Corona-Todesfälle Angespannte Lage in Sachsens Krematorien

Brennendes Grablicht auf einem Friedhof
Viele der sächsischen Krematorien sind am Ende der Kapazität. (Symbolbild) Bildrechte: imago/photothek

Die Krematorien in Sachsen sind wegen der Corona-Pandemie mit vielen Todesopfern an der Grenze des Machbaren angelangt. Die Kapazitätsgrenzen seien erreicht, sagte der Obermeister der Bestatter-Innung, Tobias Wenzel, am Mittwoch. "Das große Problem sind nun die Feiertage, davor haben alle Angst", so Wenzel. Zwar seien grundsätzlich auch Erdbestattungen möglich, denn es gäbe keine Empfehlung des Robert Koch-Institutes, dass infektiöse Tote eingeäschert werden müssen. Allerdings würden in Sachsen etwa 80 bis 90 Prozent der Toten verbrannt.

Vorläufige Bestattungsscheine

Wenzel zufolge gibt es in Sachsen zehn Krematorien mit rund 1.700 Kühlplätzen. Die seien im Moment gut ausgelastet. Normalerweise brauche man von der Einlieferung ins Krematoriums bis zur Einäscherung fünf Tage, derzeit seien es zehn. Das Verbringen der Toten zur Feuerbestattung nach Tschechien oder in andere Bundesländern sei keine Option. Der Transport müsste mit Lastkraftwagen erfolgen, was mit der Würde nicht vereinbar sei. Die Standesämter stellten derzeit einen vorläufigen Bestattungsschein aus, damit es nicht zu weiteren Verzögerungen komme.

Dramatische Situation in Zittau

Besonders dramatisch ist die Lage derzeit in Zittau. Am Dienstagabend hatte die Stadt bekannt gegeben, dass mittlerweile Leichen auch außerhalb des Krematoriums gelagert werden müssten, da die Kapazitätsgrenze erreicht sei. "Wir haben darüber berichtet, damit es in der Bevölkerung nicht zu Gerüchten kommt. Wir müssen das offenlegen und transparent sein", sagte Oberbürgermeister Thomas Zenker. Grund für die Situation sei die momentan hohe Sterblichkeit auch als Folge der Corona-Pandemie. Das Krematorium in Zittau könne pro Woche maximal 70 Tote einäschern. Nach Angaben der Stadt gab es vor allem in den vergangenen drei Monaten deutlich mehr Tote als normalerweise. Allein im Dezember sind es bislang schon 115, rund 70 mehr als im Jahr zuvor.

Entspannung nicht abzusehen

Zittaus Oberbürgermeister rechnet damit, dass sich die Lage noch verschärfen wird. "Es gibt deutlich höhere Sterbefallzahlen, mehr Aufnahmegespräche, Leichenschauen und Beurkundungen in den Standesämtern. So summiert es sich auf", sagte Zenker. Eingeäschert werde in Deutschland erst, wenn eine Sterbeurkunde vorliegt. "Es bringt nichts, so zu tun, als wäre die Welt in Ordnung. Angesichts der Situation in den Krankenhäusern um uns herum ist absehbar, dass da noch mehr Tote auf uns zukommen", so Zenker.

Quelle: MDR/bj/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.12.2020 | 14:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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