Interview Landesschülerrat: "Schüler brauchen stabile Lernmöglichkeit im Homeoffice"

Die erste Woche "häuslicher Lernzeit" in Sachsen nach dem Lockdown hat mit Hürden für die Schüler begonnen. Die Plattform Lernsax lag für mehrere Tage lahm. MDR SACHSEN sprach mit der Vorsitzenden des Landesschülerrats, Joanna Kesicka, über die Probleme der Lernzeit und was die Schülerinnen und Schüler von der Politik erwarten.

Joanna Kesicka, seit Anfang dieser Woche sind die Schülerinnen und Schüler in Sachsen für zwei Wochen in der häuslichen Lernzeit. Aber die Lernplattform Lernsax stand zumindest die ersten drei Tage nur eingeschränkt zur Verfügung. Wie wichtig ist Lernsax für die Schüler?

Die Plattform ist aktuell der Kommunikationsweg, der uns ermöglicht, als Schülerinnen und Schüler mit unseren Lehrerinnen und Lehrern zu kommunizieren. Sie ist also enorm wichtig. Die Lernplattform wird aktuell an der Mehrheit der Schulen in Sachsen eingesetzt. Das heißt, sie ist flächendeckend von vielen Schülerinnen und Schülern nutzbar. Deshalb ist es enorm wichtig, dass es funktioniert. Das heißt, das was wir letzte und diese Woche gesehen haben - dass man sich vielleicht nicht einloggen konnte, nicht an Videokonferenzen teilnehmen konnte - das bringt natürlich enorme Nachteile mit sich, weil dann das häusliche Lernen nicht so funktioniert, wie wir uns das vorstellen.

Hat denn das Kultusministerium zu spät reagiert? Probleme mit Lernsax gab es ja auch schon im Sommer.

Richtig. Wir hatten auch schon Probleme im Sommer und auch im Frühjahr. Die Plattform war überlastet. Da gab es schon die ersten Eingriffe, wo man aufgerüstet hat. Das ist positiv. Man hat jetzt aber in der zweiten Homeoffice-Phase im Winter gemerkt: Jetzt nutzen noch mehr Schulen diese Plattform. Da kann man solche Probleme einfach nicht zum Alltag werden lassen. Jetzt müssen wir nur noch eine Woche Fernunterricht wahrnehmen. Aber wenn sich das ausweiten sollte, darf die Lernplattform natürlich nicht versagen. Auch jetzt ist es schwierig, denn wir haben weiterhin Schule und diese Aufgaben müssen wahrgenommen werden. Und wenn die Technik nicht funktioniert, ist das natürlich problematisch.

Die Abschlussklassen stehen ja derzeit unter einem besonderen Druck, weil sie bald Prüfungen haben und sich jetzt Lernstoff zum Teil selbst erarbeiten müssen. Was bedeutet die Lernzeit für sie?

Die Prüflinge jeglicher Schularten haben natürlich eine gewisse Unsicherheit. Sie wissen, bald kommen die Abschlussprüfungen und die Endnoten müssen geliefert werden. Und wenn man da gerade in den Wochen davor im Homeoffice ist, so wie wir jetzt auch kurz vor Weihnachten reingekommen sind, verursacht das eine gewisse Unruhe. Ich glaube, wir brauchen in dieser Situation enorm viel klare Kommunikation. Wie geht es weiter? Wann können wir wieder in Wechselmodelle? Und es braucht eine stabile Lernmöglichkeit, damit auch die Lehrerinnen und Lehrer mit den Schülern kommunizieren können, obwohl wir im Homeoffice sind.

Was wünschen sich denn die Schülerinnen und Schüler von der Politik?

Wir wünschen uns drei Dinge. Es braucht dringend Klarheit. Die Infektionszahlen verändern sich. Leider ist Sachsen aktuell ein Spitzenreiter unter den Infektionszahlen. Da muss geschaut werden, wie können wir am besten Unterricht anbieten. Es ist verständlich, dass wir in dieser Krisensituation ins Homeoffice gehen mussten. Aber es braucht Überlegungen, wie wir schnellstmöglich wieder in Wechselmodelle kommen. Als Zweites braucht es eine Absicherung von digitaler Technik. Das betrifft die Beschaffung von Endgeräten für Schülerinnen und Schüler oder Absicherung der Lernplattform. Drittens müssen wir über einen Ausgleich der Nachteile für Abschlussprüflinge in diesem Jahr reden.

Sie haben es gesagt. Die Corona-Lage in Sachsen kann man als sehr kritisch bezeichnen. Stehen die Schüler eigentlich hinter den Entscheidungen der Regierung?

Wir schauen natürlich immer mit zwei Blickwinkeln auf die Entscheidungen. Erstens: Wie hat man sich verbessert? Und zweitens: Wo sind noch Schwachstellen. Es gab einige Verbesserungen: Das Geld wurde rangeholt, Endgeräte wurde angeschafft. Andererseits sind diese noch nicht bei vielen Schülerinnen und Schülern angekommen. Es gibt noch an verschiedenen Stellen Probleme, etwa mit dem schnellen Internet auf dem Land.

Es gab auch schon Bemühungen, die Nachteile für Abschlussprüflinge auszugleichen, indem man den Lehrplan ein wenig aufgelockert hat. Aber wir sagen, das reicht noch nicht aus. Schulschließungen sind gerade erfolgt und könnten weiterhin stattfinden. Wir sind konstruktiv und versuchen ein kritisches Auge darauf zu werfen. Aber wir sehen auch, dass vieles sich positiv verändert hat - aber noch lange nicht alles.

Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Guten Morgen Sachsen | 17.12.2020 | 07:20 Uhr

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