Homeoffice Arbeiten und lernen zu Hause - drei Mütter berichten

Homeoffice - das ist für einige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schon seit dem Frühjahr 2020 Realität. Und selbst in Betrieben, in denen das mobile Arbeiten bisher nicht möglich war, hat es seit Beginn der Corona-Pandemie ein Umdenken gegeben. Doch das Arbeiten von zu Hause bringt längst nicht nur Vorteile mit sich. MDR SACHSEN hat sich einige Arbeitsplätze daheim genauer angesehen.

Eine junge Frau arbeitet Zuhause an einem Laptop, während ihre Kinder neben ihr malen und ein Buch ansehen
Wer im Homeoffice arbeiten kann, soll das auch möglichst tun - darum bittet die sächsische Staatsregierung. Welche Herausforderungen das mit sich bringt, zeigen die Erzählungen von drei Müttern. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Nele - Lernen im Homeoffice mit tierischer Unterstützung

Nele geht in die 7. Klasse des Gymnasiums in Borna, zumindest wenn die Schule gerade nicht geschlossen ist. Seit Mitte Dezember lernt die Schülerin zu Hause - auch das ist eine Art Homeoffice. Mutter Tanja erzählt: "Wie gut das mit dem Lernen klappt, ist natürlich auch tagesformabhängig. Was ich aber beobachten kann: Die Lehrer sind deutlich besser vorbereitet als im Frühjahr."

Als zum ersten Mal die Schulen geschlossen waren, seien die Schüler geradezu mit Aufgaben überschüttet worden, berichtet Tanja. Inzwischen schickten die Lehrer am Vortag oder am Morgen einige Aufgaben, die für den jeweiligen Wochentag gedacht seien. "Und es gibt jetzt Fristen. Also beispielsweise muss etwas bis Freitag erledigt sein, dann wird auch die Aufgabe kontrolliert. Teilweise gibt es auch Noten. Im Frühjahr hatte man noch das Gefühl, es ist völlig egal, was man schafft oder auch nicht. Natürlich war die Motivation damals im Keller."

Kater Chilli hat wichtige Aufgaben

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Kater Chilli liebt die Wärme der Laptop-Tastatur. Das stört zwar Schülerin Nele beim Lernen, dafür hilft der Kater an anderer Stelle. Bildrechte: Tanja Böer

Die Eltern der 12-jährigen Nele sind tagsüber arbeiten - allein ist das Mädchen aber nicht. Immer an ihrer Seite oder auch mal auf der Tastatur des Laptops liegt Kater Chilli. Im Sommer wird er ein Jahr alt und hat schon jetzt eine wichtige Aufgabe: "Chilli ist ein zuverlässiger Wecker, wenn wir Eltern schon aus dem Haus sind. Wenn ihm langweilig wird, weckt er Nele auf und der Tag geht los", erzählt Mutter Tanja. Der Stubentiger findet es natürlich toll, dass nun den ganzen Tag jemand zu Hause ist.

Damit es Schulkind Nele nicht zu langweilig wird und sie wenigsten eine Art von Klassengemeinschaft hat, trifft sie sich ab und zu mit anderen Schülerinnen und Schülern zum Video-Chat. So können sie die Aufgaben auch gemeinsam lösen. Dass ihre Tochter so selbstständig ist, macht Mutter Tanja richtig stolz. "Da gibt es auch ein dickes Lob von mir, dass es so gut klappt. Und ich kann mich auch darauf verlassen: Wenn Nele nicht weiterkommt oder etwas ist, ruft sie an. Das ist wirklich toll!"

