Pandemie Bundesvergleich: Kinder und Jugendliche in Sachsen mit höchster Corona-Inzidenz

Zu Beginn der Pandemie ging man davon aus, dass Kinder und Jugendliche kaum von Corona-Infektionen betroffen sind und diese auch nicht übertragen. Mit der britischen Variante hat sich das geändert - auch in Sachsen. Hier sind die Zahlen der Corona-Neuinfektionen in dieser Altersklasse bundesweit am höchsten.

Nach einer langen Pause kehren die Schüler der letzten Klasse aufgrund der Corona-Virus-Krankheit COVID-19 wieder zum Gymnasium zurück
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Sachsen hat bei Kindern und Jugendlichen die höchsten Corona-Infektionsraten in Deutschland. Das geht aus Zahlen des Robert-Koch-Instituts hervor. Danach liegt die 7-Tage-Inzidenz bei den 15- bis 19-Jährigen im Freistaat bei über 367. Dahinter liegen Thüringen und Bayern mit Inzidenzen von jeweils über 300.

Auch bei den Altersklassen von 5 bis 9 Jahren sowie von 10 bis 14 Jahren hat Sachsen bundesweit die höchsten Inzidenzwerte. Insgesamt waren Mitte April mehr als 1.600 Kinder und Jugendliche in Sachsen mit Corona infiziert.

Höchste Inzidenzen bei Jugendlichen in Westsachsen

Regional sind die Inzidenzen in der Altersklasse der 15- bis 19-Jährigen im Landkreis Zwickau mit 579 am höchsten, gefolgt von Chemnitz und dem Landkreis Mittelsachsen. In der Gruppe der 10- bis 14-Jährigen fällt vor allem die hohe Zahl der Neuinfektionen binnen sieben Tagen auf 100.000 Einwohner in der Stadt Chemnitz auf, die dort bald 700 erreicht. Bei den 5- bis 9-Jährigen ist die Inzidenz im Landkreis Nordsachsen mit fast 500 die höchste im Freistaat.

Leipziger Epidemiologe: Schulen sind Pandemietreiber

Markus Scholz, Uni Leipzig Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie
Markus Scholz von der Uni Leipzig Bildrechte: Uni Leipzig

Der Leipziger Epidemiologe Markus Scholz sieht einen klaren Zusammenhang von Schulöffnungen und steigenden Corona-Neuinfektionen bei Kindern und Jugendlichen. Scholz hat seit Öffnung der Grundschulen in Sachsen Mitte Februar einen exponentiellen Anstieg der Neuinfektionen bei den 5- bis 14-Jährigen beobachtet. "Keine andere Altersgruppe hat einen solchen Anstieg verzeichnet", sagte Scholz MDR SACHSEN. Innerhalb von knapp sechs Wochen hätten sich die Infektionszahlen verachtfacht. Im März habe es dann auch einen Anstieg bei älteren Jugendlichen gegeben.

Was sagt die Positiv-Rate bei Schultests aus?

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz bezweifelt dagegen, dass von Kindern und Jugendlichen bei geöffneten Schulen eine große Gefahr für die Pandemie ausgeht. In Sachsen seien über 200.000 Schülerinnen und Schüler auf Corona getestet worden, sagte der Minister MDR SACHSEN. "Wir haben dort eine Positiv-Quote von 0,18 Prozent." Im Vergleich zu anderen Infektionszahlen sei das relativ gering.

Dem widerspricht der Epidemiologe Markus Scholz von der Universität Leipzig. Bei diesem prophylaktischen Testen an den Schulen bei Kindern und Jugendlichen ohne Symptome könne man keine hohen positiven Werte erwarten, sagte Scholz.

Auf diese Positiv-Quote würde ich nicht schauen, man müsste eher schauen, wie viele positive Fälle man aus den Schulen herausgehalten hat.

Markus Scholz Epidemiologe an der Universität Leipzig

Dennoch sei der Zusammenhang deutlich, dass das Testen die Schulen sicherer mache, so der Leipziger Forscher.


Update 23. April: Faktencheck

Kultusminister Christian Piwarz erklärte am 22.4. im MDR SACHSENSPIEGEL:

Das RKI hat Anfang April gesagt, dass Kinder und Schulen keine Motoren der Pandemie sind.

