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Dutzende Fragen von MDR-Zuschauern und Nutzern besprach "Fakt-ist"-Moderator Andreas F. Rook (Bildmitte) in Dresden mit Medizinern und dem Ministerpräsidenten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Klartext bei "Fakt ist"

Impfungen in Sachsen nicht vor Jahresende - weitere Corona-Einschränkungen

von Kathrin König

Stand: 07. Dezember 2020, 23:02 Uhr

Seit Wochen ist Sachsen im Teil-Lockdown. Doch durchschlagende Erfolge im Kampf gegen das Virus sind bisher ausgeblieben. Sachsen gilt bundesweit als Hotspot. Laut Robert-Koch-Institut gab es 321 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Im Bundesdurchschnitt liegt der Wert bei 150. Woran liegt das? Wie schlimm ist die Lage in Sachsen wirklich? Mehr als 200 Fragen erreichten die Redaktion. Antworten darauf suchte "Fakt ist"-Moderator Andreas F. Rook am Montagabend.

Warum ist Sachsen ein Corona-Hotspot im ganzen Bundesgebiet?

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) machte dafür zum Teil eine gewisse Müdigkeit und Unlust der Sachsen verantwortlich. Nachdem sich viele an die Corona-Lockerungen im Sommer gewöhnt hätten, "fällt es ihnen jetzt schwer, sich umzugewöhnen", sagte Kretschmer.

Der Intensivmediziner Prof. Dr. Peter Spieth, Leiter der Intensivstation am Universitätsklinikum Dresden, erklärte sich die Infektionsanstiege in Sachsen auch mit dem "zu relaxten Umgang". Während der ersten Welle sei der Freistaat weniger stark betroffen gewesen als andere Bundesländer.

Wir hatten in der ersten Welle einfach nur Glück.

Peter Spieth | Universitätsprofessor und Leiter der Intensivstation der Uniklinik Dresden

Die Virologin Dr. Corinna Pietsch vom Universitätsklinikum Leipzig machte für unterschiedlich hohe Ansteckungsraten auf dem Land und in Großstädten die veränderte Kommunikationskultur auf dem Land verantwortlich. Zudem würden beispielsweise in Leipzig mehr jüngere Menschen leben und die Stadt weit weg von Corona-Hotspots in Tschechien und Polen liegen.

Die Leipziger Virologin Corinna Pietsch geht von geringen Nebenwirkungen bei Corona-Impfungen aus. Bildrechte: MDR SACHSEN

Studentenfeier in Zittau als Superspreader-Event

Stichwort Grenznähe: Ministerpräsident Kretschmer meinte, dass Infektionsraten in den Nachbarländern zumindest nicht für den Landkreis Görlitz ursächlich gewesen sein können. "Es gab in Zittau eine Studentenfeier mit riesiger Verbreitung." Ob im Erzgebirgskreis tschechische Bürger die Ansteckungsraten beeinflusst hätten, wisse man nicht.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer will sich dafür einsetzen, dass im Einzelhandel die Hygieneauflagen wieder stärker kontrolliert werden. Bildrechte: imago images / Sven Ellger

Wie dramatisch ist die Lage wirklich?

"Wir haben heute auf den Intensivstationen Patienten mit einem Schweregrad, wie wir ihn noch nie in der deutschen Intensivmedizin gesehen haben. Das ist neu", fasste Intensivmediziner Peter Spieth zusammen. Noch seien die Krankenhäuser in Sachsen in der Lage, Kapazitäten auszubauen. Es würden ständig Intensivbetten nachgefahren. Allerdings: "Wir haben auch normale Patienten zu versorgen", schränkte der Mediziner ein. Und: "Die absolute Anzahl an Betten ist nicht unser Problem, auch nicht die Medizintechnik. Die qualifizierte Fachpflege und das medizinische Personal sind das Problem", erklärte Spieth.

