Corona-Pandemie Warum Sachsen beim Impfen Schlusslicht ist

In Sachen Covid-19-Impfungen ist Sachsen bundesweit das Schlusslicht: Weniger als die Hälfte der Menschen im Freistaat hat die Erstimpfung, bei den Zweitimpfungen liegt Sachsen im Mittelfeld. Eine Hörerin von MDR AKTUELL wollte wissen, woran das liegt.

Spritzen und das Vakzin von Astrazenca
Spritzen mit dem Vakzin von Astrazeneca liegen bereit. Bildrechte: dpa

Es gibt viele Gründe, die die Impfkampagne in Sachsen ausbremsen. Zunächst ein Blick auf die gut 50 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner, die noch gar keine Spritze bekommen haben: Da wäre die relativ hohe Quote an Menschen, die eine Impfung grundsätzlich ablehnen – 21 Prozent, wie eine Studie des Mercator Forums Migration und Demokratie der TU Dresden ergab.

Impfskepsis in Sachsen weit verbreitet

Direktor und Studienleiter Hans Vorländer erklärt: "Das heißt, hier ist die Impfskepsis weit verbreitet. Ob das nun der ausschlaggebende Faktor für die relativ zurückhaltende Durchimpfung im Freistaat Sachsen ist, können wir so nicht sagen. Da gibt es sicherlich noch andere Faktoren."

Eine Frau wird von einem Mediziner geimpft
Köpping selbst wurde mit dem Vakzin von Astrazeneca geimpft. Bildrechte: Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt

Die gibt es allerdings. Zum Beispiel in Form derer, die eine Impfung zwar nicht grundsätzlich ablehnen, aber auch keine Eile haben, wie Sozialministerin Petra Köpping berichtet: "Ich glaube, dass es auch eine Rolle spielt, dass wir im Winter sehr hohe Inzidenzen hatten und viele Menschen positiv waren, die Krankheit aber gar nicht richtig bekommen haben und deswegen vielleicht auch den Coronavirus auf die leichte Schulter nehmen und sagen: Ist ja nix passiert, warum soll ich jetzt impfen gehen?"

Astrazeneca-Impfstoff in Sachsen besonders unbeliebt

Dazu kommt die Skepsis speziell gegenüber dem Impfstoff von Astrazeneca. Der sei in Sachsen besonders unbeliebt, sagt Klaus Heckemann, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung KV: "Noch vor drei, vier Wochen hörte ich, dass in Hamburg auch junge Leute in den Impfzentren standen und unbedingt Impfungen haben wollten mit Astra. Da hätten sich bei uns junge Leute schon gar nicht mehr impfen lassen."

Auf der anderen Seite, sagt Sozialministerin Köpping, sei auch bei den Ärztinnen und Ärzten noch Luft nach oben: 4.000 Arztpraxen könnten theoretisch impfen, tatsächlich täten es derzeit nur 2.300.

Impfungen nicht offiziell erfasst, zu späte und geringe Lieferungen

Ein weiterer Punkt seien ganz am Anfang durchgeführte Impfungen, die durch die Statistik gerutscht seien. Köpping erklärt: "Wir haben in Sachsen sehr früh mit Pilotpraxen oder Modellpraxen angefangen, wo wir tatsächlich damals noch gar nicht die vollständigen Masken hatten. Wie das also aussieht, wie so ein Meldesystem sein muss, dass da sehr genaue Angaben gemacht werden müssen zu Geburtsdatum und und und …"

Wenn diese Eingabemasken am Computer nicht ordentlich ausgefüllt würden, gingen sie nicht ins Meldesystem des Robert Koch-Instituts ein. Dieselbe Erfahrung hätten auch die Krankenhäuser beim Impfstart im Januar gemacht, sagte die SPD-Ministerin weiter.

Und schließlich nennt sie noch als Grund, dass der Impfstoff zeitweise verzögert oder in zu geringen Mengen nach Sachsen geliefert wurde.

Niedrige Fallzahlen – sinkende Impfmotivation

Mittlerweile sinken die Inzidenzzahlen überall und Sachsen gehört – trotz schleppender Impfkampagne – zu den Ländern mit besonders niedrigen Werten. Einerseits erfreulich, aber nach Ansicht von KV-Chef Heckemann auch schlechtes Timing: "Hätten wir zwei Monate eher anfangen können, dann hätten wir zu einer Zeit geimpft, wo wir noch etwa zehnfach höhere Todesfälle pro Tag hatten. Da war noch ein ganz anderes Verständnis in der Bevölkerung, sich impfen zu lassen. Das nimmt jetzt ab, und das wird weiter abnehmen."

Deshalb würden mittlerweile auch Zweitimpfungen abgelehnt, sagt Heckemann. Umkehren könne man diesen Trend nicht. Man könne sich nur bemühen, ihn auszubremsen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Juli 2021 | 08:21 Uhr

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