17.04.2020 | 17:43 Uhr | Update Sachsen stoppt Corona-Hilfszahlungen des Bundes

Hilfspaket mit Geldscheinen
Bildrechte: imago images / Steinach

Sachsen hat die Auszahlung der Corona-Soforthilfen des Bundes im Freistaat vorerst gestoppt. Wie die Sächsische Aufbaubank mitteilte, sind im Freistaat gefälschte Webseiten aufgetaucht, deren Urheber mutmaßlich Gelder erschleichen wollen. Deshalb sei die Auszahlung eingestellt worden, bis der Sachverhalt geklärt sei, so die Bank. Das Landeskriminalamt (LKA) hat Ermittlungen aufgenommen. Es gehe nun zuerst um die Sicherung von allen verfügbaren Daten, erklärte ein LKA-Sprecher am Freitag.

Täter haben SAB-Seite nachgebaut

Nach LKA-Angaben haben unbekannte Täter die offizielle Seite der Sächsischen Aufbaubank (SAB) nachgebaut, um über diese "Fake-Seite" an die Daten von Unternehmen zu gelangen und anschließend mit ihren eigenen Kontodaten die entsprechenden Anträge zu stellen. Die Seite sei dabei kaum merklich verändert worden.

Ob bereits Fördergelder im Zusammenhang mit der betrügerischen Webseite ausgezahlt wurden, sei noch unklar, so das LKA. Ein höherer Schaden werde aber nicht erwartet. Die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden und die dort angesiedelte sächsische Zentralstelle zur Bekämpfung von Cybercrime haben ein Verfahren unter anderem wegen des Anfangsverdachts des Betruges und des Ausspähens von Daten eröffnet.

Auszahlungen seit Donnerstag gestoppt

Bereits am Donnerstagabend hatte die Bank erklärt, die Auszahlung der Soforthilfe-Zuschüsse vorerst zu stoppen. Die Bank habe "alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen, um Fehlleitungen öffentlicher Mittel zu vermeiden", hieß es. Wie viele Unternehmen betroffen sind und wie hoch der Schaden ist, könne man derzeit noch nicht sagen. "Dafür ist alles noch zu frisch", sagte SAB-Sprecherin Beate Bartsch. Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) sagte, er gehe davon aus, dass bisher wenig oder kein Schaden entstanden ist.

Unklarheit, ob sächsisches Darlehnsprogramm auch betroffen ist

Nach Aussage von Dulig werde auch geprüft, ob es Betrugsversuche beim landeseigenen Darlehensprogramm gab. Es sei davon auszugehen, dass dort kein Schaden entstanden ist, so Dulig weiter, weil dort Unterschrift der Antragsteller nötig sei. Unklar sei noch, ob die Auszahlungen über das landeseigene Darlehensprogramm für Unternehmen und Selbstständige ebenso vorübergehend gestoppt werden.

Antragstellung weiter möglich

Laut SAB könnten zunächst für beide Programme weiter Anträge gestellt werden. Sprecherin Bartsch rief dazu auf, bei der Antragstellung auf die richtige Schreibweise der SAB-Internetseite zu achten: https://www.sab.sachsen.de/. "Weil die Anträge elektronisch gestellt werden, bekommen alle Antragsteller automatisch eine Bestätigungsmail", so Bartsch. Wer solch eine Mail nicht erhalten habe, sollte stutzig werden. 

Zuvor waren in Hamburg und Nordrhein-Westfalen nach Betrugsfällen das Soforthilfe-Programm für kleine Betriebe in der Corona-Krise zeitweise gestoppt worden. Das Landeskriminalamt kündigte an, mögliche Zusammenhänge mit diesen Betrugsversuchen zu überprüfen.

Quelle: MDR/kh

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - das Sachsenradio | 17.04.2020 | ab 05:30 Uhr in den Nachrichten

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