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Die berufsbezogene Impfpflicht gilt ab Mitte März. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Interview"Wer macht dann meine Arbeit?" - Wenn die Corona-Impfpflicht für Pflegekräfte kommt

von MDR SACHSEN

Stand: 15. Januar 2022, 10:00 Uhr

Ab dem 15. März gilt für Beschäftigte in der Pflege und im Gesundheitswesen eine Impfpflicht gegen Corona. In Sachsen melden sich deshalb viele ungeimpfte Pflegerinnen und Pfleger arbeitssuchend. MDR SACHSEN hat mit Gabriela Pelz gesprochen, die für einen größeren Pflegedienst in Naunhof arbeitet. Sie hat uns ihre Sicht der Dinge erzählt.

Frage: Frau Pelz, Sie arbeiten in der Pflege und lehnen die Corona-Impfung ab. Warum?

Gabriela Pelz: Ich bin nicht prinzipiell Impfgegnerin. Allerdings ist mir das zu schnell gegangen. Diese Forschungen durchlaufen ja gewisse Stadien. Eine Impfung muss für mich eine Langzeitwirkung haben. Und wenn ich davon ausgehe, dass meine Impfung oder diese Impfung aller halbe Jahre erfolgen soll, da habe ich kein gutes Gefühl.

Gegen die Impfpflicht bin ich, weil diese immer auch eine Gegenwehr erzeugt. Jeder sollte doch selbst entscheiden dürfen, ob er sich impfen lassen möchte oder nicht. Ich möchte selbst über meinen Körper entscheiden dürfen.

Würden Sie sich mit dem Novavax-Impfstoff immunisieren lassen, der bald verfügbar sein soll oder mit einem Totimpfstoff?

Gegen einen Totimpfstoff wäre ich nicht abgeneigt. Da würde ich aber trotzdem noch abwarten wollen, was die die Ergebnisse der Studien zeigen.

Sie haben gesagt, Sie haben Bedenken gegen den zugelassenen Impfstoff, weil er immer wieder erneuert werden muss. Haben Sie grundsätzlich Probleme mit der Wissenschaft?

Prinzipiell habe ich kein Problem mit der Wissenschaft, ganz im Gegenteil. Ich habe einmal bei medizinischen Studien mitgearbeitet. Und ich weiß eben, wie der Werdegang von solchen Impfstoffen ist. Dass sie gewisse Stadien durchlaufen müssen und auch Langzeitstudien notwendig sind. Das haben wir in diesem Fall aber nicht. Deshalb habe ich kein Vertrauen in den Impfstoff.

Sie arbeiten in einem sensiblen Bereich mit älteren, geschwächten Menschen. Wenn Sie nicht geimpft sind, ist die Gefahr doch größer, dass Sie diese Menschen anstecken könnten. Können Sie das mit Ihrem Selbstverständnis als Pflegerin vereinbaren?

Ja, das kann ich deswegen, weil ich schon Corona durchgemacht habe, ich bin genesen. Und ich bin der Meinung, dass der Körper sich auch selbst helfen kann. Ich gehe auch nicht davon aus, dass ich der Grund dafür bin, dass ein Mensch aufgrund meiner Corona-Infektion stirbt. Die Menschen sterben ja meist an einer Vorerkrankung. Letztendlich sehe ich das wie eine verstärkte Grippe-Infektion. Da dürfte rein theoretisch kein Mensch, der in der Pflege arbeitet, krank auf Arbeit gehen.

Die Konsequenz der Impfpflicht in der Pflege ist, Sie dürfen ab Mitte März nicht mehr als Pflegerin arbeiten, wenn Sie nicht geimpft sind. Wie gehen Sie damit um und welche Arbeit wollen Sie künftig tun?

Das finde ich auch sehr spannend. Ich frage mich, wer macht denn dann meine Arbeit. Wir halten alle Hygiene-Richtlinien ein, wir tragen Masken, wir desinfizieren, wir halten Abstand und bleiben zuhause, wenn wir erkrankt sind. Kommen dann allerdings auch wieder auf Arbeit. Was ich dann mache, kann ich nicht sagen. Ich habe mich arbeitssuchend gemeldet.

Würde es Ihnen helfen, wenn eine allgemeine Impfpflicht käme, sich also alle Erwachsenen impfen lassen müssten?

Wenn eine Impfpflicht kommt, dann sollte sie für alle gelten. Weil die Menschen in der Pflege sind zwar mit den Menschen zusammen, die erkrankt sind. Aber was ist denn mit den Angehörigen? Die gehen auch zu den erkrankten Menschen. Und wenn die nicht geimpft sind, wie will man dann nachweisen, wer sie angesteckt hat?

Wo sehen Sie Ihre Zukunft, wenn Sie nicht mehr als Pflegerin arbeiten dürfen?

Die Arbeit ist mir sehr wichtig, ich arbeite gerne in dem Beruf. Umso schlimmer ist es, dass uns die Impfpflicht in der Pflege draufgedrückt wird. Wir sind an der Basis und haben schon immer mit Infektionen zu tun. Wir sind ständig infiziert durch irgendwelche Keime, ob MRSA oder VRE. Wenn ich da einen schon erkrankten Menschen anstecke, kann das auch zum Tod führen.

Ich wüsste jetzt spontan nicht, wo ich sonst hingehen könnte. Da müsste ja die Frau an der Kasse, die geimpft ist, meinen Job übernehmen und ich die Kasse.

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Quelle: MDR/kb