Corona-Pandemie Warum sind die Inzidenzen in Großstädten derzeit höher?

In Mitteldeutschland ist die Sieben-Tage-Inzidenz noch einstellig. Allerdings sticht heraus, dass drei der größten Städte – Leipzig, Dresden und Halle – anders als bei den vorherigen Infektionswellen jetzt recht hohe Inzidenzen verzeichnen. Die Kreise, die während der dritten Welle mit hohen Infektionszahlen zu kämpfen hatten, melden dagegen wenige Neuinfektionen. Epidemiologen sehen Tendenzen zu höheren Infektionszahlen in Großstädten.

Passanten gehen 2014 durch eine Fußgängerzone in Leipzig.
In engen Einkaufsgassen ist schwierig immer den Mindestabstand einzuhalten. Bildrechte: dpa

Die Corona-Hochburgen in Deutschland heißen derzeit Salzgitter, Herford, Wolfsburg und Neu-Ulm. Hier liegen die Inzidenzen zwischen 68 und 55. Auf den ersten Blick sieht es also nicht unbedingt so aus, als wären es die Metropolen, die besonders mit steigenden Infektionszahlen zu kämpfen haben.

Eine gewisse Tendenz lasse sich aber sehr wohl erkennen, sagt der Bremer Professor und Epidemiologe Hajo Zeeb. In einigen großen Städten lägen die Inzidenzen am oberen Rand. "Tatsächlich ist es so: Wir haben eine neue Variante, die Delta-Variante, die noch deutlich infektiöser ist und damit sind alle größeren Städte betroffen, wo auch mehr Menschenmengen da sind. Die haben jetzt nochmal einen Nachteil in dem Sinne, das eben doch die Ansteckung leichter stattfindet also dort, wo der Abstand etwas leichter einzuhalten ist", sagt Zeeb.

Leicht steigende Inzidenzen in Dresden und Leipzig

Hamburg, Bonn, Frankfurt und Köln – sie alle haben die Inzidenz von 30 zum Teil schon deutlich überschritten. Düsseldorf liegt sogar bei über 40. Gemessen daran ist das Infektionsgeschehen in Leipzig und Dresden noch überschaubar. In den beiden größten mitteldeutschen Städten mit jeweils mehr als 500.000 Einwohnern lag die Inzidenz zuletzt mehrere Tage über der Zehnermarke – und damit deutlich über dem mitteldeutschen Schnitt. Seit Dienstag gelten in Leipzig deswegen auch wieder verschärfte Corona-Beschränkungen wie etwa die Maskenpflicht beim Einkaufen – in Dresden gilt das schon seit Sonnabend.

Der Leipziger Epidemiologe Markus Scholz schränkt aber ein: "Im Moment würde ich da noch keinen Trend ableiten wollen. Es ist richtig, dass Leipzig jetzt auch die 10 überschritten hat und neue Maßnahmen einführt. Wir haben aber aktuell eine so niedrige Inzidenzlage, dass da kleine Schwankungen eben auch mal über die Grenze führen können. Also einen stabilen exponentiellen Trend würde ich noch nicht sehen." Der Uni-Professor sagt aber auch: Ein Grund für die größeren Infektionszahlen in den Großstädten könnte die Altersstruktur sein. In den Metropolen lebten im Schnitt jüngere Menschen als auf dem Land – und diese jüngeren Generationen seien zugleich am wenigsten geimpft.

Großveranstaltungen in Städten als Superspreading-Events

Was das bedeutet, lässt sich an den Zahlen des Robert Koch-Instituts ablesen. Ende Juli lag die Inzidenz unter den 20- bis 24-Jährigen bei 45. Stärker betroffen ist keine Altersgruppe. Die 15- bis 19-Jährigen folgen aber knapp dahinter. Der Epidemiologe Scholz sagt: "Zudem sehen wir ja jetzt in den Städten, dass es wieder große Treffen gibt mit sehr vielen Leuten. Was natürlich bei der hochansteckenden Delta-Variante schon gefährlich ist." Das sähe man auch an den aktuellen Daten aus den USA: Dort hätten sich Großveranstaltungen zu Superspreading-Events entwickelt, bei denen sich auch viele Geimpfte infiziert hätten.

Scholz und sein Bremer Kollege Zeeb sind dennoch vorsichtig, beim Infektionsgeschehen zu sehr zwischen Städten und ländlichen Regionen zu unterscheiden. Denn – das sagen beide – die derzeitigen Zahlen seien noch nicht wirklich aussagekräftig. Erst nach den Schulferien und nachdem die Urlauber wieder zurück in Deutschland sind, lasse sich ein genaueres Lagebild zeichnen.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: 03. August 2021 | 06:00 Uhr

17 Kommentare

pauhep vor 6 Wochen

Was mich noch mehr interessiert: Wie schafften es Schwurbler-Landkreise wie das Vogtland nach Einführung des Bundeslockdowns in kürzester Zeit von Hotspot-Niveau auf quasi 0? Ist das statistisch plausibel oder gibt es Möglichkeiten, bei der Meldung der Zahlen zu betrügen? Etwa, indem die Regeln, wann und ob jemand getestet wird, angepasst werden, Fälle unter den Teppisch gekehrt werden usw.

Falls da etwas aufgedeckt wird, dann beantwortet das bestimmt auch die Frage, warum die meist progressiveren Städte im Moment höhere Inzidenzen haben als die von Betonköpfen regierten Landkreise in Kaltland.

Soldaten Norbert vor 6 Wochen

Bleiben sie doch daheim, aber lassen sie die anderen Menschen ihre Freiheit leben. Jeder kann sich impfen lassen, ist somit geschützt. Also , wo ist das Problem ?

Harry20 vor 6 Wochen

Die Frage wird im Artikel nämlich auch nicht beantwortet! Stehen die Ansteckungen in den Städten in einem Zusammenhang? Gab es Veranstaltungen auf die die Infektionen zurückzuführen sind, oder sind es Einzelpersonen ohne Zusammenhang?Ganz davon abgesehen, dass viele bei der Angabe ihrer Kontakte und der Feiern an denen man teilgenommen hat eh nicht die Wahrheit sagen...Das ist aber längst bekannt!

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