Debatte Pflegerat Sachsen sieht kommunikative Versäumnisse bei Impfpflicht für Pflegende

Seit Wochen wird über die Einführung einer Impfpflicht gegen das Coronavirus diskutiert. Im Gesundheits- und Pflegesektor gibt es sie bereits. Der sächsische Pflegerat macht vor allem kommunikative Versäumnisse bei der Einführung für die Debatte verantwortlich.

Klinikmitarbeiterin erhält Corona-Impfung.
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Der sächsische Pflegerat macht Versäumnisse in der Pflegepolitik für die hitzige Debatte zur Einführung der Impfpflicht in Pflegeberufen verantwortlich. Durch das Fehlen einer Interessenvertretung in Form einer Pflegekammer habe es keine ausreichende Kommunikation zur Impfpflicht in Gesundheitsberufen gegeben, teilte der Pflegerat am Freitag mit.

Impfung in Pflegeberufen wichtig

Man sei von der Wichtigkeit einer Impfung überzeugt und halte eine Impfung für beruflich Pflegende für "notwendig und wichtig", hieß es. Die derzeitige Diskussion über die Impfquoten werde aber auf Grundlage unzureichender Daten geführt. "Lediglich für stationäre Pflegeeinrichtungen liegen in Sachsen ungefähre Zahlen zur Impfquote vor. Diese Daten legen nahe, dass die Impfquote von Pflegenden der der Allgemeinbevölkerung entspricht", so der Pflegerat. Man bedaure, dass in Sachsen ein Teil beruflich Pflegender eine Impfung bislang ablehne.

Beruflich Pflegende haben in den letzten zwei Jahren professionell und engagiert, zum Teil bis zur Erschöpfung, die Versorgung gesichert. Statt einer nachhaltigen Verbesserung der Arbeits- und Einkommenssituation erleben sie nun eine weitere Verschärfung der beruflichen Situation mit einer Verpflichtung zur Impfung.

Statement Pflegerat Sachsen

Sächsischer Pflegerat Der Pflegerat Sachsen vertritt die beruflich Pflegenden im Freistaat Sachsen. Im Pflegerat Sachsen sind alle wesentlichen Berufsverbände der Pflege aus Sachsen zusammengeschlossen. (Selbstauskunft Pflegerat Sachsen)

Unsicherheit bei Impfpflicht-Regeln

Die Interessenvertretung bemängelt vor allem fehlende Kommunikation und Unsicherheit in Bezug auf die Regeln. So sei beispielsweise unklar, was eine konsequente Umsetzung mit der Folge, dass nicht geimpfte Pflegenden nicht mehr in den Einrichtungen des Gesundheitswesens arbeiten dürfen, bedeute. Man habe den Eindruck, Pflegende würden "in ihrer belasteten Situation nicht ernst genommen."

Novavax-Impfstoff für Pflegekräfte

Um eine Verbesserung der Situation von Pflegekräften zu erreichen, fordert der Pflegerat unter anderem den neuen Impfstoff der Firma Novavax bevorzugt und schnell den von der Impfpflicht betroffenen Mitarbeitern zur Verfügung zu stellten. Außerdem sollten beruflich Pflegenden in politische Prozesse und Entscheidungen mit einbezogen werden sowie Pflegekräfte für besonders belastende Dienstzeiten finanziell belohnt und steuerlich entlastet werden.

Quelle: MDR (bj)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 14. Januar 2022 | 13:00 Uhr

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