Impfpflicht Fast jeder zwölfte Beschäftigte ohne Impfnachweis im sächsischen Gesundheitswesen

Beschäftigte in Krankenhäusern, Pflegeheimen und ähnlichen Einrichtungen benötigen seit dem 16. März einen Impf- oder Genesenennachweis. Wer keinen dieser Nachweise hat, muss von seinem Arbeitgeber an das Gesundheitsamt gemeldet werden. Wie eine Umfrage von MDR SACHSEN ergab, betrifft das aktuell mehr als 23.500 Beschäftigte im sächsischen Gesundheitswesen. Insgesamt sind rund 277.000 Personen in Sachsen im Gesundheitsbereich beschäftigt.

Zwei Pflegerinnen gehen im Bundeswehrkrankenhauses an dem Schriftzug «Intensiv» vorbei.
Bislang wurden rund 23.500 ungeimpfte Beschäftigte im Gesundheitswesen an die Gesundheitsämter in Sachsen gemeldet. Doch nicht alle Landkreise melden bereits Zahlen. Bildrechte: dpa

Die Gesundheitsämter in Sachsen haben auf Anfrage von MDR SACHSEN eine erste Zwischenbilanz zur einrichtungsbezogenen Impfpflicht gezogen. Bislang wurden 23.497 von insgesamt 277.000 Beschäftigte an die Ämter gemeldet, die bei ihren Arbeitgebern keinen Nachweis über eine Corona-Impfung oder eine Genesung vorgelegt haben. Diese Zahl enthält allerdings nur Meldungen aus neun der insgesamt 13 Landkreise und kreisfreien Städte. Insgesamt arbeiten

Softwareprobleme erschweren Erfassung

Nicht enthalten sind die Meldungen aus den Landkreisen Mittelsachsen, Vogtlandkreis, Erzgebirgskreis und Görlitz. Der Landkreis Görlitz erfasse derzeit noch die Daten und melde diese in den nächsten Wochen an den Freistaat Sachsen, teilt der Landkreis auf Anfrage von MDR SACHSEN mit. Auch der Vogtlandkreis ist noch mit der Auswertung beschäftigt. In Mittelsachsen und im Erzgebirgskreis gibt es dagegen technische Probleme mit der Erfassungssoftware. Deshalb sei es derzeit nicht möglich, eine Angabe zu der Anzahl der Meldungen zu machen.

Meldungen einrichtungsbezogene Impfpflicht in Sachsen
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Dem sächsischen Sozialministerium sind auf Nachfrage keine aktuellen Probleme mit der Software bekannt. "Mithilfe von Updates im Meldeportal und der Software im Gesundheitsamt konnten die zum Start aufgetretenen Systemfehler, die sich bei den Testläufen vor dem Start nicht gezeigt hatten, behoben werden", so das Ministerium. Ob die Updates jedoch von allen Gesundheitsämtern eingespielt wurden, sei nicht bekannt. Von den Gesundheitsämtern seien keine gravierenden Mängel an das Ministerium signalisiert worden. "Die Softwarefirma ist jederzeit bereit, Landkreisen zu helfen, die noch Unterstützungsbedarf haben", teilt das Sozialministerium mit.

Landkreise bekommen viele Rückmeldung von Betroffenen

Die ersten Landkreise haben bereits damit begonnen, die entsprechenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anzuschreiben und sogar schon einen regen Rücklauf erhalten. "Bislang ist eine hohe Anzahl an Rückmeldungen - überwiegend mit Vorlage der entsprechenden Nachweise - zu verzeichnen", sagt die Stadt Chemnitz. Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und der Vogtlandkreis wollen noch in dieser Woche anfangen, die Briefe zu verschicken.

Der Landkreis Bautzen hat nach eigenen Angaben bislang von rund 3.600 gemeldeten Personen 1.100 angeschrieben. "Die Rückmeldungen gehen sehr zahlreich ein und sind im Inhalt sehr unterschiedlich", so der Landkreis. Darunter wären zum Beispiel Menschen, die in letzter Zeit an Omikron erkrankt waren und daher nun einen Genesenennachweis vorlegen konnten. "Aber es haben sich Beschäftigte gemeldet, die ihren Nachweis dem Arbeitgeber nicht vorlegen wollten, dies aber auf unser Schreiben hin getan haben."

Ein Fazit wolle der Landkreis aber noch nicht ziehen, da die Rückmeldefrist noch nicht abgelaufen sei. "Wir merken aber, dass die bessere Formulierung unserer Schreiben für eine höhere Antwortquote gesorgt hat", so der Landkreis Bautzen.

Wie sich die Meldung des ungeimpften Personals genau auf das Gesundheitswesen auswirken wird, ist noch unklar. Die Entscheidung über das Tätigkeits- oder Betretungssverbot liegt im Ermessen des Gesundheitsamtes. Um die Entscheidung zu treffen, werden sowohl die Person ohne Impfnachweis als auch das Unternehmen oder die Einrichtung angehört.

Diskussionen unter Beschäftigten in Sachsens Kliniken

Die Krankenhausgesellschaft Sachsen will die Entscheidungen der Gesundheitsämter zum Betätigungsverbot abwarten. "Unter den Beschäftigten gibt es Diskussionen, da einigen schon erhebliche Bußgelder angedroht wurden", berichtet die Gesellschaft auf Anfrage von MDR SACHSEN. "Dies führt dort zu Unruhe und Verunsicherung."

Durchschnittliche Impfquote in Sachsens Kliniken bei 75 bis 80 Prozent

Wie viele Krankenhausmitarbeitende genau betroffen wären, ließe sich nur schätzen und sei auch regional sehr unterschiedlich. "Wir gehen in sächsischen Krankenhäusern von einer durchschnittlichen Impfquote von 75 bis 80 Prozent aus", so die Krankenhausgesellschaft Sachsen. Die beiden Universitätskliniken Dresden und Leipzig würden sehr hohe Impfquoten um die 90 Prozent melden. Dabei sei die Impfquote unter den Ärzten höher als unter dem Pflegepersonal. Hebammen würden sich oft gegen die Impfung aussprechen. In einer ländlichen Klinik in Nordsachsen seien zum Beispiel nur 25 Prozent der Hebammen geimpft.

Wer jetzt nicht geimpft ist, wird sich wohl nicht mehr impfen lassen.

Krankenhausgesellschaft Sachsen

Es habe in vielen Kliniken Gespräche und Informationsangebote zu den Corona-Impfungen gegeben. "Wer jetzt nicht geimpft ist, wird sich wohl nicht mehr impfen lassen", ist die Krankenhausgesellschaft überzeugt. "Sollte es zu Betätigungsverboten kommen, ist mit Leistungseinschränkungen der Krankenhäuser zu rechnen, da in bestimmten Bereichen Personalvorgaben (z. B. Pflegepersonaluntergrenzen) einzuhalten sind."

Versorgungsengpass in der Pflege befürchtet

Der Malteser Hilfsdienst berichtet von rund 30 Prozent ungeimpften Beschäftigten in den Diözesen Dresden-Meißen und Görlitz im Januar. Inzwischen seien einige erkrankt gewesen oder haben sich noch impfen lassen. "Definitiv droht ein großer Versorgungsengpass, wenn Mitarbeitende freigestellt werden", so eine Sprecherin. Im Vogtland hatte ein privater Pflegeheimträger bereits Ende März seine ungeimpften Mitarbeiter freigestellt, ohne auf die Entscheidung des Gesundheitsamtes zu warten.

MDR (al)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 28. April 2022 | 06:00 Uhr

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