Infektionsschutz Verspätete Testpflicht an Schulen - das sind die Reaktionen

Die Ankündigung, dass die Testpflicht an Sachsens weiterführenden Schulen nicht zeitgleich mit dem Start des Wechselunterrichts beginnt, sorgt für deutliche Kritik. Statt einer Testpflicht für Schülerinnen und Schüler ab den 5. Klassen gibt es freiwillige Schnelltests ab Klassenstufe 7.

Nach einer langen Pause kehren die Schüler der letzten Klasse aufgrund der Corona-Virus-Krankheit COVID-19 wieder zum Gymnasium zurück
Kinder und Jugendliche ab der 5. Klasse kehren ab Montag zurück in Sachsens Schulen. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/Action Pictures

Keine Schulöffnung um jeden Preis - das fordert die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Sächsischen Landtag, Christin Melcher. Sie sei dem Kultusministerium zwar dankbar für die Bemühungen, ausreichend Tests zur Verfügung zu stellen. Man solle aber ehrlich mit dem kurzfristigen Engpass umgehen und keine Schulöffnungen durchdrücken. Vor allem nicht dort, wo die Inzidenz bei 100 oder darüber liegt.

Die Öffnung der Schulen ohne sichere Teststrategie ist aus meiner Sicht zum jetzigen Zeitpunkt falsch. Der Infektionsschutz ist wichtiger als das Festhalten an fixen Daten.

Christin Melcher Bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Sächsischen Landtag

Die Linke im Landtag kritisiert, dass die Klassenstufen 5 und 6 nun ohne Tests dastehen. "Dennoch wird geöffnet, trotz hoher Fallzahlen und der Gefahr, dass sich die Mutationen ausbreiten", so Abgeordnete Luise Neuhaus-Wartenberg. Die Koalition enttäusche erneut eine Erwartung, die sie selbst geweckt habe. "Jetzt tritt ein, was viele erwartet haben: Es werden nicht genug Selbsttests da sein", so Neuhaus-Wartenberg.

GEW fordert: Schulen zulassen

Die Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW Sachsen, Uschi Kruse, appellierte an die Landesregierung, verantwortlich und fürsorglich zu handeln. "Die verpflichtenden Tests waren die Voraussetzung für die Öffnung der weiterführenden Schulen. Nun erleben wir erneut, wie einst getroffene Entscheidungen an der Realität scheitern und dann keine Konsequenzen daraus gezogen werden." So würden ab kommendem Montag unbemerkt Infektionen in die Schulen eingetragen. Ganz Sachsen drohten Zustände, wie man sie derzeit im Vogtland erlebe. "Dort ist die Positivrate bei Kindern viermal so hoch, wie beim Rest der Bevölkerung", erklärte Kruse. Sie forderte Ministerpräsident Michael Kretschmer dazu auf, weitere Schulöffnungen vorerst zu stoppen.

Lehrerverband SLV: Schulöffnungen wichtig

Etwas leisere Töne schlug am Nachmittag Jens Weichelt, Landesvorsitzender des Sächsischen Lehrerverbands an: "Der SLV kritisiert die vorerst fehlende Testpflicht, geht aber davon aus, dass das Kultusministerium die Pläne zu weiteren Schulöffnungen sowie alle anderen Maßnahmen des Gesundheitsschutzes umsetzt." Auch wenn in der kommenden Woche noch keine Testpflicht besteht, appellierte der Lehrerverband an Schülerinnen und Schüler, von den kostenlosen Schnelltests Gebrauch zu machen, die laut Kultusministerium ab Montag für alle Schüler ab 7. Klasse in den Schulen zur Verfügung stehen sollen.

Jens Weichelt während der Landespressekonferenz in Dresden.
Bildrechte: dpa

Aus pädagogischer Sicht sind die Schulöffnungen ganz wichtig. Die Lehrerinnen und Lehrer merken, dass es immer schwieriger wird, nach fast dreimonatiger häuslicher Lernezeit die Schüler Woche für Woche erneut zur Arbeit an den Lernaufgaben zu motivieren.

Jens Weichelt Landesvorsitzender des Sächsischen Lehrerverbandes

Wechselunterricht ab der 5. Klasse beginnt

Am Montag beginnt für rund 240.000 Schülerinnen und Schüler an den weiterführenden Schulen nach dem mehrmonatigen Corona-Lockdown der Präsenzunterricht. Vorerst werden sie im Wechselbetrieb unterrichtet. Ob die Schüler täglich oder wöchentlich zwischen Schule und dem Unterricht zu Hause wechseln, ist jeder Schule selbst überlassen.

Ursprünglich hatte die Landesregierung angekündigt, die Schulen ab der 5. Klasse in Verbindung mit einer Testpflicht von Schülerinnen und Schülern (einmal pro Woche) sowie dem Personal an Schulen (zweimal pro Woche) zu verbinden. Kultusminister Piwarz hatte am Donnerstag im Interview erklärt, dass dies nicht möglich sei. Es gebe Lieferengpässe bei den Selbsttests.

Kultusministerium: Lieferungen an Schulen bereits am Wochenende

In einer Pressemitteilung des Kultusministeriums hieß es am Nachmittag, die bestellten 1,5 Millionen Selbsttests sollten Ende der Woche geliefert werden. Noch am Wochenende solle die Verteilung an die ersten Schulen erfolgen.

Sobald die Selbsttests in ausreichender Stückzahl bei der Schule eintreffen, wird eine wöchentliche Testung der Schüler ab Klasse 5 verpflichtend.

Kultusministerium Sachsen

Wer die Tests verweigert oder kein aktuelles negatives Testergebnis vorlegen kann, dem wird der Zutritt zur Schule verweigert. Er wird zu Hause mit Lernaufgaben versorgt.

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.03.2021 | ab 08:10 Uhr

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