Corona-Schutz Pieks ohne Termin und Impfaktionen: Sachsens Strategie ab Juli

Weil Sachsen seit dieser Woche genügend Impfstoffe geliefert bekommt, wird nun das Impfen ohne Termin freigegeben. Ab Freitagnachmittag kann man auch ohne Termin ins Impfzentrum gehen. Warum das DRK dennoch dafür wirbt, sich vorab einen Termin zu holen und Impfaktionen im Fußballstadion oder Supermarkt realistisch sind, zeigt MDR SACHSEN in der Impf-Übersicht für den Monat Juli.

Impfwillige stehen am Eingang zu einem Impfzentrum
Ab Freitag können Impfwillige auch ohne Termin in Sachsens Impfzentren gehen. Immer ab 14 Uhr öffnen die für spontane Besucher. Nur das Impfzentrum Grimma ist davon ausgenommen. Es schließt zum 31. Juli 2021. Bildrechte: dpa

Freies Impfen ohne Terminvergabe – wann und wie?

Ab diesem Freitagnachmittag können sich Impfwillige in allen Impfzentren Sachsen ohne Termin mit dem Impfstoff Astrazeneca impfen lassen. Das sei immer ab 14 Uhr möglich, kündigte Sozialministerin Petra Köpping (SPD) an. Ausgenommen davon ist das Impfzentrum Grimma im Landkreis Leipzig, weil das zum 31. Juli schließt und keine freie Termine mehr hat. So läuft das Impfen ohne Terminvergabe:

  • Immer ab 14 Uhr freies Impfen in den Impfzentren. Bis Mitte nächster Woche gibt es vorerst nur den Impfstoff Astrazeneca.
  • Ab Mitte nächster Woche sollen dann auch täglich in den Impfzentren ab 14 Uhr die Impfstoffe Biontech und Moderna verimpft werden.
  • Dabei ist es egal, ob es sich um eine Erst- oder Zweitimpfung handelt, auch Kreuzimpfungen sind möglich.
  • Menschen, die ihren Zweittermin aus diversen Gründen verstreichen ließen, sollen diese Möglichkeit nutzen, ihren vollen Impfschutz nun herzustellen, sagte Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping.
  • Für Impfwillige ohne Termin soll es einen Extra-Check-In geben, weil sie im Zentrum Anamnese-Bogen und Papiere ausfüllen müssen.
  • Wer ohne Termin ins Zentrum kommt, muss laut DRK eventuell mit Wartezeiten rechnen. Daher rät DRK-Vorstand Rüdiger Unger dazu, sich weiterhin übers Impf-Portal oder die Telefonhotline (0800-0 899 089) einen Termin zu besorgen.
  • Demnächst sollen Senioren und eingeschränkte Menschen mit Fahrdiensten in Impfzentren gefahren werden, kündigte Köpping an. ohne genauere etails zu nennen.

Impfaktionen im Land

Weil für diese Woche doppelt so viel Impfstoff nach Sachsen geliefert wurde als erwartet, planen Land und DRK Impfaktionen in Stadtteilen und einzelnen Quartieren in Städten. Dort sollen die 30 mobilen Impfteams zum Einsatz kommen. Mit Veranstaltern berate man derzeit große Einzelaktionen, um Impfwillige und Unentschlossene zu erreichen, sagte DRK-Vorstand Rüdiger Unger. Demnach hat der Fußballverein FC Erzgebirge Aue zugesagt, eine Impfaktion in seinem Stadion durchzuführen. Einige Spieler des Vereins wollten den Tag unterstützen. Wann genau die Aktion startet, werde noch beraten.

Sozialministerin Köpping sagte, sie könne sich solche Aktionen auch in anderen Stadien in Dresden und Leipzig gut vorstellen, im Handball, bei anderen Sport-Events oder in Supermärkten wie Aldi.

Es ist ja immer viel gepriesen worden in Deutschland, dass man in anderen Ländern so schnell Impfstationen eingerichtet hat. Dem wollen wir folgen. Wenn da jemand eine super Idee hat, die prüfen wir gerne. Wir wollen, dass geimpft wird.