Das stimmt so nicht, sagte der Leipziger Epidemiologe Markus Scholz MDR SACHSEN. Die Aussage des Robert-Koch-Instituts sei vom Februar, also vor Beginn der dritten Welle. Damals sei der deutliche Anstieg in dem Alterssegment noch nicht zu sehen gewesen. Auch Untersuchungen in Großbritannien nach Auftreten der britischen Variante seien zu dem Schluss gekommen, dass Kinder und Jugendliche zum Infektionsgeschehen beitragen. Neuere Daten würden zeigen, dass geöffnete Schulen mit 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte zum R-Wert beitragen.

Zudem geht dem Leipziger Epidemiologen zufolge aus Analysen hervor, dass die Rolle der Schulen eine größere ist, wenn das gesamte Infektionsgeschehen sehr hoch ist, wie dies in Sachsen der Fall ist.

Eine weitere Aussage des Ministers im SACHSENSPIEGEL:

Wenn man Kinder und Jugendliche als einzige Bevölkerungsgruppe seriell testet (zwei Mal die Woche), treten logischerweise mehr positive Fälle auf, als in anderen Bevölkerungsgruppen. Wenn wir in anderen Bevölkerungsgruppen auch seriell testen würden, würde das ganz andere Ergebnisse bringen.

Der Wissenschaftler Markus Scholz kann diese Aussage ebenfalls nicht bestätigen. Der Anteil der Schultests sei mit etwa 20 Prozent der kleinere Anteil der Positiv-Tests von Kindern und Jugendlichen. "Die meisten Fälle im Kinder -und Jugendbereich kommen nach wie vor nicht aus dieser Schnelltest-Strategie." Zudem sei die Dunkelziffer bei den Kindern viel größer als bei Erwachsenen, so Scholz. "Wir unterschätzen nach wie vor den Bereich bei den Kindern." Die Tests an Schulen hätten deshalb einen kleinen Effekt, aber keinen entscheidenden.

Quelle: MDR/kb/cb/kp

73 Kommentare

Mediator vor 2 Wochen

Na ja wenn man plötzlich langsamer denkt, nach 10 Minuten denken eine Pause braucht und es in der ersten Halbzeit beim Fußball nur bis knapp in den Strafraum des Gegners schafft, weil einem die Luft fehlt, dann muss man sich nicht zwingend in ein Krankenhaus begeben.

Machen sie sich mal mit den Folgen von Long-Covid bei Kindern vertraut und überlegen sie dann, ob sie ihren Unsinn weiter aufrecht halten wollen.

Mediator vor 2 Wochen

Blöd nur, dass Inzidenzien nicht auf der Bass von Schulen berechnet werden. Es berechnet ja auch keiner einen Inzidenzwert für eine Familie oder einen Häuserblock.

Mediator vor 2 Wochen

@Ernst:
- "Ich bin da etwas begriffsstutzig"
Einsicht ist der beste Weg zur Besserung

- "Wenn man mehr testet hat man unweigerlich mehr Positive Tests "
Dumm nur, dass die Zahl der PCR Tests seit ca. 30 Wochen ziemlich gleich bleibt. Die Positivrate ist jedoch von ca 1,5 auf aktuell über 12% angestiegen. (Siehe Statista, oder direkt RKI)

-"wegen Quarantäne geht ja der Virus, falls überhaupt vorhanden, nicht weg"
Wohin geht denn der Virus wenn sie eine Erkältung auskurieren?
Wohin gehen sie denn, wenn die Erkältung sich zu einer Lungenentündung ausweitet?

-"Nur zur Erklärung, neulich zur Demo wurde ein Bekannter trotz Maskenattest von der Versammlungsfläche verwiesen und durfte sich 10m weiter westlich aufstellen"
Ein Coronaleugner und Querdenker sind sie also... Wer hätte es gedacht. Ihr Bekannter ist ja drollig, keine "Luft kriegen (Maskenattest), sich aber mit tausenden potentiellen Virenschleudern eng an eng kuscheln. Selbstgedruckt das Attest?

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