Bildungsgpolitik Um Wissenslücken zu füllen - Sachsens Landesschülerrat für Osterschule

Am Montag beginnt der Präsenzunterricht an weiterführenden Schulen in Sachsen wieder. Viele Eltern sorgen sich um die Zukunft ihrer Kinder, die wochenlang zu Hause lernen sollten. Werden sie Wissenslücken aus mittlerweile zwei Lockdown-Phasen je wieder aufholen können? Manche verlangen, dass das Schuljahr wiederholt wird. Der Landesschülerrat hat ein paar andere Ideen.

Cornelia Herrmann unterrichtet Schüler.
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Um Wissenslücken und Lernstoff nach der Zeit des häuslichen Lernens zu Hause aufzuholen, hat sich der Landesschülerrat für freiwilligen Unterricht in den Ferien ausgesprochen. Konkret schlägt die Vorsitzende Joanna Kesicka "Osterschule in der Woche nach den Osterfeiertagen und Sommerschule in den Sommerferien" vor. Das sei ein gutes Mittel gerade für Abschlussklassen mit Blick auf die Nachprüfungen, aber auch für Schüler, die nach dem Lockdown Lernbedarf hätten. "Wir sind für freiwillige Unterrichtsangebote für alle, die Defizite aufholen wollen", sagte Kesicka MDR SACHSEN.

Sachsens Kultsministerium diskutiere Pläne entsprechend des Pandemieverlaufes und den Auswirkungen auf den Schulbetrieb, vor allem was zusätzliche Angebote zum Nachholen des Lernstoffs betrifft, sagte Referentin Susann Meerheim. Konkreter wurde sie nicht, verwies dabei aber auch auf die Sommerschul-Angebote nach dem ersten Lockdown und mehr Ganztagesangebote (GTA) zur individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Lernlücken.

Das Schuljahr gleich komplett wiederholen?

Man sollte ein Schuljahr wiederholen, da ja den Kindern mittlerweile zwei Halbjahre fehlen und die Lücken so nicht zu schließen sind.

Adrienne Lengfeld Mutter aus Torgau

"Das Schuljahr für alle zu wiederholen, ist die einzig faire Lösung. Die Entscheidung, ob ein Kind freiwillig wiederholen soll, darf nicht auf Eltern, Schüler oder Lehrer abgewälzt werden", meinte Mutter Silke Friemelt aus Elterlein. Sie ärgert sich darüber, dass "die Einsicht fehlt, dass der Unterrichtsstoff, der seit nunmehr einem ganzen Jahr nicht vermittelt wird, stattdessen in Eigenregie zum Selbststudium aufgegeben wird, nicht aufzuholen ist".

Auch der Deutsche Lehrerverband hatte unlängst ein freiwilliges Zusatzschuljahr verlangt, in dem der fehlende Stoff nachgearbeitet werden könnte. Dafür sollten Lehrkräfte aus dem Ruhestand zurückgeholt werden, schlug der Verband vor.

Realität schlägt Idee

Für das sächsische Kultusministerium wäre eine flächendeckende Schuljahreswiederholung "rein organisatorisch nicht umsetzbar. Es braucht dann mehr Lehrer und mehr Klassenräume. All das ist nicht realisierbar", fasste Referentin Meerheim zusammen. Zudem sei das Thema Versetzung sehr individuell. Pauschale Festlegungen ohne pädagogischen Hintergrund und der Beurteilungen durch den Lehrer, helfen keinem Schüler weiter, meinte Susann Meerheim. Stattdessen: "Wir sind es jedem einzelnen Schüler schuldig, nach seinen Fähigkeiten zu beurteilen und so Über- und Unterforderungen zu vermeiden."

Da kommt auf alle Fälle eine große Notsituation auf uns zu. Die Unterschiede in der Leistungsentwicklung werden frappierend sein. Das wird massiv unterschätzt.

Prof. Dr. Henrik Saalbach Lernforscher und Professor für Pädagogische Psychologie an der Universität Leipzig

Nach Rückkehr an Schulen Wissen wiederholen

Im Einzelfall sollen Sachsens Schülerinnen und Schüler das Schuljahr wiederholen, meint die Landesschülerratsvorsitzende Kesicka. Zur Pflicht, das Schuljahr zu wiederholen, sagte sie auch: "klares Nein, das wollen wir nicht". Vielmehr appellierte die Schülervertretung für eine ausreichend lange und intensive Wiederholungszeit nach der Rückkehr an die Schulen. "In den Schulen müsse darauf Rücksicht genommen werden, dass die Schülerschaft unterschiedlich gute Technik nutzen konnte und ganz unterschiedlich mit dem häuslichen Lernen zurecht gekommen ist.

Porträt von Joanna Kesicka aus dem Jahr 2019
Joanna Kesicka vom Landesschülerrat sagt, viele Schülerinnen und Schüler fühlten sich nicht hundertprozentig auf Abschlussprüfungen vorbereitet. Auch Jüngere benötigten Zeit, um Lernstoff zu wiederholen. Bildrechte: LandesSchülerRat Sachsen

Nach der Rückkehr einfach weitermachen, geht nicht. Alles Wissen runterreißen und Noten auffüllen, wäre das Falscheste überhaupt. Wir müssen die Kinder zurückholen. Es muss gelernt, nicht geprüft werden. Noten sind völlig sekundär.

Henrik Saalbach Lernforscher und Lernpsychologe

Wenn alle Schüler zurück in der Schule sind, würden die Lehrer Lernstandserhebungen durchführen, erklärte das Kultusministerium dazu. "Wenn wir uns einen Überblick über die Lernlücken verschafft haben, werden wir über weitere Maßnahmen zum Schuljahr diskutieren und Angebote zum Schließen von Lücken unterbreiten", sagte Referentin Susann Meerheim.

Eine Übersicht über erste Pläne zur Erleichterung für Schülerinnen und Schüler finden Sie hier.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 11.03.2021 | 19:00 Uhr

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