Wie lange besonders stark betroffene Covid-Patienten behandelt werden müssen und mit Spätfolgen zu kämpfen hätten, sei heute noch gar nicht absehbar. Spieht berichtete von seiner Abteilung der Universitätsklinik Dresden:

Wir haben keinen einzigen intensivmedizinischen Patienten aus der ersten Welle im arbeitsfähigen Alter, der wieder ins Berufsleben gestartet ist. Sie sind dem Tod von der Schippe gesprungen, ja. Aber sie sind nicht geheilt.

Prof. Dr. Peter Spieth | Leiter der Intensivstation Universitätsklinikum Dresden

Der Dresdner Intensivmediziner Peter Spieth braucht keine schärferen Corona-Einschränkungen. Er meint: "Es wäre schon viel geholfen, wenn die bestehenden Maßnahmen flächendeckend umgesetzt würden." Bildrechte: MDR SACHSEN

Ministerpräsident Kretschmer wies darauf hin, dass seit Tagen Covid-Patienten aus der Oberlausitz nach Dresden und aus dem Südwesten Sachsens nach Leipzig gebracht werden müssen, weil Kliniken auf dem Land ausgelastet seien.

Es tut mir leid, dass so viele, die sich an die Regeln halten, in Mitleidenschaft gezogen werden, wegen einer Minderheit, die sehr burschikos mit dem Thema umgeht.

Michael Kretschmer | Ministerpräsident Sachsen

Was kommt auf Sachsen bis Jahresende zu?

"Wir sind in der Situation, dass wir, aus meiner Sicht ähnlich wie im Frühjahr, handeln müssen", sagte Ministerpräsident Kretschmer. Am Dienstag, 8. Dezember, will er im Kabinett über neue und verschärfte Maßnahmen für die Adventszeit entscheiden. Dabei soll es auch um Schulen, Kitas, Pflegeheime und Teile des Handels gehen. "Wir werden in Sachsen eine Weihnachtsruhe haben - viel eher als am 24. Dezember", kündigte der CDU-Politiker an. Was das genau bedeutet, werde in den nächsten Tagen entschieden. Ausgangssperren wie beispielsweise in Bayern solle es aber nicht geben.

Den russischen Impfstoff hätte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer "nicht unbedingt nehmen wollen". Auch eine Notzulassung wie in Großbritannien lehnt er ab. Er setzt auf "deutsche Gründlichkeit" bei der Medikamentenzulassung. Bildrechte: MDR SACHSEN

Ich würde gern die Ausgangsbeschränkungen wirkungsvoll durchsetzen. Dadurch kommen wir zum Punkt.

Michael Kretschmer | Ministerpräsident Sachsen

Die Virologin Corinna Pietsch geht davon aus, dass es an den Weihnachtsfeiertagen zu mehr Coronainfektionen kommen wird. Wie sich das auf die Fallzahlen im Januar 2021 auswirken werde, sei aber noch nicht absehbar.

Wann kommen nun die Impfungen?

Viele MDR-Nutzer hatten vor Beginn der "Fakt-ist"-Sendung der Expertenrunde Fragen gestellt. Besonders häufig beschäftigte die Zuschauer und Nutzer das Thema Corona-Impfungen. Gerüchten, wonach erste Impfungen in dieser Woche starten sollen, trat Michael Kretschmer entgegen. "Nein, es gibt noch keine Zulassung. Zum Jahresende oder mit Beginn des neuen Jahres soll es losgehen", sagte der Ministerpräsident.

So sollen die Impfungen in Sachsen ablaufen:

Quelle: Ministerpräsident Michael Kretschmer und Virologin Corinna Pietsch bei "Fakt ist"

Ich vertraue auf deutsche Zulassung und deutsche Gründlichkeit beim Impfstoff. Lasst uns die Impfung anwenden, damit das Leben wieder normaler wird!

Michael Kretschmer | CDU-Politiker

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN"Fakt ist" aus Dresden | 07.12.2020 | 22:15 Uhr

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