Corona-Pandemie 3G am Arbeitsplatz – wie sehen Firmen das in Mitteldeutschland?

Die Pläne der möglichen Ampel-Koalition zur Einführung einer 3G-Regel am Arbeitsplatz könnten große Folgen haben. Sollte die Regel eingeführt werden, wäre dies mit erheblichen Auflagen für Firmen und Beschäftigte verbunden. Ungeimpfte Arbeitnehmer müssten sich dann täglich testen. Bisher gibt es keine Testpflicht. Auch müssen Arbeitnehmer bisher nicht angeben, ob sie geimpft sind. Der MDR hat bei Verbänden und Betrieben in Mitteldeutschland nachgefragt, wie sie zur 3G-Regel am Arbeitsplatz stehen.

Grafik zum Thema 3G am Arbeitsplatz
Bildrechte: MDR/Imago Images und Panthermedia

Unternehmen in Mitteldeutschland stehen der geplanten 3G-Regel am Arbeitsplatz überwiegend aufgeschlossen gegenüber. Das hat eine Umfrage bei Arbeitgeberverbänden und einzelnen Unternehmen in den drei Ländern ergeben. In Sachsen-Anhalt gebe es schon jetzt einige Unternehmen, die 3G umsetzen, sagte Peter Martini dem MDR. Er ist der Sprecher für Sachsen-Anhalt beim Bundesverband mittelständische Wirtschaft. Die Firmen wollten damit vor allem verhindern, dass sie wegen einer hohen Zahl von Infektionen schließen müssen. Etwa zehn Prozent der Unternehmen im Verband würden deshalb von ihren Mitarbeitern einen Impf-/Genesenen-Nachweis oder einen negativen Corona-Test verlangen. Äußern wolle sich dazu öffentlich aber keines der Unternehmen.

Meyer Burger: Mehr Sicherheit und Flexibilität durch 3G

Die Solarfirma Meyer Burger gehört nicht zu den Firmen, die 3G schon umsetzen. Das Unternehmen mit Standorten in Thalheim in Sachsen-Anhalt und Freiberg in Sachsen würde die Einführung der Regel aber begrüßen. Die Personalleiterin und Mitglied in der Geschäftsführung, Katja Tavernaro, sagte MDR SACHSEN, für die mehr als 700 Beschäftigten und das Unternehmen würde dies eine größere Sicherheit und mehr Flexibilität bedeuten.

Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die jetzt im Homeoffice seien, könnten dann auch wieder in der Firma arbeiten, wenn sie das wollten. Und sie könne dann zu ihren Mitarbeitern sagen: "Bitte teste dich". Dies sei bisher nur als Empfehlung möglich. Den Impfstatus der Beschäftigten abzufragen, lehne das Unternehmen aber ab, so Tavernaro. Man wolle keine Spaltung in der Belegschaft.

Solarwerk Meyer Burger Freiberg
Das Solarmodul-Werk von Meyer Burger im sächsischen Freiberg Bildrechte: MDR/Meyer Burger

Auch Unternehmen in Thüringen für 3G am Arbeitsplatz

Bei den mittelständischen Betrieben in Thüringen ist dagegen die Mehrheit der Unternehmen der Meinung, dass die Beschäftigten über den Impfstatus Auskunft geben sollten, wie Gerald Bitterberg vom Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft dem MDR sagte.

Ein Gastronom sagte mir, er verstehe nicht, warum er von seinen Gästen einen Impfnachweis oder Test verlangen darf, von seinen Mitarbeitern aber nicht.

Gerald Bitterberg Bundesverband Mittelständische Wirtschaft, Leiter des Kreisverbandes Erfurt

Die Unternehmen seien für eine klare Linie und warteten auf die Neuregelung. Vieles sei aber noch offen.

Auch die Steuerberatungsgesellschaft Ruschel & Collegen mit Niederlassungen in Erfurt und Stadtilm befürwortet die 3G-Regel am Arbeitsplatz. Das Unternehmen mit etwa 40 Mitarbeitern habe viele Kundenkontakte, die ein persönliches Gespräch erforderten, sagte Geschäftsführerin Ilona Ruschel-Schilling dem MDR. "Da wäre es gut zu wissen, wer geimpft ist und wer nicht." Die Unternehmerin glaubt aber nicht, dass es mit der 3G-Regel Probleme in der Belegschaft geben werde. "Wir sind ein sehr familiäres Unternehmen und gehen offen mit den Mitarbeitern um". Für den Fall einer Corona-Testpflicht am Arbeitsplatz wünscht sich die Thüringerin aber die Übernahme der Kosten durch den Staat. 

Impfprämie bei Jenaer Online-Händler

Wie weit manche Unternehmen gehen, um ihre Mitarbeiter vom Nutzen der Impfung gegen Corona zu überzeugen, zeigt ein Beispiel aus Jena. Dort hat der Onlinehändler Böttcher seinen Beschäftigten eine Impfprämie von 5.000 Euro in Aussicht gestellt. Wie das Unternehmen mitteilte, soll die Prämie Anfang nächsten Jahres an jeden Beschäftigten ausgezahlt werden, der bis dahin einen vollständigen Impfschutz nachweisen kann oder genesen ist.

Eine möglichst hohe Impfquote steigere den Gesundheitsschutz und minimiere das Ausfallrisiko durch Krankheit oder Quarantäne, begründet Firmeninhaber Udo Böttcher den Schritt - auch mit Blick auf das anstehende Weihnachtsgeschäft. Nach Angaben des Unternehmens sind die meisten der rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geimpft oder genesen.

Arbeitgeber in Sachsen fordern klare Regeln 

Die IHK Dresden gibt zu bedenken, dass die Einführung der 3G-Regel am Arbeitsplatz einen enormen Aufwand für die Firmen bedeute. "Wir haben nicht nur stationär tätige Unternehmen. Wir haben auch Baustellen, Montagedienstleister und Fernverkehr etc.," sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Detlef Hamann MDR SACHSEN. Außerdem brauche eine Testpflicht in Unternehmen eine klare Regelung, damit sie umgesetzt werden könne. Dazu zähle auch die Auskunftspflicht über den Impfstatus der Beschäftigten. "Woher soll der Unternehmer wissen, wen er testen soll." Hamann verlangt außerdem eine Regelung für den Umgang mit denen, die sich trotz Pflicht nicht testen lassen wollen.

In der EADS Elbe Flugzeugwerke GmbH in Dresden bauen Spezialisten einen Airbus A310-300 zu einer Frachtmaschine um (Foto vom 14.01.2004).
Bei den Elbeflugzeugwerken Dresden sieht man die Testpflicht kritisch. Bildrechte: dpa

Der Geschäftsführer Elbeflugzeuge Dresden, Andreas Sperl, weist ebenfalls auf die Schwierigkeit hin, die Regeln wie etwa die Abfrage des Impfstatus durchzusetzen. "Es ist ein Konflikt zwischen den drei Faktoren Arbeitssicherheit, Gesundheitssicherheit und Datenschutz," sagte Sperl dem MDR. Das sei auch ein ethisches Thema und nicht nur betriebswirtschaftlich zu sehen. "Und deswegen ist hier auch der Ethikrat gefragt, hier eine klare Stellungnahme zu geben." Der Kostenfaktor sei zudem nicht unerheblich. Sperl rechnet mit etwa 1,5 Millionen Euro Kosten für eine Testpflicht in seinem Unternehmen.

Quelle: MDR/kb/bh

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 12. November 2021 | 19:00 Uhr

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