Corona-Zahlen In vier Landkreisen Sachsens auffällig viele Nachmeldungen von Corona-Infektionen

Täglich melden die regionalen Gesundheitsämter die Corona-Neuinfektionsfälle an das Robert-Koch-Institut. Doch in einigen Landkreisen spiegeln die gemeldeten Infektionszahlen nicht die tatsächliche Lage wider. Infektionsfälle werden nachgemeldet und fließen so nicht in die entscheidende Statistik ein - besonders häufig in den Landkreisen Mittelsachsen, Bautzen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sowie in Chemnitz. Nun gibt es Kritik aus dem Sozialministerium an diesen sehr auffälligen und anhaltenden Verzerrungen.

Ein Disponent sitzt in der neuen Krankenhausleitstelle Corona im Uniklinikum Dresden und koordiniert Anrufe von Patienten.
Bildrechte: imago images/Max Stein

Jeden Tag melden die Gesundheitsämter der Landkreise und sächsischen Großstädte die Corona-Infektionszahlen. Daraus ergibt sich der Inzidenzwert, an den derzeit konkrete Öffnungsschritte gekoppelt sind. Datenjournalisten des MDR haben sich nun nochmals die Nachmeldungen von Infektionszahlen angesehen.

Ihr Fazit: Die Abweichung des Zahlenwertes der Inzidenz auf 100.000 Einwohner liegt seit dem 1. März in vier sächsischen Kreisen durchschnittlich und anhaltend bei mehr als 20. Das heißt: Lockerungsschritte basieren auf Daten, die die tatsächlichen Infektionszahlen falsch widerspiegeln. Lockerungen werden zu früh eingeleitet. Mögliche Verschärfungen könnten zu spät erfolgen.

  • Mittelsachsen: durchschnittlich abweichender Wert 28,7
  • Bautzen: 27,8
  • Chemnitz: 26,3
  • Sächsische Schweiz-Osterzgebirge: 22,6

Auffällig viele Nachmeldungen in Bautzen

Die konkreten Abweichungen unterscheiden sich nach Analyse des MDR jedoch sehr stark. Am Mittwoch, dem 26. Mai, lag die Abweichung nach einem Tag im Landkreis Bautzen beispielsweise bei 12,3. Veröffentlicht wurde für Mittwoch ein Inzidenzwert von 41,4. Einen Tag später, am 27. Mai, vermeldete des Robert-Koch-institut (RKI) jedoch den Wert 53,7 (Abweichung: 12,3).

Tatsächlich viel höhere Werte?

Im Verhältnis zur gemeldeten Inzidenz der Infektionen je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen liegt die Abweichung im Landkreis Bautzen am höchsten. Dort ist die Inzidenz einen Tag nach dem Meldedatum durchschnittlich 19,6 Prozent höher als noch am Tag der Meldung selbst. In Mittelsachsen sind es im Schnitt 16,6 Prozent, in Chemnitz sind es 14,6 Prozent und in Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 17,6 Prozent.

Das Problem ist: Wenn man statistische Werte als Grundlage von Gesetzen heranzieht, sollte man genau hinschauen, wie reliabel diese Werte sind.

Helmut Küchenhoff Professor für Statistik an der Ludwigs-Maximilian-Universität München

Statistiker Helmut Küchenhoff kritisiert also, dass diese nicht verlässlichen Werte für politische Entscheidungen herangezogen werden.

Blick zu den Nachbarn

Die Auswertungen zeigen, dass Landkreise wie der Saale-Holzland-Kreis, Gera oder der Kyffhäuserkreis in Thüringen oder Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt fast keine Abweichungen durch Nachmeldungen haben.

Mehr zum Thema und die Übersicht über die Verzerrungen in allen Landkreisen Deutschlands finden Sie hier.

Sozialministerium drängt auf stabile Meldungen

Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) sagte zu den auffälligen Abweichungen in sächsischen Landkreisen: "Diese Nachmeldungen führen dazu, dass sich die Sieben-Tage-Inzidenz nach oben verändert." Man benötige aber Stabilität in den Meldungen. Das Ministerium habe am Mittwoch, 26. Mai, allen Landkreisen und kreisfreien Städten "nochmals mitgegeben, dass wirklich eine Stabilität, was das Melden betrifft, notwendig ist", erklärte Köpping.

Das ist eine Sache, die ich persönlich sehr kritisch sehe.

Petra Köpping sächsische Sozialministerin (SPD)

Köpping betonte, stabile Zahlen seien nötig, um mittelfristig und langfristig Maßnahmen organisieren zu können.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 27. Mai 2021 | 19:00 Uhr

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