Friederike - zu Hause mit zwei Kindern und Freund

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Friederike hatte gerade die Eingewöhnung ihres kleinen Sohnes abgeschlossen, nun klettert der Einjährige tagsüber auf seiner Mutter umher. Von der Elternzeit ins Homeoffice - keine einfach Umstellung. Bildrechte: Friederike Kühn

Seit Mitte Dezember ist auch Friederike aus Dresden im Homeoffice - mit ihrem Freund und ihren zwei kleinen Söhnen. Das ist nicht immer so einfach, erzählt die 38-Jährige, bisher habe es aber immer geklappt: "Viele meiner Kollegen gehen ja noch ins Büro. Für die sind es ganz normale Arbeitstage mit Terminen und Besprechungen. Ich bin so ziemlich die einzige mit Kindern zu Hause und das merkt man dann auch." Soll heißen: Die Kollegen laden zu Besprechungsterminen ein, an denen Friederike von zu Hause teilnehmen soll. Mit zwei Kindern im Kita-Alter ist das aber nicht so einfach - am besten arbeitet es sich schließlich, wenn wenigstens der einjährige Sohn Mittagsschlaf macht.

"Ich bin ehrlich", erzählt die Angestellte, "zum Arbeiten komme ich nicht immer. Ja, ich reagiere auf Mails und kann am Tagesgeschehen teilnehmen. Aber abends setze ich mich auch nur hin, wenn es wirklich sein muss und jemand auf eine Zuarbeit von mir wartet. Ich setze mich dann nicht hin, um für mein Gewissen noch zwei Stunden gearbeitet zu haben." Schließlich habe sie auch vorher Beruf und Privates strikt getrennt, ein wenig Freiraum will sich Friederike auch jetzt bewahren.

Arbeiten im Bett oder Kinderzimmer

Ein richtiger Arbeitsplatz fehlt allerdings. Ihre Arbeit für die Verwaltung eines Wohlfahrtsverbands erledigt Friederike häufig im Kinderzimmer ihres Einjährigen - oder auch mal mit dem Laptop im Bett. Dass sie gerade nicht die volle Leistung bringen kann, wisse ihr Chef: "Ich habe da seine ganze Unterstützung. Die Absprachen mit ihm sind super. Meine Stunden erreiche ich nicht, aber Hauptsache ich schaffe irgendwie meine Arbeit. Und das funktioniert am Ende."

Doch zwei große Wünsche bleiben der Dresdnerin: "Es wäre schon schön, wenn wir bei uns in der Verwaltung auch ein bisschen die Besprechungen zurückfahren. Wir haben hier gerade eine außergewöhnliche Situation, da kann man einige Themen einfach hintenan stellen und um drei Monate verschieben." Außerdem wünscht sich Friederike eine Perspektive, einen Fixpunkt, ab wann es irgendwann wieder normaler wird, denn "wenn sich das allen noch bin in den Februar zieht, ist das okay. Aber danach wird es mit der Belastung einfach schwierig."

Anja - alleinerziehende Versicherungsmaklerin wird zur Vollzeitpädagogin

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Vorher war der Arbeitsplatz von Anja der Esstisch. Das ständige Wegräumen der Unterlagen hat nun ein Ende. Bildrechte: Anja Beer

Ganz ähnlich sieht das auch Anja. Die Dresdnerin ist seit Oktober dauerhaft im Homeoffice, vorher konnte sie an einzelnen Tagen mobil von zu Hause arbeiten. Doch seit Dezember ist die Situation viel komplizierter geworden, berichtet die Versicherungsmaklerin: "Seitdem sind meine beiden Töchter zu Hause. Marie ist sechs, Lena zehn Jahre alt. Meine kleine geht noch in die Kita, die große Tochter aufs Gymnasium." Das sei eine große Herausforderung.

Anja erzieht ihre Kinder größtenteils alleine und bezeichnet sich scherzhaft als Vollzeitpädagogin: "Ich stelle fest, dass ich mich entscheiden muss, ob ich tagsüber meine Kinder unterstütze oder meine Arbeit mache. Natürlich stehen die Mädchen dann im Vordergrund. Gerade Lena als Gymnasialkind braucht Hilfe. Hier werden neue Themen behandelt und es geht vom Stoff her weiter, als wäre Unterricht." Die Anforderungen empfindet die Mutter als sehr hoch.

