Corona-Impfung Fragen und Antworten zur Corona-Impfung in Sachsen

Vor fast einem Jahr wurden die ersten Sachsen gegen das Coronavirus geimpft - zunächst in Pflegeheimen und Krankenhäusern. Nach anfänglicher Knappheit des Impfstoffes ist nun genug Vakzin für alle vorhanden. Doch längst nicht jede und jeder ist bislang geimpft - auch weil ihnen Antworten auf viele Fragen fehlen: Wie wirken die Impfstoffe? Was sind sogenannte Impfdurchbrüche? Und was bringt die Impfung überhaupt?

Utensilien für eine Impfung auf einem Tisch
Das Bundesland Sachsen weist im Bundesvergleich die niedrigste Impfquote auf. Nicht ganz 60 Prozent der Menschen im Freistaat über 12 Jahren haben sich bisher gegen das Coronavirus impfen lassen. Bildrechte: imago images/Political-Moments

Welche Impfstoffe sind zugelassen?

Bislang sind vier Impfstoffe zugelassen. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) gab am 21. Dezember 2020 grünes Licht für den Impfstoff von Biontech/Pfizer. Die formelle Zulassung durch die EU-Kommission erfolgte kurz danach.

Die EMA hat außerdem am 6. Januar 2021 dem Einsatz des Impfstoffs vom US-Konzern Moderna zugestimmt. Beide Impfstoffe sollen eine Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent haben.

Am 29. Januar hat auch der Impfstoff des schwedischen Pharmaunternehmens Astrazeneca eine Zulassung erhalten. Der Impfstoff wurde in Zusammenarbeit mit Forschern der Universität Oxford entwickelt.

Die EU-Kommission hat den Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson am 11. März zugelassen. In den USA war er bereits seit Ende Februar eingesetzt worden.

Nicht zugelassen ist bisher der Impfstoff Sputnik V, der in Russland entwickelt wurde. Die EU begründet das mit nicht vollständig eingereichten Daten. Eine zeitnahe EU-Zulassung ist nicht wahrscheinlich.

Was ist ein mRNA-Impfstoff?

Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna sind auf mRNA-Basis hergestellt. Laut Professor Uwe Liebert, Direktor des Instituts für Virologie des Universitätsklinikums Leipzig, wird bei einem mRNA-Impfstoff eine Art "Bauanleitung" für ein bestimmtes virales Protein oder sogar einen Abschnitt von einem Protein über die Impfung initiiert. Dieses virale Protein wird dann im Körper selbst hergestellt. Damit kann das körpereigene Immunsystem das Virus erkennen und bekämpfen. Eine Impfung sei weit weniger riskant, als sich mit dem Coronavirus zu infizieren, so Liebert.

Das Robert-Koch-Institut erklärt mRNA-Impfstoffe

Kann mRNA mein Genom verändern?

Nein, das Erbgut wird nicht verändert. Die initiierte mRNA ist außerordentlich kurzlebig und zerfällt schnell. Außerdem wirkt mRNA nicht im Zellkern, also da, wo das menschliche Genom gespeichert ist, sondern nur im Zellplasma. Dieses gelange gar nicht in den Zellkern, sagt Virologe Liebert. Selbst theoretisch könne man sich nicht vorstellen, wie mRNA die DNA verändern könne.

Was ist ein Vektorimpfstoff und wie wirkt er?

Der Astrazeneca-Impfstoff ist ein sogenannter Vektorimpfstoff, erklärt Dr. Thomas Grünewald von der sächsischen Impfkommission: "Es ist ein tierisches Virus, das sich im Menschen nicht vermehren kann. Dort werden genetische Informationen von SARS-CoV-2 eingeschleust. Es kommt zu einer örtlichen Infektion und diese führt dazu, dass die Eiweiße, die genetisch eingeschleust worden sind, dann auch präsentiert werden." Das führe dazu, dass das menschliche Immunsystem nicht nur gegen den tierischen Virus-Vektor, sondern auch gegen das Eiweiß von SARS-CoV-2 aktiv werde. Wenn ein geimpfter Mensch danach in Kontakt mit SARS-CoV-2 kommt, ist die körpereigene Abwehr bereits vorbereitet. Vektorimpfstoffe werden in der Medizin schon lange angewendet, zum Beispiel bei der Grippeschutz-Impfung.

Neben dem Vakzin von Astrazeneca gehören auch die Impfstoffe Johnson & Johnson und SputnikV zu den Vektorimpfstoffen.

