Corona Sächsische Impfkommission: "Geimpfte verlieren schneller ihre Viren"

Wer eine Corona-Schutzimfpung hat, fühlt sich gegen das Virus geschützt. Dennoch gibt es Fälle, in denen sich auch Geimpfte mit dem Corona-Virus infizieren. Im Interview erklärt der Vorsitzende der Sächsischen Impfkommission, Thomas Grünewald, wie gefährlich das ist, welchen Bevölkerungsgruppen er eine sogenannte Booster-Impfung empfiehlt und warum er in diesem Jahr mit deutlich mehr Grippe-Erkrankungen rechnet.

Dr. Thomas Grünewald, Chef der Sächsischen Impfkommission.
Dr. Thomas Grünewald, Chef der Sächsischen Impfkommission. Bildrechte: MDR/Hauptsache Gesund

Herr Dr. Grünewald, wenn sich Geimpfte auch anstecken können, müssen sie dann nicht auch getestet werden, wenn es erforderlich ist ?

Wir müssen mehrere Dinge unterscheiden. Es ist richtig, dass auch Geimpfte das Virus bekommen können, erkranken können und dass sie ansteckend sein können. Aber was wir auch wissen ist, dass die Werte, die wir als Viruslast bezeichnen, tatsächlich nicht gleichbedeutend sind mit einer Ansteckungsfähigkeit des Virus. Wir weisen da genetische Fragmente nach und wir wissen, dass bestimmte Viren auch blockiert werden durch die neutralisierenden Antikörper, die Geimpfte schon haben. Das heißt, der Grad der Ansteckbarkeit durch die Geimpften der ist noch nicht klar. Was wir aus Singapur aus einer weiteren Studie wissen, ist, dass die Geimpften viel schneller ihre Viren verlieren.

Wie kann ich jetzt sicher sein, dass meine Impfung angeschlagen hat? Kann das in einem Test nachgewiesen werden?

Das ist eine sehr gute Frage. Wir wissen, dass die Antikörper nicht hundertprozentig verlässlich sind als Aussage, dass die Impfung wirklich sicher wirkt. Das muss man ganz klar sagen. Man müsste dafür die Immunzellen messen, die spezifisch auf dieses Virus gerichtet sind. Das ist nicht so einfach. Wir gehen davon aus, wenn jemand vollständig geimpft ist und Antikörper hat, die Höhe ist egal, dass er dann auch mit seinen Immunzellen ein immunologisches Gedächtnis aufgebaut hat. Und dass er damit den Schutz hat, der zwar nie hundertprozentig ist, aber doch ein sehr, sehr hoher Schutz.   

Wer braucht diese dritte Impfung, auch Booster-Impfung genannt?

Wir gucken uns ja jede Woche ganz genau die Zahlen an: Wer hat Impfdurchbrüche? Wer hat Probleme? Und das sind vor allem Menschen über 70. Das sind diejenigen, die wirklich ein Problem haben, weil sie durch die Alterung des Immunsystems nicht so fit sind und nicht so eine gute Impfantwort haben. Zudem sind es Menschen mit Risikofaktoren, mit chronischen Krankheiten und auch mit Tumorerkrankungen. Das sind diejenigen, die wirklich von einer Booster-Impfung profitieren.

Es scheint ja eine große Skepsis in der sächsischen Bevölkerung gegenüber den bisher eingesetzten mRna- und Vektorimpfstoffen zu geben. Sind noch andere in Sicht?

Man muss nochmal sagen, das ist mir auch ganz wichtig das zu betonen, mit der Impfung reduziert man das Risiko zu sterben um den Faktor 1.500 bis 2.000. Das ist also extrem viel und extrem wirksam. Das ist die eine Sache. Die zweite Sache ist, wir haben knapp 200 Impfstoffe, die noch in der Entwicklung sind, vor der Zulassung stehen, die sogenannten eiweißbasierten Impfstoffe, die das Spikeprotein als Eiweiß dort haben und an einen Wirkverstärker gekoppelt werden. Diese Imfpstoffe werden sicherlich Ende des Jahres, Anfang nächsten Jahres zugelassen.

Thema Grippeschutzimpfung: Ist das ein Thema in der Corona-Zeit?

Auf jeden Fall. Wenn Sie sich umgucken, werden sie erleben, dass viele Menschen gerade an Atemwegsinfektionen leiden. Und wir haben ein sehr frühzeitiges Auftreten des sogenannten RS-Virus, eines Atemwegserregers. Im letzten Jahr ist der gar nicht in Erscheinung getreten. Das sehen wir bei der Influenza wahrscheinlich auch dieses Jahr. Wir haben letztes Jahr sehr, sehr wenig Influenzafälle gehabt. Das heißt aber nicht, dass dieses Jahr keine Influenza kommen wird. Wir haben deutlich gelockerte Maßnahmen. Das Risiko und die Chance, dass sich die Influenza stärker verbreitet, ist relativ groß. Und jede jährliche Impfung gegen Influenza schützt auch gegen neue Varianten bei der Influenza. Wir wissen ja auch dort, dass neue Varianten auftreten können.

Quelle: MDR/sth/ar

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 30. September 2021 | 19:00 Uhr

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