Impfstrategie Hausarztpraxen in Sachsen bleiben bei Covid-19-Impfung außen vor

Seit einer Woche wird bundesweit gegen Covid-19 geimpft. Während in Bayern schon 66.258 Menschen geimpft wurden, liegt die Zahl im gleichen Zeitraum in Sachsen bei 4.866. Dabei wurden mehr als 68.000 Impfdosen nach Sachsen geliefert. Auf 1.000 Einwohner gerechnet liegt Sachsen laut Robert-Koch-Institut damit nur vor Thüringen und Niedersachsen auf dem drittletzten Platz. Das Angebot der Hausärzte, in den Praxen beim Impfen zu unterstützen, schlägt das Sozialministerium bisher aus.

Eine Seniorin wird gegen Corona geimpft
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Warum geht der Impfstart in Sachsen scheinbar nur schleppend voran? Die Gründe dafür sind vielfältig. Wie das Sozialministerium auf Anfrage von MDR SACHSEN mitteilte, sind derzeit knapp 43 Prozent der vollstationären Pflege- und Altenheime (278 von 654) von Infektionen betroffen. "Somit kann dort nicht oder nur teilweise geimpft werden, abhängig davon, ob und welche Bereiche der Einrichtung unter Quarantäne stehen", so das Ministerium. Das sei bei der Routenplanung der 13 mobilen Impfteams eine Herausforderung. Zudem müssten auch die Heime vorbereitet sein, nicht immer lägen die Einverständniserklärungen der Bewohner vor.

Hausärzte wollen in ihren Praxen impfen

Der Sächsische Hausärzteverband fordert nun eine größere Einbindung der Hausärzte. "Wir Hausärztinnen und Hausärzte könnten Impfungen auch in den eigenen Praxen vornehmen", sagte der stellvertretende Vorsitzende Klaus Lorenzen.

Wir sind so ein bisschen wie das fünfte Rad am Wagen, wir dürfen zuhören, wir dürfen Vorschläge machen, aber bisher läuft das Ganze an den Hausarztpraxen vorbei.

Klaus Lorenzen Stellvertretender Vorsitzender Sächsischer Hausärzteverband

Das Sozialministerium begründet das aktuelle Vorgehen mit der "Knappheit des Impfstoffs (was mit einer hohen Priorisierung verbunden ist), den extrem anspruchsvollen Lagerungsbedingungen sowie der Tatsache, dass der Impfstoff nur in Mehrdosenbehältnissen zur Verfügung steht". Bund und Länder hätten deswegen gemeinsam gegen eine unmittelbare Einbeziehung von Hausärzten in die Verimpfung des BioNTech-Impfstoffs entschieden.

Für Lorenzen stellen diese Dinge keine große Schwierigkeit dar. "Wenn ich von Montag bis Freitag Patienten in meine Praxis einbestelle, die über 80 Jahre alt sind, dann könnten am Montagmorgen vom Roten Kreuz fünf Impfstofffläschchen gebracht werden", erklärt er ein mögliches Vorgehen. "Die könnte ich ganz bequem in der einen Woche verimpfen. Ich würde also für jeden Tag fünf Patienten oder Patientinnen  bestellen, die wir dann impfen." Da sich der Impfstoff nach dem Auftauen fünf Tage halte, seien auch die Lagerungsbedingungen kein Problem.

Impfungen in Hausarztpraxen derzeit nicht geplant

Das Ministerium will den Arztpraxen, die "ohnehin bereits ein sehr hohes Arbeitsvolumen zu bewältigen haben", nicht auch noch die "Durchführung der mit hohen organisatorischen Anforderungen verbundenen Corona-Schutzimpfung" zumuten. "Dass die Impfungen selbst kurzfristig auch in Hausarztpraxen vorgenommen werden, ist jedoch nicht zu erwarten", so das Ministerium. Hausärzte seien aber mittelbar in die Impfstrategie einbezogen und könnten auch in Impfzentren oder Pflegeheimen beim Impfen zum Einsatz kommen. Die Einbeziehung der Hausarztpraxen sei auch bei der geplanten Zulassung des Moderna-Impfstoffes, der nicht so hohe Kühlanforderungen aufweist, derzeit nicht geplant, stellt das Ministerium klar.

Da der Moderna-Impfstoff zunächst nur in Behältnissen mit zehn Dosen zur Verfügung stehen wird, wäre das Risiko, knappe Impfstoffmengen gegebenenfalls vernichten zu müssen, bei einer Einbeziehung der Hausarztpraxen viel zu hoch.

Sozialministerium Sachsen

Bei seinem Beispiel sieht Lorenzen keine Schwierigkeiten für die Hausarztpraxen, die zusätzlichen 25 Patienten in der Woche zu bearbeiten. "Meine Milchmädchenrechnung ist, wenn 1.000 Hausarztpraxen in Sachsen in einer Woche 25 Patienten impfen könnten, dann wären wir in einer Woche bei 25.000 Impfdosen, die wir verimpft haben", sagt er. "Das kann man auch nicht jede Woche machen. Das kann man ja vielleicht gerade Woche, ungerade Woche auf die Hausarztpraxen aufteilen. Wir sind ja in Sachsen 2.700 Hausärztinnen und Hausärzte." Ihm gehe es vor allem darum, dass die Hausärzte stärker einbezogen werden. "Wir haben zu unseren Patientinnen und Patienten ein besonderes Vertrauensverhältnis und wollen sie schützen", so Lorenzen.

Karte des Freistaates Sachsen, auf der die Standorte der 13 Corona-Impfzentren markiert sind.
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Wo sind Sachsens Impfzentren? Seit dem 15. Dezember muss es in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt jeweils ein Impfzentrum sowie jeweils ein mobiles Impfteam geben. Das hat der Bund so vorgegeben. In Sachsen sind das also 13 Impfzentren und ebenso viele mobile Teams.

Stadt Dresden: Messe Dresden
Stadt Leipzig: Messe Leipzig
Stadt Chemnitz: Netto Chemnitz, Wilhelm-Raabe-Str. 6
Landkreis Bautzen: Sporthalle am Flughafen
Erzgebirgskreis: Festhalle Annaberg-Buchholz
Landkreis Görlitz: Messehalle Löbau
Landkreis Leipzig: ehemaliger Aldi Markt Borna
Landkreis Meißen: Sachsen-Arena Riesa
Landkreis Mittelsachsen: Mittweida über Simmel (ehemals EKZ)
Landkreis Nordsachsen: Stadthalle Belgern
Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge: Aldi Pirna-Jessen
Vogtlandkreis: Spektrum Treuen/Eich (ehemaliger Baumarkt)
Landkreis Zwickau: Stadthalle Zwickau

Dazu soll es zukünftig auch regionale Außenstellen der Impfzentren geben. Für diese gibt es laut Sozialministerium aber noch keine konkreten Pläne. Zunächst müssten die regulären Impfzentren ihren Betrieb aufnehmen. Jeder kann das Impfzentrum in Anspruch nehmen, welches für ihn besser erreichbar ist, unabhängig von der Kreiszugehörigkeit.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.01.2021 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz

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