Nach Impfempfehlung in Sachsen Leipziger Experte zu Kreuzimpfungen bei Astrazeneca

Unter 60-Jährige sollten nach der Erstimpfung mit Astrazeneca die Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff erhalten, empfiehlt die Sächsische Impfkommission. Der Leipziger Impfstoff-Forscher Torben Schiffner erklärt, warum.

Spritzen in einer Schale
"Gesicherte Daten dazu gibt es aber derzeit noch nicht", so der Leipziger Impfstoff-Forscher Torben Schiffner zu Kreuzimpfungen mit Corona-Impffstoffen. Bildrechte: imago images/ANP

Das besagt die Impfempfehlung der SIKO

Am Freitag (23.04.) hat die hat die Sächsisches Impfkommission (SIKO) eine neue Impfempfehlung für Covid19 herausgegeben. Darin empfiehlt sie für alle unter 60-Jährigen, welche die erste Impfung mit dem Vektorimpfstoff von Astrazeneca erhalten haben, die Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff – also nicht mit Astrazeneca.

Erstimpfung und Zweitimpfung sollen also mit Impfstoffen vorgenommen werden, die eine unterschiedliche Basis haben. Der Vektorimpfstoff von AstraZeneca nutzt Adenoviren von Affen als Träger, um bestimmte isolierte Gene des Corona Virus in die menschlichen Zellen zu transportieren. Anders funktionieren mRNA-Impfstoffe, wie zum Beispiel die von Moderna oder BoiNTech. Diese Impfstoffe enthalten direkte Informationen der Corona-Virus-mRNA, ohne einen zusätzlichen Träger.

Das MDR Magazin Hauptsache Gesund hat dazu mit Dr. Torben Schiffner gesprochen, der an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig ein neues Institut für Wirkstoffentwicklung in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie aufbaut.

Impfstoffforscher Torben Schiffner von der Uniklinik Leipzig
Dr. Torben Schiffner forscht an der Univertsität Leipzig an Impfstoffen. Bildrechte: Universität Leipzig

Interview mit Impfforscher Dr. Torben Schiffner

Dr. Schiffner, halten Sie eine "Kreuzimpfung" mit verschiedenen Impfstoffen für sinnvoll?

Dr. Schiffner: Um den vollen Impfschutz aufzubauen, sind bei Astrazeneca, Biontech und Moderna jeweils zwei Immunisierungen vorgesehen. Beim ersten Kontakt mit einem Impfstoff fängt das Immunsystem an, Antikörper und T-Zellen zu produzieren, die den Impfstoff erkennen können. Kommt man zu einem späteren Zeitpunkt erneut in Kontakt mit dem gleichen Impfstoff, wird die Antikörperproduktion stark gesteigert und der Schutz wird dann in der Regel deutlich langlebiger. Sogenannte "Boosterimpfungen" sind daher wichtig, um den vollen Impfschutz aufzubauen und über längere Zeiträume aufrechtzuerhalten. Da eine Zweitimpfung unter 60-Jähriger mit Astrazeneca derzeit nicht möglich ist, halte ich es für sehr sinnvoll, stattdessen ein anderes Präparat, z.B. mRNA-Impfstoffe zu verwenden.

Warum?

Dr. Schiffner: Alle derzeit zugelassenen Impfstoffe basieren auf dem gleichen viralen Protein, nämlich dem sogenannten Spike-Protein von SARS-CoV-2. Daher erwarte ich, dass eine "Kreuzimpfung" (in der Fachsprache heterologe Prime-Boost-Impfung genannt) problemlos möglich sein sollte. Gesicherte Daten dazu gibt es aber derzeit noch nicht.

Wieso funktioniert denn eine "Kreuzimpfung" mit den Impfstoffen, was genau passiert in unserem Körper?

Dr. Schiffner: Sowohl Vektorimpfstoffe als auch mRNA dienen als Vehikel, um genetische Informationen über das Spike-Protein in menschliche Zellen einzubringen. Der Impfstoff von Astrazeneca nutzt inaktivierte Adenoviren um genetische Informationen des Spike-Proteins in menschliche Zellen einzubringen. In Adenoviren liegen die genetischen Informationen als DNA vor, die zunächst von der Zelle in mRNA umgeschrieben werden müssen. Bei mRNA Impfstoffen wird die mRNA in Fettkügelchen verpackt und direkt in die Zellen geliefert, ohne den Umweg über DNA gehen zu müssen. In beiden Fällen wird die mRNA dann von der Zelle als Bauplan benutzt, um das SARS-CoV-2 Spike-Protein herzustellen. Das Immunsystem erkennt das Spike-Protein als "fremd" und fängt an, Antikörper und T-Zellen dagegen herzustellen.

Könnten "Kreuzimpfungen" vielleicht sogar ein Vorteil sein?

Dr. Schiffner: Bei anderen Impfstoffen ist beobachtet worden, dass eine Kreuzimpfung in einigen Fällen tatsächlich zu einem höheren Schutz führt, als die beiden Impfstoffe alleine. Dies tritt aber nicht in allen Fällen auf und zum Teil kommt es dabei auch auf die richtige Reihenfolge an. Wie es sich im Falle einer Impfung mit Astrazeneca gefolgt von mRNA verhält, ist derzeit nicht bekannt. Klinische Studien, die dies untersuchen, laufen aber bereits.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 22. April 2021 | 21:00 Uhr

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