Nachgefragt Häusliches Lernen: Das sagen Schüler, Eltern und Lehrer

Schüler, die über Lernsax nicht an ihre Aufgaben kommen oder ihre Lehrer nicht erreichen können, wenn sie Fragen haben. Eltern, die sich allein gelassen fühlen. Und Lehrer, die auch Probleme bei den Eltern sehen. Davon hört man dieser Tage immer wieder. Zuschriften unserer User zeigen, die Probleme sind vielschichtig und hängen nicht nur an der Unerreichbarkeit von Lernsax. Nur vereinzelt gibt es Lob für die Umsetzung des häuslichen Lernens. Doch einige können der Zeit der geschlossenen Schulen auch etwas positives abgewinnen.

Mutter und Sohn sitzen an einem Tisch und machen Heimarbeit
Häusliches Lernen ist nicht nur für die Schüler, oft auch für die Eltern eine große Herausforderung. Vor allem, wenn die Kinder jünger sind und Hilfe bei den Aufgaben brauchen oder wenn die Eltern zusätzlich noch im Homeoffice arbeiten. Bildrechte: imago images/MedienServiceMüller

Das sagen die Schülerinnen und Schüler:

"Kein reinkommen bei Lernsax = keine Aufgaben. Somit hänge ich schon in den ersten Tagen den Aufgaben hinterher."
Pia S. (14) aus Bretnig

"Neben den Problemen mit den Lernplattformen, gibt es keinerlei Betreuung/Beratung. Es wird sichtbar, wie wenig vorbereitet die meisten Schulen und Lehrer sind. Lediglich Arbeitsblätter und Aufgaben werden online gestellt und die Schüler werden damit allein gelassen. Das kann und darf nicht der Anspruch des deutschen Bildungssystems sein! Grüße eines Fachsschülers."
Maximilian L. (27) aus Leipzig

"Meine Erfahrungen mit dem Homeschooling sind nicht sehr gut. Zum einen funktioniert die Lernplattform LernSax zeitweise gar nicht und stürzt immer wieder ab und zum anderen brauche ich jemanden, dem ich eine Frage stellen kann ohne drei Stunden darauf warten zu müssen."
Leonie Z. (16)

"Es ist ja schön, selbstständig für sich zu arbeiten, aber sich im Angesicht der Prüfungsvorbereitung (Abschluss Ausbildung IHK), den restlichen Lernstoff, den wir unbedingt für die Prüfung brauchen, selbst beibringen zu müssen, ist katastrophal! Leider ist auch im 2. Lehrjahr schon sehr viel durch Corona ausgefallen, was wir eigentlich im 3. Lehrjahr nachholen wollten. Beim wollen ist es geblieben."
Kevin F. (18) aus Meißen

"Im ersten Lockdown im Frühjahr hat der Fernunterricht sehr gut funktioniert. Nahezu alle Lehrer konnten sich schnell an das neue Unterrichten gewöhnen und wir haben auch von zu Hause den Lehrplan geschafft. Die nötige Selbstdisziplin und Organisation sollte in der Sekundarstufe II auch kein Problem mehr sein, sodass man hier sogar produktiver arbeiten kann, da man sich den Zeitplan selbst, auf sich zugeschnitten einteilen kann. Im neuerlichen Fernunterricht sieht das anders aus. Aufgaben, die per Lernsax kommen sollen, können nicht abgerufen werden, da die Plattform in der Unterrichtszeit quasi nie erreichbar ist. An Videokonferenzen über die Bildungsplattform ist nicht zu denken. Grundsätzlich befürworte ich Fernunterricht aber und fände es gut, wenn in den höheren Klassenstufen auch in "normalen" Zeiten ein oder zwei Tage von zu Hause gelernt werden könnte. Für Buchaufgaben und zum Texte schreiben muss ich nicht extra in die Schule fahren! Dazu muss aber besser heute als morgen angefangen werden, die notwendigen digitalen Strukturen zu schaffen."
Sebastian M. (18) aus Dresden

"Lernsax funktioniert nur teilweise. Konferenzen mussten abgesagt werden. Die Anmeldung war teilweise nicht mehr möglich, sodass auf keine Aufgaben zurückgegriffen werden konnte. Um alle gestellten Aufgaben zu schaffen, muss man sich einen guten Zeitplan erstellen und organisiert die Aufgaben angehen. Bei Problemen können Lehrer per Mail gut helfen. Allgemein ist das Lernen zu Hause aufwändiger als in der Schule und es ist mehr Selbstdisziplin und Motivation nötig. Mögliche Ablenkungen wie der Partner oder äußere Einflüsse wie soziale Netzwerke machen die alltägliche Herausforderung schwieriger zu meistern. Im Gegensatz dazu, muss man nicht so zeitig aufstehen und ist dadurch besser konzentriert. Außerdem kann man seine Pausenzeiten seinem Lern- und Aufgabenpensum anpassen."
Antonia L. (19) aus Bautzen