Welche Nebenwirkungen gibt es bei den Impfstoffen?

Das Paul-Ehrlich-Institut, in Deutschland für die Zulassung von Impfstoffen zuständig, betont, dass Präparate erst nach ausreichender Überprüfung auf den Markt gebracht werden. Auch nach Marktzulassung erfolge eine ständige Kontrolle zum Erfassen von Wirksamkeit und Nebenwirkungen.

Bei den Impfstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca gab es nach Angaben der Hersteller während der Erprobung keine ernsthaften Nebenwirkungen. Allerdings reagierten mehrere Menschen in verschiedenen Ländern stark auf den Impfstoff von Biontech/Pfizer, die bereits zuvor durch Allergien anaphylaktische Schocks erlitten hatten.

Der US-Konzern Moderna nannte Müdigkeit, Muskelbeschwerden und Schmerzen am Einstichpunkt nach der zweiten Dosis als mögliche Impfreaktion.

Beim Impfstoff noch Astrazeneca nennt das Bundesgesundheitsministerium als häufige Reaktionen insbesondere bei jungen Menschen nach der ersten Impfung Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit, Schmerzen an der Einstichstelle. In sehr seltenen Fällen - bei jungen Frauen etwas häufiger als bei Männern - kann es zu einem Mangel an Blutplättchen kommen. Das kann eine Thrombose zur Folge haben, beispielsweise im Gehirn oder in den Bauchorganen. Die Häufigkeit beträgt den Angaben nach höchstens 1:50.000. In sehr seltenen Fällen könne auch das sogenannte Guillain-Barré-Syndrom ausgelöst werden - eine aufsteigende Lähmung durch eine autoimmune Entzündung der Nervenwurzeln am Rückenmark. Die Häufigkeit für diese Nebenwirkung betrage höchstens 1:100.000. Die Sächsische Impfkommission empfiehlt die Impfung erst ab 60 Jahren.

Senken Virus-Mutationen die Impfstoffwirkung?

Inzwischen gibt es neben der ursprünglichen Form des Coronavirus SARS-CoV-2 mehrere Mutationen - es sind also veränderte Varianten des Virus. Laut Thomas Grünewald von der sächsischen Impfkommission wirken bisher alle zugelassenen Impfstoffe auch gegen die bekannten Mutationen - jedoch wirke nicht jedes Präparat gleich gut gegen jede Mutation.

Wie viele Impfungen sind notwendig?

Das ist abhängig vom verwendeten Vakzin. Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca wurden nach Angaben der Unternehmen alle mit zwei Impfdosen getestet. Das bedeutet, dass sich Patienten im Abstand mehrerer Wochen zweimal impfen lassen müssten.

Der Impfstoff von Johnson & Johnson benötigt nur eine Impfdosis. Bei den klinischen Tests in den USA, Brasilien und Südafrika hat er dennoch eine sehr gute Wirkung gezeigt.

Inzwischen empfehlen Virologen eine zusätzliche Auffrischungsimpfung.

Was ist eine Covid-19 Booster-Impfung?

Es handelt sich dabei um eine Auffrischungsimpfung, damit der Impfschutz aufrecht erhalten wird. Bei der Grundimmunisierung wurden bei den meisten Impfstoffen zwei Dosen verabreicht. Bei der Booster-Impfung wird lediglich eine Dosis benötigt. Experten empfehlen eine Auffrischung der Impfungen gegen das Coronavirus sechs Monate nach der Grundimmunisierung - also in der Regel der zweiten Spritze.

Wer kann die dritte Impfung bekommen? Und wann?

Im Grunde kann jede und jeder die Booster-Impfung bekommen, die oder der bereits gegen das Coronavirus geimpft ist. Zwischen der letzten Impfdosis und der Auffrischungsimpfung sollten rund sechs Monate liegen. Aber auch eine spätere Auffrischung ist möglich.
Menschen, die über 70 Jahre alt sind oder in Pflegeheimen leben, sollen die Booster-Impfung bevorzugt erhalten. Sie gehören zu den besonders gefährdeten Gruppen und ihre Impfung liegt in der Regel am längsten zurück. Auch für Pflegepersonal wird eine Auffrischungsimpfung empfohlen.

Kann man sich trotz Impfung mit dem Coronavirus infizieren?

Ja, es ist möglich, sich trotz vollem Impfschutz mit dem Coronavirus zu infizieren. Allerdings liegen die nachgewiesenen Infektionen mit dem Coronavirus bei ungeimpften Menschen deutlich höher als bei Menschen mit vollständigem Impfschutz.

