäten von jeweils etwa 50 Menschen festgestellt worden, nachdem die Polizei unzulässige Aufzüge gestoppt hatte. Gegen die Teilnehmenden werde wegen Verstoßes gegen die sächsische Corona-Notfallverordnung Anzeige erhoben.

Kundgebung unter dem Motto "Vernunft statt Angst" mit maximal zehn Menschen an verschieden Orten in der Freiberger Innenstadt.
Kundgebung unter dem Motto "Vernunft statt Angst" mit maximal zehn Menschen an verschieden Orten in der Freiberger Innenstadt. Bildrechte: dpa

Bautzen: Polizei versucht, Corona-Demo zu stoppen

In Bautzen versuchte die Polizei nach eigenen Angaben, einen unzulässigen Aufzug von etwa 250 Menschen zu stoppen. Beobachter des Abends in Bautzen beschrieben in Sozialen Netzwerken jedoch, dass die Polizei die Menge lediglich flankierend laufen ließ und Autos von Privatpersonen beschädigt worden sein sollen. Fotografen berichteten von einer aufgeheizten Stimmung und Flaschenwürfen sowie Böllern gegen Polizeibeamte.

Menschen stehen auf einem Platz. Ihre Gesichter sind kaum zu erkennen. EinMann hat eine Art Rauchbombe in der Hand, die er gleich Richtung Polizei und Fotogrfaen werfen will. Das foto entstand bei einer Corona-Demo am 20.12.2021 in Bautzen.
Bildrechte: MDR

Friedlicher Gegenprotest auf Kornmarkt

Auf dem Kornmarkt in der Stadt hatten Bürgerinnen und Bürger mit einer Lichtinstallation ein Zeichen gegen die illegalen Proteste in ihrer Heimatstadt gesetzt. Auf der Fassade des Stadttheaters wurden Bilder der Corona-Station und Zitate von Einwohnerinnen und Einwohnern projiziert.

Freiberg setzt Zeichen

In einigen Städten, etwa in Chemnitz, gab es auch kleinere Versammlungen von Befürwortern der Corona-Maßnahmen, die ein Zeichen gegen diese Aufzüge setzen wollten. In Freiberg organisierten mehrere Bundestagsabgeordnete eine Kundgebung unter dem Titel "Vernunft statt Angst". Insgesamt gab es sieben angemeldetete Gegenprotestaktionen in Freiberg.

Auch am Montag versammelten sich mehrere Dutzend Menschen zu einem Demonstrationszug an der B101. Im Stadtgebiet waren laut Polizei einzelne Gruppen unterwegs, die sich nach Ansprachen der Polizei aufgelöst hätten. Ein 57 Jahre alter Mann hatte versucht, eine Sperre zu durchbrechen. "In der Folge schlug er einen Polizisten mit der Faust und verletzte ihn leicht. Der Mann wurde von den Einsatzkräften unter Kontrolle und anschließend zur Dienststelle gebracht", informierte die Polizeidirektion Chemnitz.

Freiberg gehörte in den vergangenen Wochen mit Hunderten Teilnehmern zu den Brennpunkten der Aufzüge am Montagabend.

Kundgebung unter dem Motto "Vernunft statt Angst" mit maximal zehn Menschen an verschieden Orten in der Freiberger Innenstadt.
Demonstrierende aus Leipzig unterstützten den bürgerlichen Gegenprotest in Freiberg. Bildrechte: dpa

Umgehung der Corona-Notverordnung

Wegen extrem hoher Infektionszahlen erlaubt die Corona-Notverordnung in Sachsen derzeit nur ortsfeste Versammlungen mit maximal zehn Teilnehmern. Gegner der Corona-Politik versuchen seit Wochen diese Regelungen mit vermeintlichen Spaziergängen zu unterlaufen. Angeheizt werden die Aktionen von der rechtsextremen Gruppe "Freie Sachsen".

Quelle: MDR/bj/kk/dpa/AFP

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 20. Dezember 2021 | 19:00 Uhr

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