"Ich habe überwiegend positive Erfahrungen gemacht. Zum Beispiel bleibt mir der Schulweg erspart und ich hab auch mehr Zeit für andere Dinge. Ich habe mir ein Plan gemacht, was ich am Tag schaffen muss und welche Fächer. Außerdem hab ich mir Zeiten festgelegt, wann ich zum Beispiel aufstehe, frühstücke und zu Bett gehe. Dies hält mich strukturiert und macht es dann auch leichter, wenn es wieder in die Schule geht. Das einzige Negative, was mir in den Sinn kommt ist, dass Lernsax am Tag kaum bis gar nicht richtig funktioniert. Daher lade ich mir die Dateien und Dokumente ab sofort herunter, wenn die Aufgaben da sind."
Pascal W. (14)

Das sagen die Eltern:

"Lernsax geht nicht. Aufgabenumfang in Ordnung. Frust bei Eltern und Kind bei der Umsetzung - ich bin ja keine Lehrerin (...)"
Margret V. (31) aus Aue

"Lernplattform Lernsax nicht erreichbar, Lehrer nicht erreichbar, keine Vorbereitung der Schüler durch die Schule, ältere Lehrer nutzen die Plattform Lernsax nicht - alles in allem keine guten Voraussetzungen und das für eine Abschlussklasse!"
Jana Q. (50) aus Medingen

"Viel und gut vorbereitete Materialien bei den Grundschulen, aber durch Lernsax Probleme bleiben den Großen (...) Das gute ist aber, dass die Lernzeit halt angepasst werden kann. Mit mehreren Kindern ist das nur zu schaffen, weil leider mein Arbeitsplatz (Café) geschlossen worden ist. Schwierige Zeiten... aber machbar!"
Lena S. (40) aus Kottmar

"Bei uns läuft das richtig gut. Es wurden Aufgaben mitgegeben von der Lehrerin meiner Tochter (2. Klasse) und wir bearbeiten die Aufgaben gleich früh nach dem Frühstück. Das geht aber nur, weil ich nach Covid-19 noch zu Hause bin. Danach wird dann der Tag mit basteln, spielen, Plätzchen backen usw. verbracht. Es ist eine richtig ruhige und besinnliche Zeit dieses Jahr für uns. Da ich ja sonst in Schichten im Pflegeheim arbeite."
Susan J. (44) aus Zschorlau

"Es ist arg schwierig. Wir müssen beide weiterarbeiten und das in Schichten, haben zwei Kinder eins in der Grundschule und eins Oberschule. Wir haben kaum Zeit, uns mit hinzusetzen und ihnen zu helfen. Beim Großen ist es wieder sehr viel (...). Wir wissen nicht, wie wir das schaffen sollen alles und trotzdem noch sowas wie schöne Weihnachten haben sollen. Obwohl man sagen muss, dass die Lehrer sich dieses Mal mehr Mühe gegeben haben und auch Kontaktdaten hinterlegt haben."
Nicole R. (39) aus Auerbach

"Ich habe einen Erstklässler und bin mit der Menge der Aufgaben positiv überrascht. Natürlich weiß ich nicht, ob es dem Lernpensum entspricht ( was ich nicht glaube ), aber zumindest werden wir nicht überfordert und müssen stundenlang lernen. Die Kinder sind ohnehin in einem ähnlichen Unruhezustand wie wir Erwachsene. Und daran ist nicht nur die aufregende Adventszeit schuld. Kinder haben gute Antennen für die Stimmung in einer Familie. Es ist eine schwierige Situation und nicht jeder Tag ist gleich in Lust und Konzentration. Gestern musste ich nach zwanzig Minuten aufhören, weil es zu keinem Lerneffekt geführt hätte. Heute verspreche ich mir mehr Konzentration. Die Umstellung ist angekommen und nun kann ganz anders mit der Situation umgegangen werden. Aber grundsätzlich begrüße ich diesen Lockdown mit seinen Folgen."
A.K. (49) aus Olbernhau

