Corona 14.000 Impfwillige: Impfaktionen an sächsischen Schulen angelaufen

Um die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen, werden seit Montag nun auch Schülerinnen und Schüler an Sachsens Schulen geimpft. Obwohl das auf freiwilliger Basis geschieht, ist nicht jeder damit einverstanden. Einzelne Schulleiterinnen, Schuleiter und Lehrkräfte haben bereits Droh-Mails bekommen. Außerdem sind Kundgebungen geplant.

Ein Junge schreibt im Klassenzimmer an die Tafel.
In den sächsischen Schulen wurde zunächst das Impfinteresse abgegefragt. Nun sollen die Impfungen beginnen. Bildrechte: Colourbox.de

Die Impfaktionen für Sachsens Schülerinnen und Schüler ist am Montag gestartet. 14.000 Impfwillge haben sich laut Kultusministerium vorab gemeldet.

Neben Schülerinnen und Schülern sollen sich auch Schulpersonal und Eltern gemeldet haben. Wie viele Jugendliche ab zwölf Jahren unter den Impfwilligen sind, sei unklar. "In jedem Fall freuen wir uns - das sind 14.000 Personen, die sich selbst und andere schützen werden", so ein Sprecher des Kultusministeriums.

Kreisfreie Städte folgen später

In acht von zehn Landkreisen wurde laut Ministerium bereits geimpft. An vielen Orten machten sich junge Freiwillige in ihrer Schulzeit auf den Weg zu den Impfzentren, die derzeit noch geöffnet sind. In drei Landkreisen waren auch mobile Teams des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) unterwegs, um den Freiwilligen vor Ort den Impfstoff zu verabreichen. "Die drei kreisfreien Städte waren heute bei der Aktion noch nicht dabei, werden aber folgen", sagte der Sprecher.

Angebot für Jugendliche ab zwölf Jahren

Das Angebot richtet sich laut Kultusministerium an Mädchen und Jungen ab zwölf Jahren. Sie werden für die Impfung vom Unterricht freigestellt. Die Impfteams sollen den Angaben zufolge vor allem in ländlichen Regionen im Einsatz sein. Schülerinnen und Schüler in Dresden, Leipzig und Chemnitz sollen hingegen die derzeit noch geöffneten Impfzentren nutzen. Ähnlich ist das in Städten, von denen aus sich das nächste Impfzentrum gut per Nahverkehr erreichen lässt.

Drohmails gegen Lehrer und Schulleiter

Melden sich an einer Schule circa 80 Impfwillige, kommt nach Informationen des Ministeriums auch eine Impfung direkt an der jeweiligen Schule in Betracht. Wo es jetzt tatsächlich losgeht, schreibt das Ministerium bisher nicht auf seiner Internetseite. Eine Rolle könnte dabei spielen, dass nach der Ankündigung der freiwilligen Impfangebote an den Schulen einzelne Schulleiter und Lehrer Droh-Mails bekommen haben. Das bestätigte der Sprecher des Landesamtes für Schule und Bildung, Roman Schulz, MDR SACHSEN. Solche Schreiben würden teils sogar an deren Privatadressen geschickt. "Das ist absolut inakzeptabel." In den Schreiben würde mit Strafanzeigen wegen Körperverletzung gedroht, zudem würden Kundgebungen vor Schulen angekündigt. Das sei aus mehreren Regionen gemeldet worden.

Konkret nannte Schulz eine am Montag geplante Aktion in Schkeuditz. Zuvor hatte die "Freie Presse" berichtet. Der Sprecher des Kultusministeriums, Dirk Reelfs, nannte es bedauerlich und erschreckend zugleich, dass Menschen, die sich freiwillig entschieden haben, ein Impfangebot wahrzunehmen, dafür drangsaliert werden.

Mundschutzmaske hängt an einer Schulbank
Maskenpflicht und Impfungen - in vielen Schulen prägt Corona noch immer den Schulalltag. Bildrechte: IMAGO / Michael Weber

Corona-Impfung nur mit Erlaubnis der Eltern?

Unterdessen ist es juristisch umstritten, ob sich Kinder und Jugendliche auch ohne Einverständnis ihrer Eltern gegen Covid-19 impfen lassen dürfen. Ein verfassungsrechtlich orientiertes Lager vertritt die Position, dass das unter sorgfältiger und gewissenhafter ärztlicher Abwägung möglich sei. Begründet wird das mit den unveräußerlichen Persönlichkeitsrechten, die in Artikel 1 und 2 des Grundgesetzes festgeschrieben sind - also die Menschenwürde und das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Allerdings gibt es auch ein zivilrechtliches Lager, das davon ausgeht, dass die Sorgeberechtigten ein Veto-Recht haben. Juristisch sei das alles nicht einfach und sehr umstritten. "Es wird wohl noch etliche Gerichtsentscheidungen zu dem Thema geben, bis dann irgendwann einmal ein OLG (Oberlandesgericht, Anmerk. d. Red.) oder der Bundesgerichtshof urteilt", sagte der Familienrechtler Florian Wittkop.

Sachsens Kultusministerium geht bei dieser Fragestellung auf Nummer sicher und setzt laut SMK-Blog auf folgende Regelung: Bei 12- bis 15-Jährigen ist demnach neben einer Einwilligung durch beide Sorgeberechtigte die Anwesenheit mindestens eines sorgeberechtigten Elternteils bei der Impfung erforderlich. Bei Schülerinnen und Schülern ab 16 Jahren reicht die Einwilligung einer sorgeberechtigten Person, deren Anwesenheit bei der Impfung nicht notwendig ist.

25 Prozent der Jugendlichen vollständig geimpft

Derzeit ist in Deutschland etwa ein Viertel der 12 bis 17 Jahre alten Jugendlichen vollständig geimpft. Mindestens eine Impfung haben 35,9 Prozent in dieser Altersgruppe bekommen. Das geht aus Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums vom Freitag (Stand: 10:03 Uhr) hervor.

Quelle: MDR/sth

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 12. September 2021 | 19:00 Uhr

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