Kita-Kind Marie leidet

Der großen Tochter werde sie gerecht, da ist sich Anja sicher. Doch die kleine Marie falle in der aktuellen Situation hinten runter. "Man merkt es", erzählt die 41-Jährige. "Die Kleine leidet darunter, dass sie nicht in die Kita kann, niemanden sieht. Sie ist angespannt und oft unleidlich." Das liege auch daran, dass die Familie so gut es geht alle Kontakte meidet. Mutter Anja nimmt die Pandemie ernst, trotzdem sollen die Kinder nicht zu Hause eingesperrt sein. Täglich geht es deshalb für zwei Stunden an die frische Luft.

Damit das Arbeiten zu Hause überhaupt irgendwie klappt, hat Anja rund 2.000 Euro investiert: Vom Tischler hat sie sich ein Hochbett ins Schlafzimmer bauen lassen, darunter steht nun der große Schreibtisch, an dem alle Platz zum Arbeiten haben. "Die Technik habe ich zum Teil dann aus dem Büro bekommen. Meine Chefs, das muss ich wirklich sagen, sind sehr toll. Die wissen ganz genau, dass ich meine Arbeit vielleicht zu 30 Prozent schaffe. Aber mir werden vor allem starke Nerven gewünscht. Ich habe wirklich Glück."

"Da müssen wir alle durch"

Das sagt sich die Mutter gebetsmühlenartig auf: "Da müssen wir jetzt alle durch!" Auch wenn es hart ist. "Ich setze mich abends immer noch zwei oder drei Stunden hin und arbeite weiter, wenn die Kinder im Bett sind. Das heißt, aber 7 Uhr geht es los, abends irgendwann schalte ich den Computer dann aus. Abschalten ist gerade einfach nicht möglich." Das zehre an Körper und Psyche. Finanzielle Angebote vom Staat anzunehmen, zieht die Angestellte im Moment nicht in Betracht: "Noch ist es nicht so schlimm, dass es gar nicht mehr geht. Außerdem bedeutet zum Beispiel das Kinderkrankengeld, dass ich meinen Arbeitgeber im Stich lasse. Ich falle ja aus. Das ist wirklich nur das letzte Mittel."

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Serie zum Thema Homeoffice ab 25.01.2021 | 5:00 - 10:00 Uhr

3 Kommentare

Willow vor 19 Wochen

Wer keine Kinder hat bzw. neben dem Homeoffice diese noch in der Schule unterstützt, da die Unterstützung der Lehrer eher durchwachsen ist, kann die derzeitige Situation schwer fassen!!!!
Es gibt so viele Eltern, die neben dem Job (nicht alle können Homeoffice machen) noch Lehrer spielen und diese haben auch die erschwerten Bedingungen auf der Arbeit!
Da kommt ganz schnell ein 12-16 h Tag zusammen, ob Homeoffice oder nicht. Wenn das alles so einfach wäre, bräuchte man keine Schulen, sondern nur Lehrbücher und Medien, wo die Kinder sich den Stoff selbst bei bringen.

squirrelde vor 19 Wochen

Sie unterstellen, dass die Leute im Homeoffice das Rad der Wirtschaft nicht am Laufen halten?
Dann sind Sie ziemlich egozentrisch. Jeder versucht sein Bestes, unter den gegebenen Umständen seine Arbeit zu erledigen. Nur haben die Menschen im Homeoffice mit Kindern nicht nur ihren eigentlichen Beruf, sondern sind Lehrer, Kindergärtner, Koch und Reinigungspersonal in einem. Das ist nervlich eine große Herausforderung.

biege vor 19 Wochen

Schon seltsam....ich lese und höre immer nur wie schwer, nervenaufreibend und stressig das Homeoffice ist. Ist sicherlich richtig und sollte auch erwähnt werden.
Es gibt dann aber auch noch die Frauen und Männer, die jeden Morgen aufstehen und zur Arbeit fahren müssen. Die auch das Rad der Wirtschaft am Laufen halten und unter Bedingungen ihren Job machen, die anstrengend, nervenaufreibend und stressig sind.

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