"Als Alleinerziehende ist es schwer, ein Grundschulkind zu beschulen, ein Kleinkind zu beschäftigen, im Homeoffice zu arbeiten und den Haushalt zu bewältigen. Aber die tägliche Videokonferenz über Microsoft Teams läuft gut und wir arbeiten jeden Vormittag den Plan des Lehrers ab. Durch die 1:1-Erklärungen kommt der Stoff gut bei meiner Tochter in der dritten Klasse an."
Kristin O. (33) aus Dresden

"Die Wochenpläne sind viel zu voll. Unser Lehrer geht sehr wenig auf unsere Anliegen ein. Ich habe extra Urlaub genommen, um mit meinen 2 Grundschulkindern die Aufgaben zu schaffen."
Nadine (42)

"Ich habe sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Klassenlehrerin sorgt für den nötigen Unterrichtsmaterialien und Lösungen zur Selbstkontrolle. Außerdem wird mit Zoom und Lernsax gearbeitet was die soziale Nähe zu den anderen Kindern sicherstellt."
Cindy K. (41) aus Panitzsch

"Klappt sehr gut, mein Kind, 5. Klasse Gymnasium, ist mit Feuereifer bei der Erledigung der gestellten Aufgaben. Lernsax funktioniert nicht ganz so gut, aber alles noch okay. Ist mir so jedenfalls hundertmal lieber, als sie jeden Tag ohne Maske dicht an dicht im Unterricht sitzen zu lassen, wie es bis zum letzten Tag vor der Schulschließung die Regel war."
Sandro C. (53) aus Dresden

"Grundschule Klasse 4: Am 13.12. alle Aufgaben für die Zeit bis zum 11.01. bekommen, inklusive der Info, dass jetzt nix mehr kommt, keinerlei Feedback an Kinder, keine Aufforderung Aufgaben zurückzusenden, katastrophal würde ich sagen. Gymnasium Klasse 7: Lernplattform Opal, Lehrer senden Aufgaben, bisher keine Aufforderung Aufgaben zurückzusenden, mal sehen wie es weiter geht. Alles in allem ist das ein Armutszeugnis für die mir bekannten Lehrer. Ich hörte von anderen Schule, wo mit Hilfe von Videokonferenzen gelehrt wird. Das Angebot muss nicht den selben Umfang haben wie die innerschulische Ausbildung, ich würde mich aber über mehr Einsatz freuen."
Rico N. (43) aus Dresden

"Wir bekamen die Aufgaben in Form von Arbeitsblättern in Deutsch, Mathematik und Sachkunde für die Zeit vom 14.12. bis zum 10.01.21 mit nach Hause. Teilweise stellen Lehrer Aufgaben auch bei Lernsax oder Padlet ein. Alles ist sehr unstrukturiert und ohne intensive Vorbereitung durch uns Eltern von einem Viertklässler nicht zu bewältigen. Ob es einen Austausch oder Kontakt mit den Lehrern geben wird, ist uns bis heute nicht bekannt. Nebenbei im Homeoffice und Krankenhaus zu arbeiten ist eine echte Herausforderung. Wir hätten uns eine bessere Vorbereitung durch die Schule erwartet."
Christa S. (52) aus Leipzig

Das sagen die Lehrerinnen und Lehrer:

"Lernsax funktioniert nicht, obwohl die technischen Probleme schon seit dem ersten Lockdown bekannt sind. Schulleitungen in Sachsen agieren höchst heterogen. Es gibt nur wenige Schulen, an denen es gut läuft. Das SMK erscheint höchst überfordert, kein Enablement der Lehrer."
Anja O. (47) aus Dresden

"Die Eltern sind teilweise überfordert mit dem Lernstoff. Oftmals gibt es keine ausreichenden Erfahrungen mit der Technik oder dem Lernportal oder es gibt kein gutes Internet oder die Familien haben keine Möglichkeit, etwas auszudrucken oder zu scannen."
Frau P. (30) aus Mittweida

"Ich unterrichte Religion in den Klassen 9, 11, 12 und 13. Mir ist Rückmeldung und Kommunikation wichtig. Das klappt bislang recht gut. Deutschland ist aber mindestens 15 Jahre zurück, was den Breitbandausbau betrifft. Ich habe den Eindruck die Schülerinnen und Schüler freuen sich, wenn es strukturiert und begleitet läuft und sie mitbestimmen können. Es erfordert aber mehr Zeitaufwand, was mir angesichts von drei eigenen kleinen Kindern und einer Ärztin als Frau etwas abverlangt."
Rico D. (38) aus Plauen

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 14.12.2020 | 19:00 Uhr

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