Corona-Impfkonzept Sachsen schickt staatliche Impfstellen in den Ruhemodus

In Sachsen lassen sich immer weniger Menschen Erstimpfungen gegen Corona geben. Auch bei Zweit- und Drittimpfungen lahmt die Nachfrage. Darauf reagiert der Freistaat nun und passt sein Impfkonzept an. Die Impfquote im Land liegt weiter unter der Zwei-Drittel-Schwelle.

Eine Notfallsanitäter der DLRG zieht an der Universität Potsdam den Corona-Impfstoff von Biontech in eine Spritze. Neben den Studierenden haben alle Menschen heute die Möglichkeit, sich ohne Termin an der Uni Potsdam mt Biontech impfen zu lassen.
Statt 64 gibt es in Sachsen derzeit nur noch 25 staatliche Impfstellen, die Corona-Impfungen anbieten. Bildrechte: dpa

Die staatlichen Impfstellen für Corona-Impfungen werden immer mehr zurückgefahren. Von ehemals 64 dieser Impfstellen haben aktuell noch 25 geöffnet, teilte das Sozialministerium mit. Damit passt das Land das Angebot der gesunkenen Impfnachfrage an. Parallel werde jedoch in Arztpraxen weiter geimpft. Und: "Zusätzlich können weiterhin mobile Angebote gemacht werden", betonte das DRK.

Impfkonzept mit "Sommerbetrieb" und "Herbstbetrieb"

Nach dem neuen Impfkonzept plant der Freistaat von Juni bis September einen "Sommerbetrieb" mit je einer staatlichen Impfstelle pro Landkreis und Großstadt als Ergänzung zu Arztpraxen und anderen Anlaufstellen. Die 13 Impfzentren sollen über eine gute Verkehrsanbindung verfügen und so konzipiert sein, dass die Zahl der Mitarbeiter während des "Herbstbetriebes" von Oktober bis Dezember verdoppelt werden kann. Zudem soll es wieder 30 mobile Teams sachsenweit geben, so das DRK. Im Sommer werde mit einer Kapazität von etwa 2.600 Impfungen pro Tag geplant, im Herbst sollen bis zu 9.500 Impfungen täglich möglich sein.

Petra Köpping
Gesundheitsministerin Petra Köpping will mit den Impfstellen flexibel auf die jeweilige Corona-Lage reagieren. Bildrechte: dpa

Es ist sichergestellt, dass wir unsere Impfangebote auch schnell wieder hochfahren können, wenn die Nachfrage steigt.

Petra Köpping (SPD) sächsische Sozialministerin

Das nötige Verwaltungspersonal beim DRK und der Kassenärztlichen Vereinigung könne langfristig bis Jahresende gebunden werden, um den Grundbetrieb zu sichern. Die Kosten für die Fortführung des Impfkonzeptes wurden mit 88,7 Millionen Euro angegeben. Diese könnten komplett aus erzielten Einsparungen finanziert werden, die sich aus der rückläufigen Impfnachfrage ergeben hätten, so das Gesundheitsministerium. Die geschlossenen Impfzentren würden wieder zu Kultur- oder Gemeindehäusern, sagte der Pressesprecher des sächsischen Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Kai Kranich. "Oder aber sie werden jetzt zu Notunterkünften für Flüchtlinge."

Wo man sich noch impfen lassen kann?

Informationen zu Impfstellen für Erwachsene und Kinder sowie Orten, an denen Novavax verimpft wird, finden Sie hier.

Aktuell weniger als 2.000 Impfungen pro Woche

In der letzten Märzwoche seien in den Impfzentren noch mehr als 6.700 Menschen geimpft worden, Mitte April waren es weniger als 2.000. Kranich zufolge decken die staatlichen Impfzentren etwa ein Drittel der Impfungen in Sachsen ab. Die Kommunen haben unterschiedliche Wege für ihre Impfangebote eingeschlagen. In Dresden sah die Stadt mit dem Konzept der Regierung eigene Bemühungen als obsolet an. Ende März wurden im Impfcenter im Neuen Rathaus die letzten Menschen geimpft, die mobilen Impfteams und die Impfberatung stellten die Arbeit ein.

Kommunale Impfstellen in Dresden und Leipzig zu

Die Stadt Leipzig hatte ihre kommunale Impfstelle im Foyer der Oper schon Anfang Februar geschlossen. Seither wird in der Impfstelle im Gesundheitsamt immer montags und mittwochs gegen Corona geimpft. Das Impfteam komme auf Anfrage auch zu hilfebedürftigen Menschen nach Hause, hieß es. In Chemnitz will die Stadt hingegen an der zusammen mit dem Klinikum betriebenen Impfstelle festhalten - auch wegen einer möglichen vierten Impfung im Herbst, hieß es.

Wie ist die Impfbereitschaft der Sachsen verteilt? - Am höchsten ist die Grundimmunisierung (Zweitimpfung) im Vogtlandkreis (77 Prozent), in der Stadt Chemnitz (76,4 Prozent) und im Landkreis Görlitz (70,6 Prozent).

- Die geringsten Impfquoten haben die Landkreise Bautzen (53,6 Prozent) und der Erzgebirgskreis (51,4 Prozent).

Quelle: sächs. Sozialministerium (23.04.22)

MDR (kk/sth)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 30. März 2022 | 19:00 Uhr

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