Hilferuf der Mediziner Viele Covid-Patienten, wenig Personal: Kliniken in Sachsen am Limit

In den sächsischen Krankenhäusern herrscht aktuell alles andere als Regelbetrieb. Seit Freitag gilt die Überlastungsstufe. Außerdem gibt es immer weniger Personal, das die Covid-Patienten auf den Intensiv- und Normalstationen betreuen kann. Immer mehr Kliniken wenden sich deshalb aktiv an die Kommunalpolitik und die Gesellschaft, bei der Eindämmung der Corona-Pandemie zu helfen.

Ein Wegweiser mit der Aufschrift "Städtisches Klinikum Dresden Friedrichstadt".
Im Klinikum Dresden wird die Lage als "sehr angespannt" beschrieben. Bildrechte: MDR/Dan Hirschfeld

In den sächsischen Krankenhäusern ist am Freitag die Überlastungsstufe in Kraft getreten. Planbare Operationen werden verschoben, um Kapazitäten für Covid-Patienten auf den Intensiv- und Normalstationen freizuhalten beziehungsweise diese zu betreuen. Auch die Personalsituation ist vielerorts mehr als angespannt.

Klinikum Dresden: Anstieg Covid-Patienten um ein Viertel innerhalb von sechs Tagen

Am Städtischen Klinikum Dresden ist die Belegungszahl der Covid-Patienten auf Normal- und Intensivstationen zusammen von 73 Personen am vergangenen Freitag auf 95 am Donnerstag gestiegen: Das sind 26 Prozent in sechs Tagen. "Die Lage im Klinikum ist sehr angespannt. Die stationär zu versorgenden Covid-Patienten bewegen sich auf einem hohen Niveau", teilte das Klinikum in seinem wöchentlichen Update mit.

Die überwiegende Zahl der von uns aufgenommenen Covid-19-Patienten ist nach wie vor ungeimpft. Wer trotz Impfung einer Krankenhausbehandlung bedarf, hat meist eine zusätzliche Vorerkrankung oder Risikofaktoren. Die Verläufe sind dementsprechend auch schwerer.

Prof. Dr. Sebastian Schellong Chefarzt der 2. Medizinischen Klinik

Ein Facharzt und eine Intensivpflegerin (r) intubieren einen Covid-19-Patienten auf der Intensivstation der Leipziger Uniklinik
Ein Facharzt und eine Intensivpflegerin (re.) intubieren einen Covid-19-Patienten auf der Intensivstation der Leipziger Uniklinik Bildrechte: dpa

Uniklinik Leipzig: Lage angespannt, Erweiterung der Versorgung möglich

Am Uniklinikum Leipzig werden derzeit 19 Covid-Patienten auf der ITS und 23 auf der Normalstation behandelt. Wie die Pressestelle der Klinik auf Anfrage von MDR SACHSEN am Freitag mitteilte, sei die Lage angespannt. In vielen Bereichen mussten bereits Leistungen bei planbaren OPs reduziert werden. Akut- und Notfallbehandlungen werden jedoch immer in vollem Umfang durchgeführt, hieß es weiter.

Wir rechnen mit einem weiteren Zuwachs an Patienten. Wir haben die Kapazitäten für die Covid-Versorgung bereits erweitert und könnten derzeit noch weiter erweitern.

Pressestelle der Uniklinik Leipzig

Collm-Klinik Oschatz schränkt Betrieb wegen Personalmangel ein

In der Collm Klinik Oschatz musste eine Station geschlossen werden, um die Personalsituation zu sichern, teilte der medizinische Geschäftsführer, Mario Günther, am Freitag mit. Es werden aktuell 13 Patienten im Zusammenhang mit dem Coronavirus behandelt, drei davon auf der Intensivstation.

Aktuell sind unsere Kapazitäten auf der Intensivstation ausgeschöpft. Auf der Normalstation sind noch wenige Aufnahmen möglich.

Dr. med. Mario Günther Medizinischer Geschäftsführer Collm-Klinik Oschatz

Elblandkliniken im Landkreis Meißen fehlt Personal

Aufgrund der hohen Corona-Infektionszahlen und der angespannten Lage in den Elblandkliniken denkt der Landkreis Meißen darüber nach, Katastrophenvoralarm auszulösen. Das teilte das Landratsamt am Donnerstag mit. Man erhoffe sich mit diesem Schritt, die Bevölkerung für die dramatische Lage zu sensibilisieren und dringend benötigtes Pflegepersonal zu gewinnen, hieß es.

Die Lage ist dramatisch und spitzt sich noch schneller zu als ohnehin befürchtet. Uns fehlt Pflegepersonal. Zwar unterstützen uns an jedem der drei Standorte jeweils acht Soldaten der Bundeswehr, aber das ist nicht ausreichend.

Rainer Zugehör Vorstand der Elblandkliniken

Mit dem Katastrophenvoralarm würden den Angaben zufolge die notwendigen Vorbereitungen im Bereich des Brand- und Katastrophenschutzes anlaufen.

Ein Banner mit der Aufschrift "Bei uns gilt Besuchsstopp" hängt über dem Haupteingang des Elblandklinikum Meißen.
Ein Bild vom Beginn der Pandemie noch immer aktuell: Besuchsstopp im Elblandklinikum Meißen (Archivbild vom März 2020). Bildrechte: dpa

Erzgebirge: Chefarzt des Auer Klinikums schreibt Offenen Brief

Der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Helios Klinikum Aue, Thomas Ketteler, hat sich in einem Offenen Brief an den Landrat des Erzgebirgskreises sowie an Kommunalpolitiker gewandt. Darin wirbt er angesichts der dramatischen Entwicklungen fürs Impfen und beklagt gleichzeitig Falschinformationen im Internet.

Die Impfquote im Erzgebirgskreis liegt bei erbärmlichen 45%. Die AHA-Regeln werden im Alltag kaum eingehalten und so gut wie gar nicht kontrolliert. Dabei gibt es im Erzgebirge anscheinend keinen Mund-Nasen-Schutz, denn wenn überhaupt getragen, dann guckt der Riechkolben meistens raus.

Dr. med. Thomas Ketteler Chefarzt für Innere Medizin Helios Klinikum Aue

Leider befänden sich auch niedergelassene Kollegen unter den Impfgegnern, die durch ihr zögerliches oder wissenschafts-leugnendes Verhalten die Gesundheit ihrer Patienten gefährdeten, so Ketteler weiter.

Mediziner: Lockdown-Forderungen und Besucherstopps

Erst Mitte der Woche forderte der sächsische Krankenhausdirektor Michael Albrecht einen sofortigen Lockdown für mindestens 14 Tage. Die Landesregierung wird noch am Freitag konkrete Einschränkungen beschließen. Besucherstopps gibt es in den meisten Kliniken bereits seit Mitte November.

Quelle: MDR(sth/sm)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 19. November 2021 | 12:00 Uhr

Mehr aus Sachsen

Sport

Rolf Allerdissen, Rene Holzhammer, Thomas Kalisch, Benny Tröllmich und Hund Apryl (v.l.n.r.) präsentieren den längsten weißen Stock der Welt. mit Video
Rolf Allerdissen, Rene Holzhammer, Thomas Kalisch, Benny Tröllmich und Hund Apryl (v.l.n.r.) präsentieren den längsten weißen Stock der Welt. Bildrechte: Pia Siemer