Petra Köpping sächsische Sozialministerin (SPD)

Menschen warten in einem Supermarkt auf ihre Impfung mit dem Impfstoff Astrazeneca
Mobile Impfteams in Supermärkten? Warum nicht, sagt Sachsens Gesundheitsministerin Köpping und wirbt dafür, Ideen einzubringen, wie man Menschen leicht für Impfaktionen erreichen kann. Bildrechte: dpa

Wie weiter mit den Impfzentren?

Das Impfzentrum in Grimma schließt zum 31. Juli, kündigte das DRK an. Alle weiteren Impfzentren im Land sollen bis 30. September geöffnet bleiben. Nach Angaben von Sozialministerin Köpping diskutierten die Länder derzeit mit dem Bund, ob und wie in Krankenhäusern geimpft werden könne.

"Zudem ist noch unklar, wann und für wen eine dritte Impfung nötig wird. Wir arbeiten an einem Konzept", sagte Köpping zu Plänen für den Herbst. Noch sei unklar, ob dann sogenannte Impfstationen offen gehalten würden oder nicht.

Petra Köpping
Sachsens Sozialministerin Petra Köpping hat am gestrigen Montag im Impfzentrum Leipzig ihre Zweitimpfung mit Astrazeneca  erhalten. "Es geht mir gut. Der Arm tut ein bisschen weh, aber es ist aushaltbar", sagte die Politikerin und warb dafür, die Impfangebote im Land anzunehmen. Bildrechte: dpa

Impfmüde Sachsen?

Im Vergleich mit anderen Bundesländern ist Sachsen Schlusslicht bei der Impfquote. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) lag sie am 29. Juni bei 47,8 Prozent der Erstimpfungen. In Schleswig-Holstein und Bremen sind bereits zehn Prozent mehr Menschen erstgeimpft: Im Norden liegen die Impfquoten bei mehr als 57 Prozent.

So begründen das Sozialministerium und das DRK Sachsens Abschneiden in der Impfstatistik:

  • Abweichungen bei den Meldungen zu Impfungen: Ärzte und Krankenhäuser haben Meldeblätter zu Impfungen nicht vollständig ans RKI gemeldet, das werde nachgeliefert, sagte Köpping.
  • Weniger Impfstofflieferungen nach Sachsen als in andere Bundesländer.
  • Von rund 4.000 niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten in Sachsen impfen derzeit nur 2.300 mit. "Da ist Luft nach oben. Es könnten im Sommer noch mehr Praxen mitimpfen, das ist nicht mehr so aufwändig, wie zu Jahresanfang", warb Gesundheitsministerin Köpping um Teilnahme.
  • Regional unterschiedlich stark ausgeprägte Impfwilligkeit, stärkster Andrang in Leipzig und im Vogtland. "Die niedrigen Inzidenzen im Sommer sind ein Problem. Viele sind nun sorglos und lehnen Zweitimpfungen ab", kritisierte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung, Klaus Heckemann. Er ist pessimistisch, dass Sachsen im Herbst die Herdenimmunität von 75 bis 80 Prozent geimpfter Menschen schaffen kann.
  • Laut DRK haben zuletzt sechs Prozent der Sachsen, die einen Zweitimpfungstermin hatten, diesen ohne Absage verstreichen lassen.

Der Ansturm ist abgeflacht. Die Leute warten ab. Wenn es so bleibt, wird uns die vierte Welle in Sachsen erwischen. Das kann gar nicht anders sein.

Dr. Patricia Klein Ärztliche Geschäftsführerin der Landesärztekammer

Gibt es Anreize fürs Impfen?

Geldprämien oder Geschenke, damit Menschen zum Impfen kommen, schloss Ministerin Köpping zum aktuellen Zeitpunkt aus. "Jetzt mal ganz ehrlich: Wir haben eine intelligente Bevölkerung. Am Anfang gibt es immer die ganz Schnellen. Dann gibt es eine bestimmte Gruppe eher träger Massen. Die müssen wir überzeugen. Zum Schluss gibt es eine kleine Gruppe, die möchte sich nicht impfen lassen, sagte Patricia Klein von der Landesärztekammer. Auch das müsse ein Staat letztlich akzeptieren.

Für Klein seien einfache, praktische Impfangebote der Weg zu einer hohen Impfquote. Geldprämien oder einen Impfzwang lehnte sie ab. Dem schloss sich Klaus Heckemann von der Kassenärztlichen Vereinigung an.

Dr. Thomas Dietz 17 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 29. Juni 2021 | 19:00 Uhr

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