Nach Weihnachtspause Kinder trotz Omikron wieder in die Kitas bringen?

Jan Kröger, Moderator und Redakteur
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Am Montag kehren Kitas in Sachsen aus der Weihnachtspause zurück. Die Betreuung bleibt weiterhin eingeschränkt. Die rasante Ausbreitung der Omikron-Variante könnte Eltern verunsichern, ob sie ihre Kinder überhaupt in die Tagesstätten geben sollten. Zwei Mediziner geben Aufschluss.

Die Woche, in der die Kinder aus den Ferien zurückkehren, könnte auch die Woche sein, in der Omikron zur vorherrschenden Corona-Variante in Sachsen wird. Diese Tendenz macht der Leipziger Virologe Uwe Gerd Liebert deutlich: "Die Lage in Sachsen ist so, dass wir auch über die Weihnachtstage einen stetigen Anstieg der Omikron-Variante hatten. Zuletzt waren von den positiv Getesteten bei uns in Leipzig im Uniklinikum so an die 15 Prozent mit der Omikron-Variante infiziert."

Datenlage im Ausland: Omikron ansteckender, aber milderer Verlauf

Doch was verändert sich durch Omikron für Kinder? Klar ist, dass die Variante ansteckender ist. Liebert rechnet deshalb damit, dass die Infektionszahlen steigen, sobald die Kitas wieder aufmachen. Erste Daten aus Südafrika deuteten Anfang Dezember zudem darauf hin, dass mehr Kinder mit Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

Prof. Dr. med. Reinhard Berner
Prf. Dr. med. Reinhard Berner, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Dresdner Uniklinikum. Bildrechte: Universitätsklinikum Carl Gustav Carus

Was dieses Risiko betrifft, ist der Dresdner Kindermediziner Reinhard Berner aber inzwischen vorsichtig optimistisch. Er verweist auf Daten von britischen Fachkollegen. Dort ist Omikron seit mehreren Wochen die dominierende Variante. "Man muss dazu sagen, dass die Laufzeit noch relativ kurz ist, aber: Nach allem, was wir heute dazu von Berichten aus London und aus England insgesamt sowie aus Schottland und aus Südafrika lesen können, gibt es keine schwereren Verläufe", erklärt der Kindermediziner aus Dresden.

Bei Kindern stärker auf Symptome achten

Somit gebe es keine relevante Bedrohung für Kinder, die über das bisherige Risiko hinausgeht, sagt Berner. Er fügt hinzu, dass er ein gesundes Kind ab Montag in die Kita bringen würde.

Aber: Eltern sollten künftig noch genauer darauf schauen, ob das Kind hustet, fiebert oder Halsschmerzen hat. "Das zeigen auch die ersten Daten von Omikron, dass offensichtlich die Menschen früher Symptome haben nach der Ansteckung. Dieser Rat, dass Kinder, die Anzeichen einer Infektion haben, zu Hause bleiben sollen, der wird noch wichtiger unter Omikron."

Leipziger Virologe für Kita-Schließungen

Der Virologe Uwe Gerd Liebert sieht das anders. Wenn es Eltern irgendwie möglich ist, sollten sie ihre Kinder zu Hause lassen. "Ich habe also meiner Tochter, die ein kleines einjähriges Kind hat, dringend geraten, das Kind vorerst nicht in den Kindergarten zu bringen. Erst dann, wenn die Infektionszahlen wirklich runtergehen – also nicht nur das, was man jetzt als vorübergehende Delle nach unten sieht", erzählt Liebert.

Mediziner sehen Politik in der Pflicht

Liebert sieht aber nicht nur die Eltern, sondern auch die Politik in der Pflicht. Er hält regelmäßige Tests unter Kita-Kindern für sinnvoll, wie es sie zum Beispiel in Bayern gibt. Kindermediziner Reinhard Berner würde sie eher aus politischen Gründen befürworten, sprich um landesweite Kita-Schließungen zu verhindern.

Einen Rat für Eltern haben aber beide Mediziner gleichermaßen: Erwachsene, die noch nicht geimpft sind, sollten dies so schnell wie möglich nachholen.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Dezember 2021 | 06:00 Uhr

Mehr aus Sachsen

Ein blauer Becher steckt in einer Pappverpackung. 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Grenzturm in der Sonne. 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK