Impfkampagne Kabinett gibt 32 Millionen Euro extra für Impfaktionen in Sachsens Kommunen

Die Impfquote der doppelt geimpften Sachsen liegt bei 57,7 Prozent. Das Land erhöht die Kapazitäten bei den Impfteams, weil der Andrang der Boosterwilligen steigt. Den Hauptteil der Impfungen sollen jedoch Betriebsärzte, Kliniken und niedergelassene Ärzte übernehmen. Aber genau daran hapert es in Sachsen, weshalb Sozialministrin Petra Köpping nun einen dringenden Appell an alle 4.800 Praxen im Land richtete. Auch bei der Polizei sieht der Innenminister Luft nach oben bei der Impfquote.

In der Praxis einer Hausärztin erhält ein Patient eine Impfung mit dem Vakzin von Astrazenca durch die Arzthelferin.
In etwas mehr als einem Drittel aller Praxen in Sachsen können sich Patienten impfen lassen. Sozialministerin Köpping dankte allen impfenden Ärzten für Ihre Arbeit, die derzeit "die Hauptlast" trügen, weil so viele andere Ärzte sich nicht beteiligten. Bildrechte: dpa

Sachsens Kabinett hat beschlossen, jedem Landkreis zwei Millionen Euro und den drei sächsischen Großstädten je vier Millionen Euro zusätzlich für Impfaktionen in den Kommunen zu geben. In vielen Gemeinden würden Ruheständler und pensionierte Ärztinnen und Ärzte für zusätzliche Impfungaktionen angesprochen, die die Kommunen organisieren wollen, sagte Sozialministerin Petra Köpping (SPD). Vorige Woche wurden in 1.800 Arztpraxen insgesamt 63.740 Corona-Impfungen verabreicht. Am Feiertag sei nicht geimpft worden. Aber auch ohne den Buß- und Bettag hätte Sachsen seine wöchentliches Impfziel von 100.000 Corona-Impfungen in Arztpraxen nicht geschafft.

Wir erreichen die Zielzahlen nicht.

Petra Köpping sächsische Sozialministerin (SPD)

Ein Drittel der Praxen trägt "Hauptlast"

Daher richtete die Sozialministerin eine dringenden Appell an alle niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Sachsen, sich der Impfkampagne anzuschließen. Von bis zu 4.800 möglichen Praxen beteiligen sich nach Köppings Angaben 1.800 Praxen mit mehr als 1.800 Ärzten. "Die impfenden Ärztinnen und Ärzte tragen zurzeit die Hauptlast, auch, weil andere nicht mitmachen. Ich bitte Sie, mitzuimpfen", sagte Petra Köpping. Ihr sei bewusst, dass dadurch Mehraufwand und bürokratische Aufgaben zu bewältigen seien. Zugleich verwies sie auf Zusatzvergütungen, die der Bund für medizinisches Personal bezahlt, das an Wochenenden und Feiertagen impft. (Die Übersicht dazu finden Sie hier.)

Lange Schlange am Bärensteiner Impflokal
Andrang vor Arztpraxen, Impfstellen und bei Sonderimpfaktionen wie hier in Bärenstein sind in diesen Novembertagen Alltag in Sachsen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die 30 mobilen Impfteams des Landes, die zusätzlich zu Hausärzten, Betriebsärzten und Krankenhäusern impfen, verabreichen derzeit 6.000 Dosen täglich. Petra Köpping kündigte an, dass deren Kapazität auf 9.000 Impfungen täglich erhöht werden solle.

Was gibt es noch Neues zum Impfen in Sachsen?

  • In Dresden soll das Impfzentrum auf dem Messegelände wieder öffnen. Die Mietverträge sind in Arbeit, sagte Petra Köpping. Der Geschäftsführer der Messegesellschaft, Ulrich Finger, bestätigte MDR SACHSEN, dass das Impfzentrum nächste Woche öffnen und diesmal flexibel arbeiten soll, so dass die Kapazitäten kurzfristig erweitert oder verringert werden könnten.
  • Leipzig plant vier Impfpunkte in der Innenstadt.
  • Die Laufzeitverträge für die 30 mobilen Impfteams sind bis Ende März 2022 verlängert worden.
  • In den nächsten Tagen soll die Terminvergabe bei Sonderimpfaktionen in Sachsen wieder nutzbar sein.
  • In Sachsen wurden bislang 221.569 Boosterimpfungen vergeben.
  • 11,7 Prozent der über 60 Jahre alten Menschen haben eine Auffrischungsimpfung.

Corona-Lage bei Sachsens Polizei

Von den rund 14.000 Polizistinnen, Polizisten und Tarifbeschäftigten bei der Polizei Sachsen sind mit Stand heute 912 in Quarantäne. 519 dieser insgesamt 912 Betroffenen haben sich nachweislich mit dem Coronvirus infiziert, sagte Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) nach der Kabinettssitzung in Dresden. Die meisten Erkrankungen und Quarantänefälle gibt es demnach bei der Polizeidirektion Dresden und in den Polizeifachschulen der Bereitschaftspolizei.

Wöller
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Einsatzfähigkeit der sächsischen Polizei ist gewährleistet.

Roland Wöller sächsischer Innenminister (CDU)

Mit dem Statement zur Einsatzfähigkeit reagierte Wöller auf eine Pressemitteilung der Deutschen Polizeigewerkschaft, in der nach Ansicht von Wöller mit "offenbar falsch addierten Zahlen" argumentiert worden sei. Die Polizeigewerkschaft hatte eine Wocheninzidenz von mehr als 4.000 angeführt und kritisierte im Schreiben auch, dass die Impfkampagne bei der Polizei zu spät und zu unorganisiert wieder aufgenommen worden sei.

(...) die Amtsärzte der Sächsischen Polizei kollabieren angesichts der hohen Zahl von erkrankten Beschäftigten. Sie hatten sich im Sommer 2021 für die Beschaffung von Impfstoff und der Fortführung der Impfmaßnahme stark gemacht.

Cathleen Martin Landevorsitzende der Deutschen Gewerkschaft der Polizei

Boosterimpfungen und Extra-Tests

Ab 1. Dezember beginnen für die Polizistinnen und Polizisten intern Boosterimpfungen. Bei einer Abfrage hätten 4.500 Bedienstete daran Interesse angemeldet, sagte Innenminister Wöller. Und: "Die Impfquote der sächsischen Polizei ist ausbaufähig. Da verrate ich kein Geheimnis." Ab dieser Woche müssen sich neben den ungeimpften Mitarbeitenden, die sich täglich testen müssen, auch alle geimpften Polizisten drei Mal in der Woche vor Dienstbeginn testen.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 23. November 2021 | 19:00 Uhr

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