Tradition Corona lässt Sachsens Karnevalisten erneut ins Internet ausweichen

Persönliche Begegnungen und Geselligkeit spielen beim Karneval eine große Rolle. Durch die Corona-Pandemie ist es aber auch in Sachsen schwieriger geworden, diese Tradition aufrechtzuerhalten. Damit das Brauchtum dennoch nicht stirbt, weichen einige Vereine jetzt ins Internet aus.

Fasching
Statt im Festsaal heißt es für Sachens Karnevalisten in diesem Jahr wieder vor dem heimischen Computer Platz zu nehmen. Bildrechte: Colourbox.de

Auch in diesem Jahr müssen Sachsens Karnevals-Fans auf große Feiern und Festumzüge verzichten. Zum zweiten Mal in Folge macht Corona den Karnevalisten einen Strich durch die Rechnung.

Das ist mehr als traurig, weil wahnsinnig viele Ehrenamtliche mit Kraft und Energie dem Brauchtum nachkommen wollen, es nun aber schon wieder nicht können.

Michael Rohde Sprecher des Verbandes Sächsischer Carneval

Angst vor den Fixkosten

Zudem sei es weiterhin ein großes Problem, dass die Vereine nun erneut auf ihren Fixkosten sitzenbleiben, die sonst mit Einnahmen aus den Veranstaltungen beglichen werden. "Extreme Folgen gab es deshalb in der vergangenen Saison zum Glück nicht. Wie es am Ende dieser Saison aussehen wird, lässt sich jedoch noch nicht sagen", sagte Verbandssprecher Rohde.

Viele Vereine versuchen trotz der schwierigen Lage, die närrische Stimmung am Leben zu halten, indem sie ihre Veranstaltungen kurzerhand ins Internet verlegen. "Das ist vor allem interessant, um dem Publikum zu zeigen, dass man noch lebt. Aber eigentlich leben die Karnevalisten natürlich von der Reaktion eines Publikums, die auf diesem Wege einfach nicht wie gewohnt da ist", sagte Rohde.

Bunte Karnevalsdekoration.
Die Karvalsdeko kommt erneut nur virtuell zur Geltung. Bildrechte: Colourbox.de

Wittichenauer Narren gehen digitale Wege

In Wittichenau im Landkreis Bautzen geht man trotzdem digitale Wege. "Eine Aufweichung des Brauchtums und eine beliebige Verschiebung sind für uns keine Option", unterstrich der dortige Karnevalsverein im Vorfeld. Deshalb wird am Freitag Online-Karneval gefeiert. Zudem sind die Wittichenauer wie in der vergangenen Saison dazu aufgerufen, ihre Häuser bunt zu schmücken. Außerdem sei eine Plakataktion mit karnevalistischen Motiven geplant.

Radeburger Karnevalisten kommen online nicht in Stimmung

Für den Radeburger Carnevals Club, der normalerweise Sachsens größten Umzug organisiert, ist das keine Option:

Man könnte virtuell zwar ein bisschen Atmosphäre erzeugen, aber das ist nicht mal ansatzweise ein Ersatz. Es lohnt sich kaum.

Olaf Häßlich Vorsitzender des Radeburger Carnevals Club

Deshalb werde in diesem Jahr am Freitag nur ein produziertes Kinderfaschingsvideo auf Youtube gestellt. Das habe bereits im vergangenen Jahr Anklang gefunden.

Ebenfalls auf Youtube setzt das Förderkomitee Leipziger Karneval, eine Gemeinschaft von neun Vereinen aus Leipzig und Umgebung. "Nach dem zweiten Jahr in Folge ohne Umzug haben wir uns überlegt, stattdessen im Sommer eine Party mit einem Best-of der vergangenen Jahre auf die Beine zu stellen", kündigte Komitee-Vizepräsidentin Cathleen Keller an.

Kampf ums finanzielle Überleben

Die Vereine sind sich jedoch einig, dass es so nicht weitergehen darf. "Wir müssen vor allem darauf schauen, finanziell zu überleben", sagte Olaf Häßlich vom Radeburger Carnevals Club. Die festen Ausgaben seien jedes Jahr unabhängig von Festen praktisch gleich. Für deren Deckung müsse man erst einmal Einnahmequellen finden. Das werde laut Keller immer schwieriger - unter anderem weil keine passende Förderung für die Vereine absehbar sei.

Sorge vor dem Mitgliederschwund

Keller betonte zudem, dass sich das Leben im Karnevalsverein um mehr als nur Feste und Umzüge dreht: "Karneval ist auch Sport - es gibt Meisterschaften im karnevalistischen Tanzsport, die derzeit natürlich auch nicht stattfinden können." Außerdem bereite ihr Sorgen, dass bereits einige Mitglieder die Vereine verlassen und nach anderen Beschäftigungen gesucht haben. "Es wird immer schwieriger, das Publikum zu motivieren und zu zeigen, dass es uns noch gibt."

"Karnevalisten sind Optimisten", unterstrich Verbandssprecher Michael Rohde mit Blick auf die Zukunft. "Wir sind frohen Mutes, verlieren den auch nicht und hoffen, dass nächstes Jahr wieder mehr laufen kann."

MDR(sth)/dpa

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