Herbst-Plan Sachsen will keinen weiteren Lockdown in vierter Corona-Welle

Wegen der geringen Impfquote hat Sachsens Ministerpräsident Kretschmer appelliert, impfen zu gehen. Die Zahl der vollständig Geimpften sei noch zu gering. Gleichzeitig wappnet sich die Regierung mit einem Herbst-Plan. Darin geht es um Notreserven, Testkapazitäten und Personal in Ämtern und Einrichtungen. Wichtigstes Ziel in der vierten Welle: Kitas und Schulen offen lassen.

Michael Kretschmer
Einen Zwang zur Impfung soll es in Sachsen nicht geben, versichert Ministerpräsdent Kretschmer. Bildrechte: dpa

Sachsen will sich mit einem Plan für den Herbst und den Kampf gegen eine vierte Corona-Welle vorbereiten. Ziel sei, dass es keinen weiteren Lockdown gebe, betonte Gesundheitsstaatssekretärin Dagmar Neukirch (SPD) am Dienstag nach der Kabinettssitzung. Vor allem sollen Schulen und Kitas offen bleiben. Dazu haben alle Ressorts jeweils Maßnahmen verfasst, um für den Herbst gewappnet zu sein. Der Plan wurde am Dienstag im Kabinett beschlossen.

Auch wenn die Inzidenzen derzeit niedrig sind, bereiten wir uns schon jetzt auf den möglichen signifikanten Wiederanstieg der Infektionszahlen vor.

Dagmar Neukirch Gesundheitsstaatssekretärin (SPD)

Personalpläne für Gesundheitsämter und Testzentren

Darin ist vorgesehen, Gesundheitsämter bei Bedarf personell aufzustocken, um Kontakte von Corona-Infizierten möglichst schnell nachzuverfolgen und Quarantäne zu überwachen. Die Kommunen sollen die Test-Infrastruktur zügig wieder hochfahren können. Auch Apothekenmitarbeiter und Zahnärzte sollen bei Bedarf aushelfen. Sachsen hält eine Notreserve von Schutzausrüstung und Schnelltests vor.

Testpflicht für Urlauber und vor Schulbeginn

Der Herbstplan sieht auch eine umfassende Testpflicht vor: Neben Urlaubsrückkehrern wird die Pflicht zum Testen auch für Beschäftigte mit direktem Kundenkontakt geprüft. Vor Beginn des neuen Schuljahres zum 6. September müssen sich Lehrkräfte, Schulleiter und anderes Schulpersonal zweimal auf das Coronavirus testen lassen. In den ersten beiden Schulwochen stehen Tests dann nicht nur für Lehrer, sondern auch für Schüler an - ebenfalls zweimal pro Woche.

In sächsischen Regionen mit einer Inzidenz über zehn sind sogar drei Tests pro Woche Pflicht. In diesem Fall gilt zum Schulstart zudem Maskenpflicht im Schulgebäude sowie im Unterricht - außer an den Grundschulen. Auch für Hochschulen soll ein Testkonzept entwickelt werden - möglicherweise mit verpflichtenden Tests für Studenten zu Semesterbeginn, sagte die Staatssekretärin.

Wegen der vergleichsweise geringen Impfquote in Sachsen hat Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) erneut an die Bevölkerung appelliert. "Wir brauchen ein gesamtgesellschaftliches Verständnis, wir brauchen Solidarität und Nächstenliebe", sagte er am Dienstag nach einem Impfgipfel der Landesregierung in Dresden.

Kein Impfzwang, keine materiellen Anreize

Die Zahl der gegen Corona Geimpften sei noch zu gering, um die Pandemie endgültig zu beenden. Neue Belastungen wie in den vergangenen Monaten blieben dem Land in einer vierten Welle nur erspart, wenn sich das ändere. Einen Zwang zur Impfung solle es in Sachsen aber ebenso wenig geben wie Gutscheine in der Pandemiebekämpfung, versicherte der Regierungschef. Er rief dazu auf, "mit offenem Blick auf das Thema zu schauen, sich zu informieren".

Sachsen mit niedrigster Impfquote

Sachsen hat im bundesweiten Vergleich die niedrigste Impfquote. Nach der Übersicht des Robert-Koch-Instituts (RKI) haben mit Stand 19. Juli bisher 50,9 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Dosis erhalten, 43,2 Prozent sind vollständig geimpft. Deshalb sollen nun mehr bürgernahe Impf-Angebote gemacht werden und auch aktiver auf die Menschen zugegangen werden, kündigte das Gesundheitsministerium an.

Die sächsische Landesregierung hatte am Dienstag einen Impfgipfel einberufen. Daran nahmen mehrere Vertreter von Kirchen und Wohlfahrtsverbänden teil.

Quelle: MDR/ma/ud/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 20. Juli 2021 | 19:00 Uhr

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