Pandemie-Bekämpfung Noch keine Impfungen für Priorisierungsgruppe 3

In Sachsen sind seit Freitag noch mehr Menschen berechtigt, sich impfen zu lassen. Alle Lehrer können sich einen Termin holen. Bei Menschen aus der Priorisierungsgruppe 3 dauert es noch etwas.

Der Impfstart für die Priorisierungsgruppe 3 ist noch nicht erfolgt. Ein genaues Datum konnte das Ministerium am Montag auf Anfrage von MDR SACHSEN zunächst noch nicht nennen. Damit müssen sich alle Menschen mit Berufen in der kritischen Infrastruktur noch gedulden, bevor sie sich zu einer Impfung anmelden können.

Sozialministerin Köpping hatte in der vergangenen Woche MDR SACHSEN gesagt, dass sich ab dieser Woche in Sachsen auch Menschen aus der sogenannten Priorisierungsgruppe 3 gegen das Coronavirus impfen lassen können. Den Angaben zufolge betrifft das Menschen, die im Lebensmittelhandel tätig sind oder in der Freiwilligen Feuerwehr. Zur dritten Prioritätsstufe gehören außerdem Soldaten, Mitarbeiter "kritischer Infrastruktur" etwa im Bestattungswesen, im Transport- und Verkehrswesen oder auch in der Kinder- und Jugendhilfe. Auch sonstige Personen seien berechtigt, für die aufgrund ihrer Arbeits- und Lebensumstände ein deutlich erhöhtes Risiko einer Infektion mit Corona besteht. Eine Liste aller Personen- und Berufsgruppen will das Sozialministerium in den kommenden Tagen veröffentlichen.

Schon bisher konnten sich aus der sogenannten Priorisierungsgruppe 3 Menschen im Alter ab 60 für eine Impfung anmelden. Seit Freitag erhalten auch alle Lehrerinnen und Lehrer ein Impfangebot. Eine Ausnahme von der sachsenweiten Regelung gibt es im Vogtlandkreis. Hier wurde die Priorisierung bereits am 12. März aufgehoben. Alle, die wollen können sich dort impfen lassen. Hintergrund ist die anhaltend hohe Inzidenz im Landkreis.

Forderung: Priorisierung weiter öffnen

Prof. Christoph Josten, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig, hatte sich am Mittwoch im Gespräch mit Ministerpräsident Michael Kretschmer dafür ausgesprochen, die Priorisierung noch weiter zu öffnen: "Ich bin der Meinung, wir müssten die Impfpriorisierung schneller ändern, als die Politik das möchte. Sie haben die Infektionszahlen gesehen. Im Bereich der 20 bis 40-Jährigen ist die exponentielle Steigerung am höchsten. Das sind die, die mobil sind, sich treffen. Die müssten wir jetzt impfen." Es sei aber richtig gewesen, erst alte Menschen und das medizinische Personal zu schützen. Das merke man auf den Intensivstationen, hier gebe es schon lange keine 80-Jährigen mehr, die nach drei bis fünf Tagen auf der Intensivstation versterben.

Allerdings führt das laut Josten auch zu einer veränderten Lage: "Die Situation ist deutlich dramatischer, als es immer wieder gesagt wird. Die Intensivbetten sind praktisch schon am Rande, obwohl wir bei den normalen Betten noch nicht diesen Peak erreicht haben." Das liege daran, dass deutlich jüngere Patienten auf den Intensivstationen lägen als in den Monaten zuvor. "Ich wäre dafür, die mobile Bevölkerung zu impfen, denn die ist im Moment der Träger."

Stiko-Chef warnt vor Öffnung der Gruppen

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, hat indessen davor gewarnt, die Priorisierung beim Impfen aufzuheben. Zumindest solange nicht genügend Impfstoff zur Verfügung steht. "Wir müssen doch mit begrenzten Impfstoffmengen weiter möglichst Menschen mit hohem Risiko für schweren Covid-19-Verlauf wie Vorerkrankte schützen", sagte Mertens der Düsseldorfer "Rheinischen Post" in der am Freitag erscheinenden Ausgabe. Auch damit schütze man die Intensivstationen.

Mertens Ansicht nach könnte durch eine Aufhebung der Impf-Priorisierung auch nicht die dritte Welle der Corona-Pandemie gebrochen werden. Das zeigten auch Modellrechnungen. "Dazu hätte man viel früher viel mehr Impfstoff haben müssen", erklärt der Stiko-Vorsitzende.

Eine Frau wird von einem Mediziner geimpft
Sozialministerin Petra Köpping hat sich bereits in Leipzig impfen lassen - mit Astrazeneca. Bildrechte: Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt

Quelle: MDR/kp/kb/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.04.2021 | ab 8:00 Uhr

Mehr aus Sachsen