Interview Corona-Testpflicht an Sachsens Schulen verschoben

In Sachsen wird es zum Unterrichtsstart an den weiterführenden Schulen noch keine Corona-Testpflicht geben. Sachsens Kultusminister Christian Piwarz gab im Interview mit MDR SACHSEN als Grund fehlende Selbsttests an. Die Testpflicht an Sachsens Schulen soll erst am 22. März starten - eine Woche später als ursprünglich geplant. "Wir reden hier über ungefähr 500.000 Tests, die wir brauchen. Die Lieferengpässe sind ja allseits bekannt." Piwarz sagte weiter, eine Testpflicht könne erst dann gelten, wenn allen Tests zur Verfügung stehen. Das sei voraussichtlich ab Ende der kommenden Woche der Fall. Voraussetzung sei allerdings, dass die zugesagten Lieferketten eingehalten werden.

Unterscheidung Schnelltest vs. Selbsttest

Schnelltest: Die Proben für den Antigen-Schnelltests werden nur durch geschultes Personal entnommen. Dafür wird ähnlich wie beim PCR-Test ein Nasen- und/oder Rachenabstrich gemacht. Die Auswertung erfolgt innerhalb von 15 bis 30 Minuten direkt vor Ort.

Selbsttest: Das sind Schnelltests für die Selbstanwendung oder auch Laien-Tests. Sie können von Privatpersonen ohne Schulung durchgeführt werden. Der Test kann zum Beispiel mit einem Nasenabstrich erfolgen. Das Testergebnis liegt innerhalb von 15 bis 30 Minuten vor.

Testungen ab Montag trotzdem möglich

Trotz der Verschiebung der Testpflicht soll es laut Piwarz ab Montag Testmöglichkeiten für die weiterführenden Schulen geben. "Das sind allerdings noch Schnelltests, also wo im hinteren Rachenbereich diese Abstriche genommen werden. Diese Tests sind freiwillig." Hausärzte, DRK-Mitarbeiter und Apotheker würden die Schulen entsprechend unterstützen. Die Schnelltests dürfen nur durch medizinisches oder speziell geschultes Personal vorgenommen werden.

Hausverbot für Testverweigerer

Der Kultusminister erklärte weiter, wer mit Beginn der Testpflicht keinen negativen Corona-Test vorweisen könne, dürfe in Zukunft Schulgebäude nicht mehr betreten. Schüler müssten dann zu Hause lernen. Wer der Testung nicht nachkomme und zu Hause bleibe, verstoße gegen die Schulbesuchspflicht. Statt mit Bußgeldern zu drohen, will Piwarz nach eigener Aussage lieber an die Eigenverantwortung appellieren. "Ich glaube, dass für die Kinder dann eher problematisch ist, dass sie nicht am Präsenzunterricht teilnehmen können. Das sollte sich jeder überlegen. Dieser Selbsttest, von dem wir reden, ist ein Abstrich im vorderen Nasenbereich. Das ist komplett ohne Schmerzen und ohne Beeinträchtigung."

Auch für alle Erwachsenen an den Schulen gilt die Testpflicht, stellte Piwarz klar. Lehrerinnen und Lehrer müssten ebenso zu Hause bleiben, wenn sie Testungen verweigerten. Bei ihnen könne man möglicherweise arbeitsrechtlich tätig werden. "Ich gehe davon aus, dass der überwältigende Teil der Lehrer ganz selbstverständlich mitmacht, denn es dient ja nicht zuletzt auch ihrer Sicherheit." Für Kinder und Erwachsene gelte gleichermaßen: Neben einem negativen Selbsttest in der Schule sei auch der Nachweis eines negativen Testergebnisses beispielsweise vom Hausarzt oder aus einem Testzentrum möglich.

"Tägliche Tests wären wesentlich sinnvoller"

Obwohl die Schnell- und Selbsttests nur eine Momentaufnahme bieten, sieht Kultusminister Piwarz in ihnen vor allem die Chance, selbst ein Stück "Gewissheit zu bekommen. Und wenn sich dann alle an den Schulen an die AHA-Regeln halten, kann ich relativ sicher sein, dass wir sicheren Schulbetrieb gewährleisten." Tägliche Testungen wären wesentlich sinnvoller, das sei aber nicht zu stemmen.

Kultusminister warnt vor vorschnellen Entscheidungen

Mit Beginn des Präsenzunterrichts an weiterführenden Schulen sollen sich Lehrerinnen und Lehrer Piwarz zufolge einen Überblick verschaffen, wie weit ihre Klassen mit dem Unterrichtsstoff in der häuslichen Lernzeit zurechtgekommen sind. So soll auch ermittelt werden, was in diesem Schuljahr noch schaffbar sei. Es gehe nicht darum, nun eine Noten-Hatz zu starten. Besser sei es, prüfungsrelevantes Wissen Stück für Stück abzuarbeiten. "Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Stehen wir am Beginn der dritten Welle? Müssen wir Schulen noch mal schließen?"

Als wichtige Aufgabe für die nächsten Wochen und Monate sieht der Kultusminister vor allem die Planung: "Wir werden uns sehr dezidiert Gedanken machen müssen, wie es in den nächsten Schuljahren weiter geht. Wie kann man nicht durchgeführten Lernstoff nachholen?" Bei den Abschlussklassen des kommenden Jahres müsse man möglicherweise Prüfungsinhalte anpassen. Piwarz plädierte aber dafür, gut vorbereitete Entscheidungen zu treffen.

Eine Schülerin meldet sich in einem Klassenzimmer.
Ab Montag wird in Sachsen auch der Präsenzunterricht an weiterführenden Schulen wieder aufgenommen. Statt "Noten-Hatz"- plädiert Kultusminister Piwarz für ein genaues Hinschauen des Lehrpersonals, wo Stoff aufgeholt werde muss. Bildrechte: dpa

Keine verkürzten Sommerferien in Sachsen geplant

Dem Vorschlag, die Sommerferien zu verkürzen, um mehr Zeit für das Nachholen des Lernstoffes zu haben, erteilte Piwarz eine Absage. Er halte aus mehreren Gründen nichts davon. Familien bräuchten Planungssicherheit. Außerdem hätten Kinder, Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer auch eine Pause nötig.  

Wir haben das gemacht mit den Winterferien. Die Erfahrungen haben mich gelehrt: Lass die Fingern von den Ferienzeiten! Wir sollten Sommerferien lassen, wie sie sind.

Christian Piwarz Sachsens Kultusminister

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.03.2021 | ab 08:10 Uhr

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