Konjunkturumfrage IHK sieht "starken Rückschlag" für sächsische Wirtschaft

Die zweite Corona-Welle drückt die Stimmung in der sächsischen Wirtschaft. Laut einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer droht zwar keine "Insolvenzwelle", doch vielen Unternehmen stehe "das Wasser bis zum Hals". Die angekündigten Wirtschaftshilfen müssten nun zügig fließen. Das neue Bestellsystem "Click & Collect" komme zudem zu spät und zu kurzfristig.

Dienstags direkt Corona - Folgen für Sachsens Wirtschaft
Bildrechte: MDR/imago

Die zweite Corona-Welle drückt die Stimmung in der sächsischen Wirtschaft. Laut der aktuellen Konjunkturumfrage der sächsischen Industrie- und Handelskammern (IHK) sank der IHK-Geschäftsklimaindex nach einem Zwischenhoch im vergangenen Herbst auf 94 Punkte.

"Starker Rückschlag"

Der Hauptgeschäftsführer der IHK Chemnitz, Hans-Joachim Wunderlich, sprach am Donnerstag von einem "starken Rückschlag" für die konjunkturelle Erholung. Der nach dem ersten Lockdown im Frühjahr einsetzende Aufschwung sei durch die neuerlichen Beschränkungen abrupt abgebrochen. "Vielen Unternehmen steht das Wasser bis zum Hals", so Wunderlich.

Geschäftsklimaindex Der Geschäftsklimaindex ist der Konjunkturbericht der drei sächsischen Industrie- und Handelskammern Chemnitz, Dresden und Leipzig für den Freistaat Sachsen und erscheint jeweils zum Jahresebeginn. Am aktuellen Bericht haben sich laut IHK im Zeitraum vom 10.12.20 bis 15.01.21 genau 2.139 Unternehmen aus Industrie, Baugewerbe, Einzel- und Großhandel, Dienstleistungen, Verkehr sowie Gast- und Tourismusgewerbe beteiligt.

Einzelhandel, Dienstleister und das Gastgewerbe besonders betroffen

Die Corona-Pandemie hat laut der Umfrage vor allem den Einzelhandel, Dienstleister und das Gastgewerbe schwer getroffen. Den Angaben zufolge musste fast jedes sechste befragte Unternehmen seinen Geschäftsbetrieb zumindest vorübergehend einstellen. Zudem kämpfen 53 Prozent der befragten Unternehmen coronabedingt mit Personalausfall infolge von Krankheit, Quarantäne oder weil die Beschäftigten wegen geschlossener Kitas und Schulen zu Hause bleiben müssen. Einziger Lichtblick: Die Industrie- und Baubranche sei weitgehend stabil stabil geblieben.

 Keine "Insolvenzwelle" befürchtet

Mit einer "Insolvenzwelle" rechnet die IHK nicht, auch wenn die Zahl der Insolvenzen laut Wunderlich steigen wird. Voraussetzung für das Ausbleiben sei allerdings, dass die angekündigten Wirtschaftshilfen nun zügig fließen. "Die Überbrückungshilfe III muss jetzt schnell fließen", fordert Wunderlich. Denn bei mehr als der Hälfte der Unternehmen hat sich der Umfrage zufolge die Finanzsituation veschlechtert.

Erste Lockerungen ab 15. Februar

Seit Mitte Dezember befindet sich Sachsen im Lockdown, strenge Beschränkungen gelten. Erste kleinere Lockerungen für den Handel sind für den 15. Februar angekündigt. Das hatte das sächsische Kabinett beschlossen. Demnach ist dann in Sachsen wie bereits in den anderen Bundesländern das Bestellsystem "Click & Collect" erlaubt. Kundinnen und Kunden können online oder telefonisch bestellte Ware unter Beachtung strenger Regeln vor Ort im Geschäft abholen.

"Zu spät, zu kurzfristig" 

Die Einführung des Bestellsystems "Click & Collect" in Sachsen kommt nach Einschätzung der IHK zu spät und zu kurzfristig. "Die Händler stehen jetzt vor der Herausforderung, schnell Waren zu beschaffen und auch Personal aus der Kurzarbeit zurückzuholen", sagte der Präsident der IHK Leipzig, Kristian Kirpal, am Mittwoch. Die IHK fordert aus diesem Grund weitere Öffnungen. Angesichts der sich entspannenden Infektionslage stünde die Politik in der Pflicht, Wege für eine Rückkehr ins normale Wirtschaftsleben aufzuzeigen.

Weitere Lockerungen und Einschränkung des Pendlerverkehrs

Weitere Öffnungen soll es laut Bund-Länder-Beschlüssen ab dem 1. März geben. Friseurinnen und Friseure sollen dann ihre Salons wieder öffnen dürfen. Die aktuell geltenden Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie werden aber grundsätzlich bis zum 7. März verlängert. Zudem will die sächsische Landesregierung wegen extrem steigender Corona-Zahlen in Tschechien den Pendler-Verkehr deutlich einschränken. Die Bunderegierung plant, Grenzkontrollen wieder einzuführen.

Quelle: MDR/mar

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 11.02.2021 | 19:00 Uhr

Mehr aus Sachsen

Ein Tiger in einem Gehege 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK