Corona-Lockerungen Kretschmer: "Nur radikale Reduzierung von Kontakten und Mobilität bringen Wirkung"

Der Lockdown in Sachsen wird bis zum 7. März verlängert. Doch es soll ab Montag auch erste vorsichtige Öffnungen geben: In Grundschulen und Kitas darf wieder gelernt und gespielt werden und auch der Abholservice im Einzelhandel ist erlaubt. Ab 1. März sollen auch Friseure wieder öffnen dürfen. Kritik gibt es von mehreren Seiten: Den einen sind die Öffnungen zu zaghaft, andere halten sie für verfrüht. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer erklärt im Interview mit MDR SACHSEN, warum vereinzelte Lockerungen gerade jetzt kommen.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat im Interview mit MDR SACHSEN die harten Einschränkungen seit dem Dezember verteidigt. Nur radikale Reduzierung von Kontakten und Mobilität brächten eine Wirkung, nicht Hygienekonzepte. Die seien aber eine zwingende Voraussetzung für Öffnungen.

Kretschmer: Grundschul- und Kitaöffnung ist der richtige Weg

Erste Lockerungen waren bereits in den vergangenen Tagen für den 15. Februar angekündigt worden. So gibt es ab Montag Abholmöglichkeiten beim Einkaufen. Kretschmer sagte im Bezug auf Grundschul- und Kitaöffnungen ab Montag, man habe eine Abwägung treffen müssen zwischen einhundert prozentigem Infektionsschutz und dem Anliegen der psychischen Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und Familien. Wer sich unsicher fühle, könne aber weiterhin seine Kinder zu Hause behalten, dafür sei die Präsenzpflicht ausgesetzt.

Es gibt viele wissenschaftliche Studien, die unser Vorgehen untermauern. Das ist eine richtige Entscheidung.

Michael Kretschmer Sächsischer Ministerpräsident

Die meisten anderen Bundesländer würden ebenfalls diesen Weg gehen - einige früher, andere etwas später.

"Riesiger Erfolg"

In Bezug auf die Senkung der Infektionsrate bezeichnete Kretschmer die zurückliegenden Monate als Erfolg. In ganz Deutschland und Sachsen seien die Bürger erfolgreich gewesen: "Wir haben eine Inzidenz von 460 gehabt und sind heute bei 75." Bleibe man jetzt diszipliniert, schaffe man auch Werte unter 50 oder 35. Dann könne man auch mit einem ruhigen Gewissen Dinge wieder ermöglichen.

Sorge vor Mutation

Laut Kretschmer besteht aktuell die große Sorge, dass die Mutation des Coronavirus' wesentlich aggressiver und ansteckender ist als die ursprüngliche Variante. Damit könnten die Zahlen in kurzer Zeit nach oben schnellen, das sehe man in London, Portugal und auch in Tschechien.

Es nutzt uns gar nichts, wenn wir wieder in die Situation vom Dezember kommen und die Krankenhäuser und Intensivstationen überlastet sind.

Michael Kretschmer Sächsischer Ministerpräsident

Sollte es eine Verschlechterung geben, müssten Einrichtungen auch wieder geschlossen werden. Das zögerliche Handeln der Landesregierung im Herbst 2020 bezeichnete Kretschmer als Fehler: "Wir haben zu lange gewartet, auf mildere Maßnahmen vertraut." Am Ende habe man ein exponentielles Wachstum erlebt. Nur die radikalen Schritte im Dezember hätten Wirkung gezeigt. Das müsse man sich für zukünftige Entwicklungen merken.

Wenn jeden Tag die Zahlen zunehmen, vielleicht über eine Woche, dann muss es sehr schnell zu diesen klaren Maßnahmen führen.

Michael Kretschmer Sächsischer Ministerpräsident

Weitere Wirtschaftshilfen laufen an

Über das bisherige Vorgehen bei der Überbrückungshilfe durch den Bund zeigte sich Kretschmer kritisch. Für die gestrigen Gespräche zum Bund-Länder-Gipfel sei eine Grundvoraussetzung für alle Ministerpräsidenten gewesen, dass die Gelder nun schnell ausgezahlt werden.

Es ist nicht nur ein Ärgernis. Es ist für viele Menschen, die als Selbstständige gearbeitet haben, eine furchtbare Situation, die auch zurecht kritisiert wird.

Michael Kretschmer Sächsischer Ministerpräsident

Viele hätten monatelang ohne Geld dagestanden und nicht mehr gewusst, wie es weitergeht. Durch die jetzige Entwicklung gebe es hoffentlich eine Perspektive für diejenigen, die noch nicht öffnen können.

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.02.2021 | 08:05 Uhr im Programm

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