Was sind sogenannte Impfdurchbrüche?

Von Impfdurchbrüchen spricht man, wenn ein Mensch (schwer) an der Krankheit erkrankt, gegen die er vollständig geimpft wurde. Das passiert relativ selten.

Nicht gemeint ist damit eine Infektion mit dem Virus. Diese kann trotz Impfung stattfinden, da die Impfung nur schwere Krankheitsverläufe und den Tod durch die Krankheit verhindern soll. Sie bietet keine Barriere gegen das Virus.

Kann man trotz Corona-Impfung an Covid-19 erkranken?

Ja, auch eine Erkrankung an Covid-19 ist möglich, erklärt Carlos Alberto Guzmán. Er leitet die Abteilung "Vakzinologie und angewandte Mikrobiologie" am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Eine Impfung soll vor allem schwere Verläufe und den Tod verhindern.

Kann man trotz Corona-Impfung andere anstecken?

Laut Paul-Ehrlich-Institut ist die Gefahr, dass Geimpfte das Virus weiterhin übertragen zwar reduziert, aber weiterhin gegeben: "Richtig ist, dass nach bisher vorliegenden Daten, sowohl aus Tierversuchen als auch insbesondere aus Israel, die Viruslast (und damit die Gefahr der Weitergabe von Viren) bei (vollständig) Geimpften zwar geringer ist als bei Ungeimpften. Da aber die Impfung nicht die Infektion verhindert, sondern insbesondere die Erkrankung, ist es möglich, dass vollständig Geimpfte sich infizieren (was durch einen Test nachgewiesen werden könnte), keine Symptome ausbilden und dann möglicherweise das Virus auch weitergeben würden."

Gibt es eine Impfpflicht?

Nein, die Impfungen sind bislang freiwillig. Es gibt also weder Impfzwang noch Impfpflicht. Im Positionspapier der gemeinsamen Arbeitsgruppe aus Mitgliedern der Ständigen Impfkommission, des Deutschen Ethikrates und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina heißt es: "Den Ausgangspunkt bildet die Selbstbestimmung ('Autonomie') jedes Einzelnen. Impfungen setzen prinzipiell eine aufgeklärte, freiwillige Zustimmung voraus. Eine undifferenzierte, allgemeine Impfpflicht ist deshalb auszuschließen."

Inzwischen wird aber über eine Impfpflicht für Pflegepersonal diskutiert.

Wie viele Menschen in Sachsen sind gegen Corona geimpft?

In Sachsen sind laut Impfdashboard des Bundesgesundheitsministeriums knapp 60 Prozent der Sachsen geimpft (Stand 15.11., 14 Uhr). Die Angabe bezieht sich allerdings nur auf die Erstimpfung. Das sächsische Sozialministerium geht hingegen von rund 2,3 Millionen Menschen vollständig geimpft im Freistaat aus, das sind etwa 57,5 Prozent. Rund 140.000 Menschen haben den Angaben zufolge bereits eine Auffrischungsimpfung erhalten (Stand: 15.11., 12 Uhr). Sachsen bildet in Sachen Impfquote im Bundesvergleich das Schlusslicht.

Die höchste Impfquote kann demnach das Vogtland mit rund 70,5 Prozent aufweisen, im Erzgebirgskreis haben sich bei einer Quote von 44,4 Prozent die wenigstens Menschen in Sachsen impfen lassen.

Wo kann man sich impfen lassen?

Impfungen werden derzeit bei Haus-, Betriebs- und Fachärzten angeboten. Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren können sich beim Kinderarzt impfen lassen. Die zuvor bereitgestellten Impfzentren sind geschlossen. Außerdem impfen mobile Teams in Kommunen oder bei verschiedenen Impfaktionen.

Mit der App Impf-Finder können sich Interessierte über Impfmöglichkeiten informieren. Außerdem hat die Kassenärztliche Vereinigung eine Übersicht über die impfenden Praxen in Sachsen zusammengestellt.

Wer bezahlt die Impfung?

Für Bürgerinnen und Bürger in Deutschland wird die Impfung nach Angaben der Bundesregierung kostenfrei bereitgestellt - und zwar unabhängig von ihrem Versicherungsstatus. Der Bund bezahlt den Impfstoff. Die Länder tragen gemeinsam mit der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung die Kosten für den Betrieb der Impfzentren.

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 15. November 2021 | 19:00 Uhr

Mehr aus Sachsen