Corona-Zahlen Überlastungsstufe droht: Fast 1.400 Covid-Erkrankte auf Sachsens Normalstationen

Das Robert-Koch-Institut hat am Montag für Sachsen eine Wocheninzidenz von 754,3 gemeldet. In keinem anderen Bundesland gab es in den vergangenen sieben Tagen so viele Neuinfektionen je 100.000 Einwohner. Dem Freistaat drohen strengere Corona-Beschränkungen. Der Wert der Belastungsgrenze für Patienten auf Normalstationen wurde zum ersten Mal überschritten. Bleibt das noch zwei weitere Tage so, tritt am Freitag die Überlastungsstufe in Kraft.

Wiebke Bunzenthal, Gesundheits- und Krankenpflegerin, steht mit einer Infusion auf der Corona-Intensivstation im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden hinter einer Glastür.
Die Zahl der Menschen, die wegen einer Covid-19-Erkrankung in Kliniken behandelt werden müssen, ist in Sachsen am Montag weiter gestiegen. Bildrechte: dpa

In Sachsen drohen Ende der Woche weitere Corona-Beschränkungen. Der Grund liegt in der hohen Bettenauslastung der Krankenhäuser. Am Montagmittag mussten 1.391 Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung auf Normalstationen behandelt werden. Das geht aus den aktuellen Zahlen des sächsischen Gesundheitsministeriums hervor (Stand: 15.11.2021, 11:30 Uhr). Bleibt diese Zahl in den kommenden beiden Tagen über 1.300, tritt ab Freitag die sogenannte Überlastungsstufe in Kraft. Wenn das der Fall sein sollte, bedeutet dies mehr Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte. Angehörige eines Haushaltes dürfen sich dann nur noch mit einer weiteren Person treffen. Geimpfte, Genesene oder Kinder bis 16 Jahre zählen nicht mit. Für weitere Bereiche gilt die 2G-Regel - z.B. beim Sport im Innenbereich und beim Friseur. Bei Versammlungen dürfen nur noch zehn Teilnehmer ortsfest dabei sein. Hier zählen geimpfte und genesene Personen mit.

Auf Intensivstationen müssen aktuell 330 Patientinnen und Patienten behandelt werden. Laut Divi-Intensivregister (Stand: 15.11.2021, 05:40 Uhr) müssen 148 Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung im Freistaat invasiv beamtet werden. Die Sieben-Tage-Hospitalisierung liegt bei 7,15.

RKI: Inzidenz der Neuinfektionen in Sachsen gut 754

Sachsen hat auch zu Wochenbeginn die höchsten Corona-Zahlen in Deutschland. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am frühen Montagmorgen eine Sieben-Tage-Inzidenz von 754,3. Am Vortag hatte der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche bei 670,9 gelegen. Dem RKI wurden binnen 24 Stunden im Freistaat 4.502 Neuinfektionen gemeldet. Acht weitere Menschen sind demnach im Zusammenhang mit Corona gestorben.

Sächsische Schweiz bundesweit Hotspot

Die höchste Infektionsrate in Sachsen hat weiter der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Hier lag der Wert am Montag bei 1.303,1. Die Region ist nun auch Spitzenreiter bei der bundesweiten Inzidenz. Nach dem bayerischen Landkreis Rottal-Inn (1.262,7) auf Platz zwei folgen in der bundesweiten Statistik der Landkreis Bautzen (1.197,3) und der Landkreis Meißen (1.176,5) auf den Plätzen drei und vier.

Einen Wert unter 500 hat in Sachsen lediglich noch die Stadt Leipzig (458,6). Bundesweit gab das RKI die Sieben-Tage-Inzidenz zu Wochenbeginn mit 303 an (Vortag: 289). Damit wurden erstmals mehr als 300 Neuinfektion innerhalb einer Woche je 100.000 Einwohnern gemeldet.

Vorwarnstufe erreicht - aktuell gültige Regeln

In Sachsen ist aufgrund der Bettenbelegung mit Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern die Vorwarnstufe am 5. November in Kraft getreten. Der Belastungswert von 650 belegten Betten auf den Normalstationen war nach Ministeriumsangaben am 3. November am fünften Tag in Folge überschritten worden.

Vorwarn- und Überlastungsstufe Zusätzlich zu den Inzidenzwerten sieht die neue Schutzverordnung eine Vorwarnstufe und eine Überlastungsstufe aufgrund der Bettenbelegung in den sächsischen Kliniken vor. Die Vorwarnstufe gilt nun, wenn an drei aufeinanderfolgenden Tagen 650 Betten auf der Normalstation oder 180 Betten auf der Intensivstation mit Covid-19-Patienten belegt sind.

Die Überlastungsstufe greift, wenn an drei aufeinanderfolgenden Tagen 1.300 Betten auf der Normalstation oder wenn 420 Betten auf der Intensivstation mit Covid-19-Patienten belegt sind. Anders als bei den Inzidenzwerten gilt bei der Bettenbelegung die 3+2-Regel: Die Maßnahmen gelten erst ab dem übernächsten Tag.

In der aktuellen Corona-Schutzverordnung wird auch die "7-Tage-Inzidenz Hospitalisierungen" als Kenngröße genannt. Sie ist aber nicht ausschlaggebend für das Eintreten der Vorwarn- und Überlastungsstufe. Die "7-Tage-Inzidenz Hospitalisierungen" beschreibt die Anzahl der ans Robert-Koch-Institut übermittelten Neuaufnahmen von Covid-19-Patienten in Krankenhäuser pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen.

In Sachsen gilt seit dem 8. November eine neue Corona-Schutzverordnung. Darin hat die Landesregierung die Corona-Regeln verschärft. Unter anderem gilt damit eine 2G-Regelung. Sie sieht in der Innengastronomie, bei Veranstaltungen, in Freizeit- und Kultureinrichtungen, Clubs und Bars einen Zugang nur für Geimpfte und Genesene vor. Für Weihnachtsmärkte gilt eine gestaffelte Regelung. Nicht betroffen sind der Einzelhandel und Gottesdienste.

Bestehende Ausnahmeregelungen für Kinder und Jugendliche sowie Menschen, die sich nicht impfen lassen können, gelten fort. Sie brauchen aber einen Test. An Arbeitgeber wird appelliert, den Beschäftigten Homeoffice zu ermöglichen.

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 15. November 2021 | 19:00 Uhr

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